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Tot durch Chemikalien: Deutsche Familie aus Hamburg war im Istanbuler Hotel eingesperrt

Türkei

Tod durch Chemikalien: Deutsche Familie war im Istanbuler Hotel eingesperrt

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    Die Tür des Hoteleingangs in Istanbul ist mittlerweile verplombt. Hier wohnte die Familie, die im Türkeiurlaub starb.
    Die Tür des Hoteleingangs in Istanbul ist mittlerweile verplombt. Hier wohnte die Familie, die im Türkeiurlaub starb. Foto: Ahmed Deeb, dpa

    Servet B. wollte mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ins Krankenhaus. Den vier deutschen Touristen war übel, ein Kind war ohnmächtig. Der Krankenwagen stand schon vor der Tür, doch die Familie aus Hamburg kam nicht aus ihrem Istanbuler Hotel heraus: Der Angestellte an der Rezeption war zum Essen gegangen und hatte die Eingangstür des Hauses verschlossen. Er wollte verhindern, dass Diebe während seiner Abwesenheit ins Hotel eindringen, sagte der Mann später der Polizei.

    Aufnahmen einer Sicherheitskamera aus der Nacht zum Donnerstag voriger Woche zeigen, wie Servet B. verzweifelt versuchte, die Hoteltür von innen aufzubrechen und die Fenster einzuschlagen. Die Sanitäter aus dem Krankenwagen und Passanten halfen von außen, bekamen die Tür aber nicht auf. Erst als der Rezeptionist zurückkehrte, konnten die B.s in die Klinik fahren, wie die Staatsanwaltschaft ermittelte. Dort starben zuerst die Mutter und die beiden Kinder, vermutlich an Vergiftung durch ein Insektizid, das im Hotel versprüht worden war. Einige Tage später starb auch Familienvater Servet B.

    Ein Kammerjäger hatte im Zimmer 101 des Hotels ein hochgiftiges Mittel gegen Ungeziefer versprüht

    Nachforschungen der Justiz ergeben nach Berichten staatlicher und privater Medien in der Türkei eine Verkettung aus Gesetzesverstößen, Schlamperei und Inkompetenz, die für die Deutschen tödlich war. Dass der Rezeptionist die Familie B. im Hotel einschloss, war nur ein Glied in dieser Kette.

    Eine Kammerjäger-Firma hatte im Zimmer 101 des Hotels ein hochgiftiges Mittel gegen Ungeziefer versprüht. Dämpfe zogen in das ein Stockwerk höher gelegene Zimmer mit der Nummer 201 – das Zimmer der B.s, das in türkischen Medien inzwischen als „Todeszimmer“ beschrieben wird. Die vier Hamburger atmeten das Gift unwissentlich ein.

    Das Gebäude des Hotels soll 60 bis 70 Jahre alt und seit langem mit Ungeziefer verseucht sein. Die Journalistin Nevsi Mengü, die einen viel beachteten Youtube-Kanal betreibt, zitierte aus der Zuschrift eines Zuschauers, der nach eigenen Angaben in dem Haus aufwuchs, bevor es in ein Hotel umgewandelt wurde. Schon damals seien zweimal im Jahr Chemikalien versprüht worden. Auch in anderen Hotels dieser Gegend in der Altstadt gebe es viel Ungeziefer.

    Der Firmenbesitzer schob die Schuld für den Einsatz des Insektizids auf seinen Mitarbeiter

    Eine Putzfrau des Hotels sagte laut der Zeitung Karar, sie habe im Zimmer 101 zehn bis zwölf leere Pakete Insektizid gefunden. Im Zimmer der Familie B. hätten Tüten mit Erbrochenem gelegen.

    Weder der Inhaber der Kammerjäger-Firma noch sein Angestellter, der das Gift im Hotel versprühte, hatten eine Lizenz für diese Arbeit, wie der Nachrichtensender CNN-Türk unter Berufung auf das Verhör der festgenommenen Firmenvertreter berichtete. Der Firmenbesitzer schob demnach die Schuld für den Einsatz des hochgiftigen Insektizids in dem Hotel auf seinen Mitarbeiter.

    Die türkischen Behörden erlassen nun eine Flut neuer Vorschriften

    Todesopfer durch Insektizid-Einsatz in Wohnräumen sind in der Türkei keine Seltenheit. Vor einem Jahr starb die deutsche Studentin Marlene B. in ihrer Istanbuler Wohnung. Zunächst war – wie bei der Hamburger Familie – eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache angenommen worden, doch dann stellte sich laut der Zeitung Hürriyet heraus, dass die damals 21-jährige Frau von Bettwanzen-Gift getötet wurde.

    Aus Furcht vor Auswirkungen auf den Fremdenverkehr – die Branche brachte 2024 mehr als 60 Millionen Urlauber in die Türkei – erlassen die türkischen Behörden jetzt eine Flut neuer Vorschriften. Der Gouverneur von Istanbul, Davut Gül, kündigte Kontrollen aller Kammerjäger an. Gastronomiebetriebe müssen eine 24-Stunden-Videoüberwachung einführen und Proben ihrer Speisen 72 Stunden lang aufbewahren.

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