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„Tatort“ aus Bremen: So wird der Fall am Sonntag mit Jasna Fritzi Bauer

„Tatort“-Kolumne

Kommissarinnen im Krawall-Modus: sehenswerter „Tatort“ aus Bremen

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    Sarah Ritschel ist eine von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion.
    Sarah Ritschel ist eine von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion. Foto: Montage: AZ

    Gemütliches Licht, Kissen, an den Wänden Fotos von Familienmitgliedern – mit herausgeschnittenen Augen. Verkehrt herum sind sie aufgehängt. Die Welt von Rani Ewers (Via Jikeli) steht kopf. Sie hat ein liebevolles Zuhause für sich und ihre Tochter Mia, sieht alles Gute aber ständig bedroht. Sie fühlt sich verfolgt von einem Typen, so einem „nervigen Hipster“, wie der Imbissbesitzer sagt, der diesem Mann später seine Henkersmahlzeit servieren wird. Noch bevor man als Zuschauerin und Zuschauer seinen Namen kennt, treibt der lockige Hipster tot in der Weser. Es ist Marek Kolschak, Anfang 30, laut Drehbuch aufgewachsen in Augsburg. Das stimmt nicht ganz, aber fast. Kolschak wird gespielt von Jonathan Berlin, der 1994 in Ulm zur Welt kam und als Sohn einer Pfarrersfamilie im schwäbischen Günzburg seine Kindheit verbrachte.

    Wie Marek als flirrendes Gespenst auch im Tod immer wieder in diesen „Tatort“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) hineingeistert, so kurz aufflackert, dass man vor dem Fernseher von Ranis Sinnestäuschungen angesteckt wird, ist eines der besonderen filmischen Mittel der Bremer Episode „Solange du atmest“ (Regie: Franziska Margarete Hoenisch, Drehbuch: Judith Westermann).

    Auf Krawall gebürstet: Linda Selb (Luise Wolfram, links) und Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer).
    Auf Krawall gebürstet: Linda Selb (Luise Wolfram, links) und Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer). Foto: Claudia Konerding, Radio Bremen

    Hier weiß jemand, wie man einen modernen „Tatort“ erzählt. Schnelle Schnitte, kontrastreiche Bilder, dazu die Musik als zweite Ebene: Wenn es ihr von der Realität reicht, taucht Ranis Tochter Mia in ihre Taylor-Swift-Welt ab. Dort ist alles möglich, was die alleinerziehende Rani sich für die Kleine wünscht: dass jedem Mädchen die Welt offensteht. Ranis Mitbewohnerin Paula (schauspielerisch das Highlight der Folge: Sarina Radomski) hört beim Kochen daheim den Indierock-Hit „You‘ve got the Love“. Rani und Mia übergießt sie mit Liebe und Fürsorge. Und als Selb (Luise Wolfram) und Moormann (Jasna Fritzi Bauer) bei ihrer alten Stammdisco vorfahren, läuft im Autoradio „Rhythm Is a Dancer“ aus den Neunzigern. Moormann: „Hat sich alles ganz schön verändert hier.“ Selb: „Hat's nicht. Du bist einfach nur älter geworden.“

    „Tatort“ aus Bremen: plakativ, aber überzeugend

    Ja, auch diese Geschichte ist wieder mal ein bisschen zu voll und zu plakativ. Dass der Tote als Investigativjournalist ausgerechnet in einem Fall recherchierte, der Selb nicht aus dem Kopf geht, ist „Tatort“-typisch weit hergeholt. Dass ein Beweismittel glänzend an der Schuhsohle der oder des Tatverdächtigen prangt, nimmt dem Fall unnötig früh die Spannung.

    Jonathan Berlin spielt das Opfer im neuen Bremer „Tatort“ – und gewissermaßen auch einen Täter.
    Jonathan Berlin spielt das Opfer im neuen Bremer „Tatort“ – und gewissermaßen auch einen Täter. Foto: Claudia Konerding, Radio Bremen

    Aber wie sich der Film nach und nach als Geschichte über (krankhafte) Sehnsucht erweist, über Alleinsein und Dazugehören-Wollen, Ausgeschlossenheit und vielfach enttäuschte Liebe, das ist sehr klug und bewegend. „Solange du atmest“: Fast atemberaubend gut passt dieser Titel zur Gefühlswelt fast aller Beteiligten. Aber die Kommissarinnen sind auf Krawall gebürstet, Moormann nölig und immer kurz vor dem Explodieren, sogar Roboterfrau Selb verliert in ein paar winzigen Momenten ihre autistische Emotionslosigkeit. Unterhaltsam!

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