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Tatort „Licht“ aus Frankfurt: Darum geht es im neuen ARD-Krimi

Tatort-Kolumne

Neuer Frankfurt-Tatort „Licht“: Ein starker Blender mit Schattenseiten

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    David Falkner ist einer von fünf "Tatort"-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion.
    David Falkner ist einer von fünf "Tatort"-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion. Foto: Augsburger Allgemeine (Illustration)

    „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ Diese Worte legte einst Goethe seinem Götz von Berlichingen in den Mund. Fast schon unvermeidlich kommt einem dieser Ausspruch beim Schauen des neuen Frankfurt-„Tatorts“ in den Sinn. Denn in der neuesten Folge, dem zweiten Fall des frischen Ermittlerduos Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic), spielen Licht und Schatten eine zentrale Rolle. „Licht“ ist dann auch der logische Titel des TV-Krimis, der wie gewohnt am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

    Im neuen Frankfurt-Tatort „Licht“ geht es um ein verschwundenes Mädchen

    „Viktoria lebt. Ich weiß das.“ Das sagt ihre Mutter in die Handykamera, während sie im sonnendurchfluteten Wohnzimmer sitzt. Vor sechs Jahren ist das Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater verschwunden. Hat er seine Tochter und sich selbst getötet? Ist er mit ihr untergetaucht? Unbekannt. Weil es keine Spuren gibt, hat die Polizei den Fall zu den Akten gelegt. Eine Vermisste unter vielen, einer von vielen ungeklärten Fällen. Solche sogenannten „Cold Cases“ sind das Spezialgebiet des neuen Frankfurter Tatort-Duos. Als sich plötzlich ein Mann meldet und behauptet, zu wissen, wo sich das Mädchen befindet, sind die beiden sofort zur Stelle – und rutschen so schnell auch in einen sehr aktuellen Mordfall.

    Auf der Suche nach der vermissten Viktoria landen Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) auf dem Hof einer obskuren Sekte. Das Spiel mit Licht und Schatten spielt im gesamten Film eine wichtige Rolle.
    Auf der Suche nach der vermissten Viktoria landen Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) auf dem Hof einer obskuren Sekte. Das Spiel mit Licht und Schatten spielt im gesamten Film eine wichtige Rolle. Foto: Tatiana Vdovenko, HR/Sommerhaus

    Das Ermittlerduo steht zwar noch am Anfang seiner Karriere, aber dennoch nicht allein im Fokus des Films. Da ist noch etwas: das Licht. Womit wir zur Inszenierung von „Licht“ – also des Films – kommen, die tatsächlich außergewöhnlich ist: Geschickt werden Sonnenlicht, Lampenschein, warmes und kaltes Licht und Schattenwürfe vor der Kamera eingesetzt, um Bilder zu erzeugen, die in so einem deutschen Fernsehkrimi wirklich beeindrucken und an große Kinoproduktionen erinnern. Wie auch die großen Kinofilme aber wirkt auch dieser „Tatort“ durch seine Stilisierung immer ein wenig künstlich, weniger rau, nah und echt, wie es andere „Tatort“-Folgen in der Vergangenheit schon geschafft haben. Ob man das nun mag oder nicht, ist schlichtweg Geschmackssache. „Licht“ ist auf jeden Fall bemerkenswert reif und durchdacht inszeniert. Wer bisher fand, dass deutsche TV-Filme alle irgendwie gleich, staubig und billig aussehen, findet mit „Licht“ einen Gegenbeweis.

    Die Spur im neuen Tatort führt zu einer Lichtnahrungs-Sekte

    Nach und nach nehmen die Ermittlungen Fahrt auf, bis die Spur Azadi und Kulina zur Sekte „Licht der Welt“ führt. Die Sektenanhänger wollen sich von weltlichen Einflüssen freimachen, also auf Medikamente oder Nahrung verzichten und nur noch von Licht leben. Das Konzept der „Lichtnahrung“ ist tatsächlich keine Erfindung der Filmemacher, es gibt auch im echten Leben Menschen, die denken, dass das funktionieren kann – was wissenschaftlich widerlegt und für die Anhänger teilweise auch schon tödlich ausgegangen ist.

    Auch wenn es „Licht“ gelingt, trotz der etwas abstrusen Sektenthematik nicht komplett den Bezug zum Boden zu verlieren, verkommt die Darstellung der Licht-Sekte arg zum Klischee – ein Fallstrick, dem vor dieser „Tatort“-Folge auch schon andere (und bessere) Filme erlegen sind: Müde Blicke, stumme, traurig schauende Kinder, Sektenführer mit aufgesetztem Lächeln und leeren Worten – das ist arg abgedroschen. Dennoch entwickelt der Krimi vor allem im letzten Drittel eine emotionale Sogwirkung, die mitreißt und abschließend mit einem netten Twist überzeugen kann.

    Das Ende spielt dann mit vielen Grautönen, „Licht“ ist kein Gute-Laune-Film. So richtige Happy Ends gab es ja auch bei Goethe eher nicht. Denn der alte Meister hatte eben damals schon recht: Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten.

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