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Corona-Krise
01.03.2021

Österreich plant weitere Öffnungen vor Ostern - und ein Experiment in Vorarlberg

Österreich öffnet noch vor Ostern die Außengastronomie. In Vorarlberg darf bereits Mitte März geöffnet werden.
Foto: Sven Hoppe, dpa (Symbol)

Nach zähen Gesprächen soll in Österreich am 27. März erst einmal nur die Außengastronomie öffnen dürfen. Tourismus und Kultur werden vertröstet.

Es ist ein Beispiel für die so berühmten „österreichischen Lösungen“: Nicht wirklich öffnen, aber dennoch etwas lockern – trotz Ausbreitung von Mutationen und einem zunehmenden Infektionsgeschehen. Zumindest etwas musste die Bundesregierung von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz und den Grünen dem enormen Druck der Wirtschaft und der Landeshauptleute, die auf möglichst rasche Öffnungen drängten, nachgeben. Viel mehr als einen vager Plan für die kommenden Wochen und Monate aber scheint die Regierung nicht zu haben. Und: Bei den Landeshauptleuten dürfte der nun verkündete Kompromiss dem Vernehmen nach nicht auf große Begeisterung gestoßen sein.

Sportstätten und Biergärten dürfen in Österreich im Lauf des März öffnen

Gastgärten - wie die Außengastronomie in Österreich heißt - sollen zu Beginn der Karwoche am 27. März öffnen dürfen. Das verkündete die Regierungsspitze um Kurz am Montagabend bei einem Pressestatement. Notwendig für den Besuch soll dafür, wie seit 8. Februar schon bei körpernahen Dienstleitern, ein negativer Antigen-Schnelltest sein. Auch Sportstätten dürfen ab Mitte März wieder geöffnet werden.

Und: In Vorarlberg, das zumindest aktuell niedrige Inzidenzwerte aufweist, dürfen Wirte schon ab Mitte März unter Auflagen öffnen. Ab April sollen dann Gaststätten auch Indoor öffnen dürfen. Kultur wie auch Tourismus hingegen werden weiter hingehalten: Ab April könne es dort Lockerungen geben – vielleicht. Und all das ist mit Vorbehalt versehen: Am 15. März soll der am Montag verkündete Plan anhand der Infektionszahlen evaluiert werden. Erst dann soll es an die Lockerungen gehen.

Österreich öffnet - doch die Infektionszahlen steigen

Mehr erlauben die Infektionszahlen nicht – die Infektionszahlen in Österreich steigen. Laut dem Komplexitätsforscher der MedUni Wien, Peter Klimek, ist die Zunahme des Infektionsgeschehens vor allem den Mutationen geschuldet – und weniger der aktuell hohen Testfrequenz. „Die hohe Zahl an Tests spielt nur eine untergeordnete Rolle“, sagt Klimek, der im Covid-Prognose-Konsortium auch der Regierung beratend zur Seite steht, im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Seit den Öffnungen des Handels am 8. Februar stiegen die Infektionszahlen in Österreich kontinuierlich an, Stand Sonntag lag die 7-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner bei 161 Fällen – meilenweit entfernt vom eigentlich für Lockerungen ins Auge gefassten Wert von 50. Rund 2500 tägliche Neuinfektionen wurden bundesweit Ende vergangener Woche gemeldet. Besonders im Osten setzt sich die ansteckendere Mutationsvariante B.117 immer stärker durch, im Burgenland macht die Mutation bereits rund drei Viertel aller entdeckten Fälle aus. Die sogenannte südafrikanische Mutation B. 1351 ist inzwischen auch außerhalb Tirols in Ober- und Niederösterreich zu finden.

Komplexitätsforscher Klimek geht, wie zahlreiche andere Wissenschafter auch, davon aus, dass sich die sogenannte „britische Mutation“ B.117 in Kürze gegen den herkömmlichen Virusstamm durchsetzen wird. Dies sei, sagt Klimek, auch dem erhöhten Reproduktionsfaktor bei B.117 geschuldet: „Dieser liegt inzwischen bei 1,2.“ Bei der „alten“ Variante liege der R-Wert hingegen rund um 1 – kein besonderer Grund für Optimismus also, wenn der „alte“ Virusstamm verschwindet.

Regionale Maßnahmen wurden in Österreich bisher kaum ergriffen

Vom „Vorarlberger Experiment“ ist Klimek alles andere als begeistert. „Das Einzige, was man damit erreicht, ist, dass solche Regionen mit niedrigeren Inzidenzwerten wie Vorarlberg dann in Kürze nachziehen.“ Klimek pocht auf frühzeitige regionale Maßnahmen dort, wo es hohe Fallzahlen gibt.

Von letzteren war seitens der Regierung in den vergangenen zwölf Monaten schon oft zu hören – reagiert wurde sehr selten. Aktuell verzeichnet beispielsweise der Kärntner Bezirk Hermagor eine Rekord-Inzidenz von über 700 Fällen, Verkehrsbeschränkungen oder eine Quarantäne aber wurden bisher keine verhängt. Bezirke mit Inzidenzen über 400 aber müssen nun mit Spezialmaßnahmen rechnen. Anschober sprach konkret von einem „Sicherungsnetz in den Regionen“ – wie das aussehen soll, welche konkreten Maßnahmen beispielsweise ein Bezirk wie Hermagor erwarten soll, darüber schwieg sich die Regierungsspitze aus.

Österreich hinkt bei der Corona-Impfung hinterher

Stattdessen war am Montagabend wieder viel vom Impfen die Rede. Hier aber hinkt Österreich deutlich hinterher: Noch nicht einmal ein Drittel der über 85-Jährigen ist bereits gegen Corona geimpft. Das zeigen am Montag veröffentlichte Daten des Gesundheitsministeriums. Bis Ende März wollte die Regierung 17 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft haben, aktuell sind es gerade einmal 5,5 Prozent.

 

Alles andere als zufrieden mit dem vagen Plan der Regierung gab sich am Montag auch die Opposition. Während die liberalen Neos auf weitere Lockerungen gedrängt und einen mehrstufigen Plan vorgelegt hatten, sagte die Chefin der Sozialdemokraten, die Medizinerin und Epidemiologin Pamela Rendi-Wagner: „Diese hochriskante Situation ist das Ergebnis der verfrühten Öffnungen der Bundesregierung. Es ist jetzt keine Zeit für Experimente.“ Die Regierung müsse das Infektionsgeschehen so rasch als möglich in den Griff bekommen.

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