Ist ja wieder gut. Die Tränchen sind getrocknet, München steht noch und Batic und Leitmayr ruheständeln zufrieden unter der kroatischen Sonne. Außerdem serviert die ARD, sozusagen als schmerzdämpfende Maßnahme, nur eine Woche nach dem Abgang des bisher dienstältesten „Tatort“-Ermittlerduos den nächsten Auftritt des neuen dienstältesten Gespanns. Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) fahnden nach dem Bösen in Köln. „Showtime“ (Sonntag, 20.15 Uhr) ist ihr 95. Fall; noch fünf, dann haben sie zu den Münchnern aufgeschlossen.
Vom antiken roten Porsche also, den Leitmayr zum Abschied wiederbelebt, zu Schenks altem Ami-Schlitten – ist der nicht kürzlich auf One zum xten Mal durch „Die Straßen von San Francisco“ geblubbert? Wie überhaupt so einiges in der neuen Kölner Folge an den Krimi-Klassiker aus den 70er-Jahren erinnert, von der Musik bis zum Splitscreen, einer Technik, bei der der Bildschirm in zwei oder drei Geschehnisse oder Perspektiven aufgeteilt wird. Warum, erschließt sich allerdings nicht so recht. Mit der Story hat das jedenfalls nichts zu tun. Und damit zum Hauptproblem. Dem Kölner Kardinalfehler, wenn man so will.
Max Giermann macht das ganz wunderbar, seine Monologe sind eine Wucht
Im Mittelpunkt von „Showtime“ steht Frank Anders, Moderator einer beliebten TV-Kindersendung, Held der Jugend und zugleich übler Choleriker, sobald die Kamera aus ist. Ein pferdewettensüchtiger Kollege aus der Filmcrew liegt eines Tages nahezu atomisiert in seinem ausgebrannten Wagen. Ballauf und Schenk übernehmen und müssen schnell feststellen, dass hinter den Kulissen der Show, gelinde gesagt, verdammt dicke Luft herrscht. Und jetzt das Problem: Frontmann Anders wird gespielt vom Komiker und Parodisten Max Giermann („Switch Reloaded“).
Der macht das im Grunde ganz wunderbar. Seine Monologe sind eine Wucht. Nur flutscht in jeder Szene, in der Anders vor sich hinschmollt, die grandiose Imitation von Ex-Grünen-Minister Robert Habeck aus dem Satiremagazin „extra 3“ ins Hirn. Schaut er ganz ernst, taucht vor dem inneren Auge das Comedy-Format „LOL: Last One Laughing“ auf. Wer zuerst lacht, ist raus – auch da war Giermann schon zu Gast. Und wenn sich Anders erst in Rage redet, die Kommissare zusammenstaucht („Die Beamtenärsche werden ja auch bis zur Pension durchalimentiert“) und dann sein eigenes Team: Klingt wie Giermanns brillante Parodie auf Schauspielrüpel Klaus Kinski 2016 bei der Verleihung der Goldenen Kamera – zum Wegwerfen komisch.
Das ist in weiten Teilen unterhaltsam, kurzweilig, eine kleine Erholung von den sonst notorisch sozialkritisch gefärbten Fällen in Köln. Aber Max Giermann diese Rolle abzunehmen, will einfach nicht gelingen – erst recht, als er in den Kreis der Verdächtigen gerät. Dass seine Sendung arg gekünstelt „Sachen und Lachen“ heißt (Hauptsache Reim!) und darin Figuren wie der tapsige Tapir Tassilo (Hauptsache Alliteration!) herumwatschelt, macht das nicht besser. Auch wenn diesem, dargestellt von Erkan Acar, bei der polizeilichen Vernehmung der lustigste Spruch des Films zufällt: „Die Lage für Tapire am Arbeitsmarkt ist begrenzt.“
Bis zur 100. „Tatort“-Folge von Ballauf und Schenk ist es nicht mehr lange hin
Ist das noch ein Krimi? So richtig erst in der letzten halben Stunde. Als die Fassade der Kinderfernseh-Truppe endgültig in sich zusammenfällt. Man so langsam hinter die Geschichte eines kleinen Mädchens kommt, das, einsam vor dem Fernseher sitzend, immer wieder eingeblendet wird. Und sich Frank Anders, tot vor einem Gebäude liegend, auch schon verabschiedet hat.
Nur Ballauf und Schenk bleiben natürlich. Bis zur 100. Folge ist es ja nicht mehr lange hin.
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