Am späten Montagabend und in der Nacht zum Dienstag hat die israelische Armee Ziele in Gaza massiv angegriffen. Augenzeugenberichten zufolge wurde Gaza mit Artillerie, von Kriegsschiffen und aus der Luft bombardiert. Leuchtmunition erhellte den Nachthimmel über Gaza, Drohnen überflogen das Terrain. Stunden vorher hatte die israelische Armee zahlreiche Bewohner der Stadt aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Dies berichteten Fernsehsender wie der amerikanische CNN oder der arabische Nachrichtenkanal Al-Dschasira.
Nach palästinensischen Angaben sei bei einer Attacke auf Gaza auch das Haus von Ismail Hanija getroffen worden. Seit 2006 ist Hanija Ministerpräsident des Gazastreifens, der momentan von der Hamas beherrscht wird. Weder Hanija noch seine Familie seien zu Hause gewesen, als das Haus von Raketen zerstört wurde, berichtete der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa.
Luftalarm in Tel Aviv ausgelöst
Erstmals seit Freitag wurde in Tel Aviv am frühen Dienstagmorgen Luftalarm ausgelöst. Wie israelische Medien berichten, seien in der Region Tel Aviv mehrere Explosionen zu hören gewesen. Über Schäden war zunächst nichts bekannt. Auch in anderen Orten in Israel heulten die Sirenen.
16 Menschen kamen in Gaza ums Leben
Der Nahost-Konflikt
Israel, Palästinenser, Westjordanland, Gaza-Streifen, Hamas: Was Sie über den Nahost-Konflikt wissen müssen.
1947 beschlossen die Vereinten Nationen, das von den Briten besetzte Palästina zu teilen - in einen arabischen und einen jüdischen Teil. Israel akzeptierte den Plan, die arabische Seite lehnte ihn ab.
1948 proklamierte David Ben Gurion dort die Gründung des Staates Israel.
Nur einen Tag später griffen Syrien, Libanon, Jordanien, Ägypten und der Irak den neuen Staat Israel an. Dieser konnte sich nicht nur verteidigen, Israel eroberte auch arabische Gebiete, die es bis heute besetzt hält.
Bis heute streiten Israel und Palästinenser um diese besetzten Gebiete, darunter das Westjordanland (englisch: Westbank) mit Ost-Jerusalem und den Gazastreifen.
1987 begann die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten einen Aufstand gegen die israelische Besatzung, die sogenannte Intifada. 2000 begann die zweite Intifada, diesmal mit noch mehr militärischer Gewalt. Israel reagierte ebenfalls mit militärischen Mitteln.
Ein gewaltiger Streitpunkt ist auch der israelische Siedlungsbau in den besetzten Gebieten. Auf den Golanhöhen, in Ost-Jerusalem und im Westjodanland schaffen die Israelis immer neue Siedlungen - und damit Tatsachen. Für die Palästinenser blieben diese Siedlungen Provokationen.
Den Kampf gegen Israel führt vor allem die Hamas. Sie ist eine palästinensische Organisation mit dem Ziel, Israel durch Terror und Gewalt zu vernichten.
Im Jahr 2005 räumten die Israelis den Gazastreifen.
Die Hamas wurde 1987 gegründet. Seit 2007 stellt sie als politische Partei die Regierung des Gaza-Streifens.
Zwischen Israel und Hamas kommt es immer wieder zur Eskalation von Gewalt. Im Sommer 2014 wurden israelische Städte mehrfach mit Raketen beschossen. Israel reagierte mit Luftangriffen.
Im zentralen und südlichen Gazastreifen wurden am frühen Dienstag nach palästinensischen Angaben 16 Menschen getötet. 50 seien verletzt worden, berichteten Sanitäter und Augenzeugen. Der Sprecher des palästinensischen Rettungsdienstes, Aschraf al-Kidra, sagte, bei einem Luftangriff im zentralen Gazastreifen seien neun Palästinenser getötet und 40 verletzt worden. In Rafah im Süden seien sieben Mitglieder einer Familie ums Leben gekommen. Zehn weitere seien verletzt worden. Nach Angaben von Sanitätern wurden mindestens 15 Palästinenser bei Luftangriffen im Westen von Gaza-Stadt verletzt.
Bei den israelischen Angriffen auf Gaza seien seit dem 8. Juli mehr als 11000 Menschen getötet und über 6500 verletzt worden. Wie Al-Kidra vermeldete, seien die meisten Opfer Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder. (dpa)