Fünf Jahre nach seiner Abreise ins selbstgewählte arabische Luxus-Exil meldet sich Spaniens Altkönig Juan Carlos zurück – mit einem Buch, das im Königshaus in Madrid für neuen Ärger sorgt. Der 87-Jährige, der in seinem Land in Ungnade fiel, liefert darin ein Gemisch aus kleinlauten Schuldbekenntnissen, historischer Selbstverklärung und gehörigem Groll gegen die eigene Familie. Die Memoiren „Juan Carlos I. von Spanien. Versöhnung“ erscheinen dabei Anfang November zunächst im Nachbarland Frankreich, in Spanien erst im Dezember.
Der Zeitpunkt der Buchveröffentlichung ist kein Zufall: Madrid begeht in diesem Monat den 50. Jahrestag der Monarchie nach Ende der rechtsgerichteten Diktatur unter General Francisco Franco. Die Feier im spanischen Parlament soll jedoch ohne den Mann stattfinden, der nach dem Tod von Franco im November 1975 Spaniens königliches Staatsoberhaupt wurde. Er fühle sich deswegen „gedemütigt“, sagte Juan Carlos in mehreren Interviews, in denen er über sein Buch sprach.
100 Millionen Dollar vom saudischen König: „Geschenk, das ich nicht ablehnen konnte”
Der Ton seiner Memoiren, die er mit der Autorin Laurence Debray verfasste, pendelt zwischen Selbstrechtfertigung und gekränkter Eitelkeit. Etwa in dem Kapitel über jene 100 Millionen Dollar, die der saudische König Abdullah im Jahr 2008 unter fragwürdigen Umständen an Juan Carlos überwies – angeblich, wie es im Buch heißt, „ein Geschenk, das ich nicht ablehnen konnte”. Dies sei allerdings, aus heutiger Sicht, ein Fehler gewesen. Der König verteidigt sein damaliges Vorgehen damit, dass er seine Familie und seinen Ruhestand habe absichern wollen.
Doch die Sache ist brisanter, als Juan Carlos es darstellt. Die Schweizer Justiz fand heraus, dass das Geld über Konten in der Schweiz und auf den Bahamas floss. Ermittler vermuteten, die Summe könne eine Provision für einen milliardenschweren Eisenbahnauftrag an spanische Firmen in Saudi-Arabien gewesen sein – ein Projekt, das auf Vermittlung des Königs zustande kam. Zudem war die Summe offenbar Teil eines geheimen, unversteuerten Auslandsvermögens, das Juan Carlos gehortet haben soll. In Spanien wurden die Ermittlungen zwar eingestellt, der Schaden für das Ansehen der Monarchie blieb.
Lobende Worte für Diktator Franco
Dass der König im Ruhestand lobende Worte für Franco findet, der eisern herrschte, die Opposition unterdrückte und für die Hinrichtung zehntausender Regimegegner verantwortlich war, dürfte in Spanien noch eine heftige Debatte provozieren. So urteilt Juan Carlos über Francos 36-jährige autoritäre Herrschaft: „Ich respektierte ihn zutiefst, ich schätzte seine Intelligenz und seinen politischen Instinkt.” Und: „Niemand konnte ihn stürzen oder auch nur destabilisieren – das ist eine Leistung.“
Hinsichtlich des Putschversuchs vom 23. Februar 1981, als bewaffnete Militärs das spanische Parlament stürmten, weist Juan Carlos jede Verstrickung in diesen Angriff auf die Demokratie zurück – obwohl sein einstiger Vertrauter General Alfonso Armada verwickelt war. Der General habe ihn verraten, sagt der Altkönig jetzt.
In der offiziellen Geschichtsversion Spaniens wird dessen Bild als Retter der jungen Demokratie gepflegt – weil er in der Putschnacht, sieben Stunden nach Beginn des Aufstands, dem Militär die Rückkehr in die Kasernen befahl. Seine Kritiker halten ihm hingegen ein widersprüchliches Verhalten und eine gewisse Unentschlossenheit vor.
Sein eigener Sohn Felipe forderte ihn auf, Spanien zu verlassen
Nicht nur politisch, sondern auch privat spart Juan Carlos nicht mit eitler Selbstinszenierung. Über seine schon lange von ihm getrennt lebende Ehefrau, Königin Sofía (86), die er über Jahrzehnte hinweg mit anderen Frauen betrog, sagt er in rührseligem Ton: „Spanien hätte keine hingebungsvollere und untadeligere Königin haben können.“
Erstmals bestätigt Juan Carlos, dass sein 57 Jahre alter , der nach seiner Abdankung im Jahr 2014 die Krone erbte, mit ihm formell gebrochen habe: „Mein Sohn hat mir aus Pflichtgefühl den Rücken gekehrt. Ich verstehe, dass er als König öffentlich eine klare Haltung wahren muss. Aber ich habe gelitten, ihn so unsensibel zu sehen.“ Felipe hatte sich nach den vielen Skandalen von seinem Vater distanziert und ihn vor fünf Jahren zum Verlassen Spaniens aufgefordert, um weiteren Schaden von der Monarchie abzuwenden.
Auch mit Felipes Ehefrau, der bürgerlichen Königin Letizia, rechnet Juan Carlos ab. Die 53-Jährige gilt als emanzipierte und fortschrittliche Frau, die im angestaubten Königshaus für frischen Wind und spürbare Modernisierung sorgte. Dies bekam der Altkönig zu spüren. „Die Ankunft Letizias”, so Juan Carlos vieldeutig, „hat die Harmonie unserer familiären Beziehungen nicht gefördert.“
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