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Toter Buckelwal „Timmy“: Explosion und Krankheitsübertragung drohen

Ostsee

Timmy droht zu platzen: Warum explodieren eigentlich Wale?

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    Der Buckelwal „Timmy“ liegt am Strand einer Insel vor der dänischen Küste. Er war Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet.
    Der Buckelwal „Timmy“ liegt am Strand einer Insel vor der dänischen Küste. Er war Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet. Foto: Marcus Golejewski, dpa

    Der Buckelwal, der als „Timmy“ und „Hope“ bekannt wurde, ist tot und soll nun am Strand untersucht werden. Sein Körper liegt vor der dänischen Insel Anholt, inmitten der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden. Wer die Fotos von dem Tier von vor zwei Wochen mit den aktuellen vergleicht, merkt schnell: Der Wal ist runder geworden. „Timmys“ verwesender Körper droht zu explodieren.

    Buckelwal „Timmy“ soll am Strand obduziert werden

    Noch liegt der Buckelwal im flachen Wasser. Zunächst hatte es Pläne gegeben, den Wal in tieferes Gewässer und später in den der Insel nahegelegenen Hafen von Grenaa zu ziehen. Doch das Wetter spielte nicht mit und es trieb ihn noch näher an den Strand. Die dänische Umweltbehörde teilte laut Deutscher Presseagentur mit, dass er dort nicht bleiben könne.

    Mitte Mai wurde „Timmys“ Kadaver am Strand von Anholt gefunden.
    Mitte Mai wurde „Timmys“ Kadaver am Strand von Anholt gefunden. Foto: Marcus Golejewski, dpa (Archivbild)

    Schon am Wochenende soll der Wal an Land gezogen werden. Gegen Ende der ersten Juniwoche sollen wissenschaftliche Untersuchungen stattfinden. Im Anschluss soll der Kadaver entsorgt werden. Unter anderem wird der Sender, mit dem „Timmy“ ausgestattet worden war, ausgewertet. Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern hofft auf Erkenntnisse zum Schicksal des Tieres nach der Freilassung.

    Der Wal hatte sich im März zuerst am Timmendorfer Strand festgeschwommen. Später blieb er erneut vor der Ostseeinsel Poel liegen. Im Rahmen einer privat finanzierten Initiative wurde der Buckelwal in einer speziellen Vorrichtung schließlich von der Ostsee in Richtung offenes Meer transportiert. Das Tier war schon vor der Aktion geschwächt. Mitte Mai wurde am Strand von Anholt ein toter Wal gefunden. Wenig später verkündeten die dänischen Behörden, dass sie ihn identifizieren konnten und es sich um „Timmy“ handele.

    Walkadaver können Krankheiten übertragen

    Sich dem Kadaver des Wals zu nähern, ist nicht ungefährlich. Der Bereich um ihn herum wurde abgesperrt. Die dänische Umweltbehörde warnte Anwohner und Badegäste davor, sich dem Tierkörper zu nähern. Es bestehe Ansteckungsgefahr. Lisa Klemens, Meeresbiologin am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, schreibt auf Anfrage unserer Redaktion: „Meeressäuger können Krankheiten wie Influenza, Röteln, Toxoplasmose (wurde auch schon in Delfinen nachgewiesen) und Brucellose übertragen.“ Außerdem ist es möglich, eine Blutvergiftung und andere Infektionen, die durch Verwesungsbakterien ausgelöst werden können, zu bekommen. Experten zufolge besteht Grund zur Sorge, dass der Wal platzt und sich sein Inneres explosionsartig verteilt.

    Nach dem Tod eines Tieres setzen Verwesungsprozesse ein. Bakterien vermehren sich, die sich von den Überresten von „Timmy“ ernähren. Sie zersetzen den Kadaver, wobei Schwefelverbindungen, Kohlendioxid und Methan entstehen. Laut Klemens sammeln sich diese Gase in Körperhöhlen an. Der Darm ist davon besonders betroffen, weil dort durch das Mikrobiom bereits viele Bakterien aktiv sind.

    Üblicherweise kühlen kalte Luft und kühles Wasser auf dem offenen Meer den Körper. Am Strand ist der Wal der Sonne und dem warmen Wasser ausgesetzt, was den Körper erhitzt. Zudem haben Wale eine dicke Fettschicht, die den Körper im kalten Wasser isolieren soll, um die Körpertemperatur bei lebenden Walen zu halten. Sie hält den toten Wal allerdings auch zusätzlich warm. Das fördert in Summe die Bakterienvermehrung und die Gasbildung. Da die Speiseröhre eines Wals durch eine Knorpelöffnung und die Darmöffnung ebenfalls laut Klemens oft verschlossen ist, können die Verwesungsgase kaum entweichen.

    Wie öffnen Wissenschaftler einen toten und aufgeblähten Wal?

    Für eine Obduktion muss der Wal jedoch geöffnet werden. Klemens schreibt, dass „die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorsichtig einen Schnitt entlang des Rückens oder an der Zunge machen“ können, um die Gase entweichen zu lassen. Die Entsorgung der Überreste nach den Untersuchungen obliegt den dänischen Behörden. Noch ist nicht bekannt, was mit ihnen passieren soll. Hingegen weiß die Wissenschaft inzwischen sehr genau, was mit dem Körper eines Wals nach dessen Tod passiert, wenn alles seinen natürlichen Lauf nehmen darf.

    Buckelwale gehören zur Familie der Bartenwale. Anstelle von Zähnen besitzen sie sogenannte Barten. Das sind fransige Hornplatten, die wie ein Sieb funktionieren. Stirbt ein Wal aus dieser Familie eines natürlichen Todes, sinkt er laut Klemens auf den Meeresboden. Krebse, Seesterne, Haie, Fische und mikroskopisch kleine Organismen machen sich über den Körper her. In der Tiefsee werden die Knochen eines Wals von Bartwürmern abgebaut. Klemens weiß: „Diese Würmer sind auf Walknochen als Lebensgrundlage spezialisiert.“ Die einzelnen Teile eines Walkörpers gehen also normalerweise wieder in den Nährstoffzyklus ein.

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