Bei den Protestaktionen unter anderem in Washington, New York, Chicago und Tampa waren viele Teilnehmer mit schwarzen Kapuzen-Sweatshirts bekleidet - ähnlich jenem, das der 17-jährige Trayvon Martin am Tag seines Todes getragen hatte.
Fox-Moderator Geraldo Rivera macht den Kapuzenpullover für den Tod verantwortlich
Besonders erregen die jüngsten Sprüche des Fox-News-Moderators Geraldo Rivera, die in den Augen von Kritikern just die alten Vorurteile und Klischees über Schwarze bestätigen. Zwar verurteilt auch Rivera den Tod des Jungen und betont, dieser sei ein "innocent kid", ein unschuldiges Kind gewesen. Doch dann stimmt auch der TV-Mann in das altbekannte Lied ein. "Ich wette um Geld", meint Rivera: "Wenn der Junge nicht diesen Kapuzenpullover getragen hätte, wäre ihm der Möchtegern-Polizist gar nicht nachgestiegen."
Geraldo Rivera: "Ein Kapuzenpullover ist wie ein Zeichen: Schieß oder durchsuche mich"
Generell scheint Rivera der Ansicht zu sein, der Kapuzenpullover hätte zu dem Tod des Jungen geführt: "Black & Latino parents have to drill into kids heads: a hoodie is like a sign: shoot or stop & frisk me" schreibt er auf seiner Twitter-Seite, was soviel bedeutet wie: "Die Eltern von Schwarzen und Latinos müssen ihren Kindern eintrichtern: Ein Kapuzenpullover ist wie ein Zeichen: Schieß oder durchsuche mich".
Besonders sein Tweet vom 23. März schürt bei vielen den Zorn gegen Rassismus: "His hoodie killed Trayvon Martin as surely as George Zimmerman": "Sein Kapuzenpullover tötete Trayvon Martin genauso wie George Zimmerman."
Barack Obama fordert lückenlose Aufklärung
Vor allem via Facebook und Twitter haben mittlerweile Millionen Menschen ihrem Zorn und ihrer Verbitterung über Trayvons gewaltsames Ende Luft gemacht. Barack Obama, der erste schwarze Präsident der USA und Vater von zwei Töchtern, hatte sich am Freitag ebenfalls geäußert: "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen", sagte er. "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder." Die "Tragödie" um den Tod von Trayvon Martin müsse voll aufgearbeitet werden, sagte Obama am Freitag in Washington.
Trayvon war am 26. Februar in Sanford, einem Vorort von Orlando, während eines Abendspaziergangs getötet worden. Der 28-jährige Schütze George Zimmerman, ein Weißer, der in dem Wohngebiet freiwillig Sicherheitspatrouillen durchführte und deswegen bewaffnet war, gab an, dass er aus Notwehr gehandelt habe. Er soll den Jungen in einem Anruf bei der Polizei kurz vor der Tat mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben.
In Gedenken an Trayvon Martin: Kapuzentag am 10. April
Seit der Fall US-weit bekannt wurde, reißen die Proteste nicht ab, weil die Behörden zunächst nicht gegen Zimmerman vorgingen. Sie machten geltend, dass erste Untersuchungen nicht genügend Beweise für ein kriminelles Verhalten erbracht hätten. Nun wird sich aber am 10. April eine Grand Jury (Anklagekammer) mit dem Fall beschäftigen und darüber entscheiden, ob Anklage wegen Mordes erhoben werden soll. Die Demonstranten riefen den 10. April zum Kapuzentag auf: Jeder bis hin zu Obama solle dann eine Kapuze tragen.
2000 Demonstranten fordern "Gerechtigkeit für Trayvon"
Allein in Washington forderten am Samstag 2000 Demonstranten "Gerechtigkeit für Trayvon". Sie prangerten an, dass es weiterhin Rassismus in den USA gebe - trotz der Tatsache, dass die USA mit Obama von einem schwarzen Präsidenten gelenkt würden. "Man kann in diesem Land immer noch ermordet werden, weil man schwarz ist", sagte Demonstrant Bless Davis.
Eine schwarze Separatistengruppe, die New Black Panther Party, setzte ein "Kopfgeld" in Höhe von 10.000 Dollar für die "Gefangennahme" Zimmermans aus. In Florida wurde nach Medienberichten ein 68-Jähriger festgenommen, der den inzwischen aus dem Amt geschiedenen Polizeichef von Sanford mit dem Tode bedroht hatte.
Der umstrittene Polizeichef hat sein Amt vorübergehend niedergelegt
Der umstrittene Polizeichef der Stadt Sanford hat sein Amt vorübergehend niedergelegt. Seine Rolle als Leiter der Polizeistation sei zu einer "Ablenkung" für die Ermittlungen geworden, sagte Bill Lee am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in dem Vorort von Orlando. Lee war in die Kritik geraten, weil er und seine Mannschaft die Todesumstände des 17-jährigen Trayvon Martin nicht gründlich untersucht haben sollen. AZ/afp/dpa