Nach Informationen unserer Zeitung werden die Bundeswehr-Standorte Kempten und Kaufbeuren vermutlich geschlossen. Der Standort Sonthofen soll halbiert, Füssen und Donauwörth sollen „ signifikant reduziert“ werden, hieß es in der Nacht zum Mittwoch. Die Standorte Dillingen und Lagerlechfeld bleiben nach letzten Informationen erhalten.
Damit sind nach monatelangen Spekulationen über Standortschließungen in unserer Region erste Orte durchgesickert. Denn erst heute wird Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bekannt geben, welche der insgesamt 400 Kasernen und anderen militärischen Einrichtungen nach der drastischen Truppenverkleinerung um mehr als ein Viertel definitiv bestehen bleiben. Nach Informationen aus Bundeswehrkreisen sollen bundesweit 30 Standorte geschlossen werden, an 58 Standorten könnte massiv Personal abgebaut werden.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte über das Fortbestehen des Bundeswehr-Standorts Lagerlechfeld am späten Dienstagabend im Gespräch mit unserer Zeitung wörtlich: „Das kriegen wir hin.“ In Lagerlechfeld ist das Jagdbombergeschwader 32 stationiert. 2500 Soldaten und zivile Beschäftigte arbeiten dort. Zudem betonte Seehofer, dass er „keine bundeswehrfreie Landeshauptstadt“ wolle.
Infos zu den Bundeswehr-Standorten in der Region.
Die Standortentscheidung ist die letzte wichtige Weichenstellung der Bundeswehrreform nach dem Aussetzen der Wehrpflicht. Die Reform war im Frühjahr 2010 von de Maizières Vorgänger zu Guttenberg (CSU) auf den Weg gebracht worden. Die Bundeswehr soll von 250 000 auf 170 000 bis 185 000 Soldaten schrumpfen – je nachdem, wie viele junge Leute sich für den neuen Freiwilligendienst finden. Das Aussetzen der Wehrpflicht hat bereits zu einer Verkleinerung auf rund 200 000 Soldaten geführt.
Bis tief in die Nacht hinein wurde auf einer Leitungsklausur über die Streichliste verhandelt. Bayern mit 68 Standorten wird spürbare Einschnitte hinnehmen müssen. Unklar blieb, wie viele Stellen wegfallen. Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) hatte eine Größenordnung von rund 12 000 Stellen genannt.
CSU fordert Hilfen für betroffene Kommunen
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der CSU-Fraktionschef im Landtag, Georg Schmid (Donauwörth), forderten Hilfen für betroffene Kommunen. Es müsse „konkrete Hilfeleistungen“ des Bundes geben, sagte Herrmann. Schmid ergänzte: „Da muss sich der Bund in die Verantwortung nehmen lassen.“ Der Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Gerd Müller (Kempten), forderte unbürokratische Verhandlungen über die Nutzung frei werdender Grundstücke. „Die betroffenen Kommunen müssen bei der Ansiedlung von Gewerbe unterstützt werden.“