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50. Todestag: Wie Diktator Franco Spanien bis heute spaltet

50. Todestag

Wie Dikator Franco Spanien bis heute spaltet

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    Aktivisten demonstrieren gegen die zunehmende Franco-Nostalgie in Spanien.
    Aktivisten demonstrieren gegen die zunehmende Franco-Nostalgie in Spanien. Foto: Diego Radamés, dpa

    Vor dem historischen „Königlichem Postgebäude“ an Madrids zentralem Platz Puerta del Sol drängen sich täglich Touristen und schießen Fotos. Doch kaum einer der Stadtbesucher ahnt, dass dieser barocke Bau mit seiner berühmten Turmuhr einst das Herzstück des Unterdrückungsapparats der spanischen Franco-Diktatur war. Das Gebäude beherbergte die Zentrale des Sicherheits- und Geheimdienstes. Dort wurden während der von 1939 bis 1975 bestehenden Diktatur unter General Francisco Franco unzählige Oppositionelle verhört und brutal gefoltert.

    Spanien leidet auch nach Jahrzehnten unter Franco-Diktatur

    In diesen Tagen, 50 Jahre nach dem Tod Francisco Francos, wurde der Bau von Spaniens sozialdemokratischem Premier Pedro Sánchez zum „Ort der Erinnerung“ ernannt. Das Gebäude sei ein „Symbol für die Menschenrechtsverletzungen während des Franco-Regimes“, heißt es in der Begründung. Doch die Umsetzung stößt auf Widerstand: Die konservative Präsidentin der Hauptstadtregion Madrid, Isabel Díaz Ayuso, deren Amtssitz heute in ebendiesem Gebäude liegt, lehnt schon das Anbringen einer Plakette ab. Die Erinnerungstafel bezeichnet sie als Provokation und ein Aufreißen alter Wunden. Für Spaniens Regierung ist das Gedenkschild hingegen ein notwendiger Schritt der Aufarbeitung – damit die Verbrechen der Diktatur nicht in Vergessenheit geraten.

    Der Streit zeigt deutlich, wie tief Spanien selbst Jahrzehnte nach dem Tod des rechtsgerichteten Diktators noch immer gespalten ist. Zwar markierte der 20. November 1975 das Ende einer fast vier Jahrzehnte währenden autoritären Herrschaft, leitete aber keine Versöhnung ein. Spanien erlebte nach 1975 keinen revolutionären Umsturz, wie es etwa 1974 in Portugal der Fall war. Stattdessen entschied man sich für einen vorsichtigen Übergang: den „Pakt der Transición“.

    Erst 1977 fanden erste freie Wahlen in Spanien statt

    Ein erster Durchbruch gelang im Jahr 1977, als Spanien die ersten freien Parlamentswahlen seit dem Bürgerkrieg (1936-1939) abhielt – ein Meilenstein, der eine demokratisch legitimierte Regierung hervorbrachte. Gleichzeitig verabschiedete das neue Parlament das Amnestiegesetz. Es entließ politische Gefangene aus den Haftanstalten, garantierte Exilierten die Rückkehr und schuf die Grundlage für einen politischen Ausgleich, der den Übergang stabilisieren sollte. Doch das Gesetz hatte eine zweite, bis heute umstrittene Seite: Es schützte auch Täter des Franco-Systems vor Strafverfolgung – ein Preis, den die junge Demokratie für den Systemwechsel zahlte.

    Wie zerbrechlich die politische Wirklichkeit blieb, zeigte sich 1981, als Teile der Sicherheitskräfte versuchten, den Wandel im Land gewaltsam zurückzudrehen: Beim Putschversuch am 23. Februar 1981 stürmten bewaffnete Offiziere das Parlament. Erst eine entschiedene Fernsehansprache von König Juan Carlos, in der er sich klar auf die Seite der Verfassung stellte, beendete diesen Aufstand und brachte die Demokratie endgültig auf Kurs.

    Trotz des Bekenntnisses zur demokratischen Ordnung, tat sich Spanien lange schwer mit seiner Vergangenheit. Grund dafür war der „Pakt der Transición”, der auf ein Totschweigen der Vergangenheit setzte. Erst nach mehreren Jahrzehnten begann das Land, wenn auch zögerlich, mit der Aufarbeitung: Im Jahr 2007 wagte die sozialdemokratische Regierung von José Luis Zapatero einen ersten Schritt und verabschiedete ein „Gesetz der historischen Erinnerung”. Doch Initiativen wie diese werden von der konservativen Opposition scharf kritisiert. Ein Manifest konservativer Intellektueller hält der Regierung gar vor, mit der Aufarbeitung der Vergangenheit eine „bürgerkriegsähnliche Spaltung“ der Gesellschaft zu betreiben.

    Ein Viertel von Spaniens jungen Männern halten Diktatur nicht schlecht

    Die zunehmende Polarisierung in Spanien geht dabei mit einer beunruhigenden gesellschaftlichen Entwicklung einher: Eine aktuelle Umfrage besagt, dass 26 Prozent der jungen Männer ein autoritäres System nicht grundsätzlich für schlechter halten als eine Demokratie. An diesem Donnerstag werden sich überall Menschen in Kirchen und Kneipen versammeln, um dem Diktator zu huldigen. Einige werden wohl wieder den rechten Arm ungeniert zum Nazigruß heben und Hymnen des Regimes schmettern. Nicht nur zwischen Altären und Zapfhähnen, auch im Netz, an Schulen und Unis erlebt der Kult um den „Generalísimo“ einen Boom. Die Zeitung El País stellt fest: „Immer häufiger sind bei Protesten (gegen die Linksregierung) junge Menschen zu sehen, die die Landesflagge der Franco-Zeit schwenken oder den Arm heben.“ In den sozialen Netzwerken preisen Influencer mit zum Teil Hunderttausenden Followern den toten Diktator an. (mit dpa) 

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