Huch, und dann umarmen sie sich auch noch. Ausgerechnet Franziska Tobler (Eva Löbau) und Kollege Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner). Die sich zuletzt schlimmer gegenseitig angenölt haben als die Münchner „Tatort“-Dinos zu deren nöligsten Zeiten, Vorbild Faber aus Dortmund lässt grüßen. Muss also schon was passiert sein in der neuen Freiburger Episode „Der Reini“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD), wenn kurz vor Minute 90 ein fast schon authentisches Knuddeln das Knurren ersetzt.
Ist auch so. Aber bis das Drama in einem verhängnisvollen Schuss gipfelt, muss das treue Krimi-Publikum ganz schön tapfer sein. Außer man kann nicht genug bekommen von noch so abgedroschenen Redewendungen, die Autor Bernd Lange über das Drehbuch geschüttet hat – dann: Party! Schaffe, schaffe, Häusle baue; Ohne Moos nix los; Unverhofft kommt oft; Schnee von gestern – alles dabei. Und dann wieder das notorisch deprimierende, badisch-provinzielle Ambiente, als bestünde der Freiburger Dunstkreis nur aus kargen Bauernhöfen, einsamen Wäldern und grauem Himmel. Schaffe, schaffe, „Tatort“ schaue.
Der „Tatort“ aus Freiburg mündet diesmal in eine veritable Geiselnahme
Aber Schluss mit dem eigenen Genöle. Wir haben ja noch einen Fall. Der, was das obligatorische Ableben eines armen Tropfes betrifft, nur eine Nebenrolle einnimmt. Ja, man will natürlich wissen, wer dem Apotheker in dessen Bett eine Kugel verpasst und ein paar Pillen geklaut hat. Aber der Verdächtigenkreis ist schon sehr überschaubar. Außerdem ist Tobler auf Fortbildung, Berg schmollt und hat keinen Bock, die Ermittlungen leitet die sehr junge Assistentin Ella (Luise Aschenbrenner). Nebensache also.
Viel entscheidender ist, wie der Spuk ausgeht, den ein Trio auf Bergs eben kargem Bauernhof veranstaltet. Das steht eines Tages in der guten Stube: Bergs Bruder „Reini“ (Felician Hohnloser), die verstört wirkende Mika (Mareike Beykirch) und, samt Knarre des Apothekers, der Kotzbrocken Luke Badrow (Karsten Antonio Mielke). Die drei sind aus der Psychiatrie getürmt. Und weil sich Badrow als gewaltbereiter Soziopath herausstellt, mündet die Geschichte bald in eine veritable Geiselnahme – der sich auch Tobler nicht entziehen kann.
Was heißt das jetzt für die beiden Freiburger „Tatort“-Kommissare?
Schließlich fällt der entscheidende Schuss, es wird kurz geknuddelt, und Schauspieler Wagner als Hofherr hat seine stärksten emotionalen Momente. Die einhergehen mit dem Lüften eines Familiengeheimnisses und der Frage: Was heißt das jetzt für die Kabbelei unter den Kommissaren?
Muss man doch wieder nächstes Mal gucken. Halt wieder mit kargen Bauernhöfen, einsamen Wäldern und grauem Himmel.
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