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Grüne
04.11.2021

Wer führt die Grünen an, wenn Habeck und Baerbock Minister werden?

Annalena Baerbock und Robert Habeck haben die Grünen fast vier Jahre lang erfolgreich geführt - doch wenn sie Ministerin und Minister werden, hören sie als Parteichefs auf.
Foto: Michael Kappeler

Bei den Grünen dreht sich das Personalkarussell. In Kabinett, Fraktion und Partei winken einflussreiche Ämter. Die Auswahl der Bewerber ist heikel und folgt eigenen Gesetzen.

Mit dem grünen Traumpaar geht es zu Ende: Fast vier Jahre lang bildeten Annalena Baerbock und Robert Habeck die Doppelspitze der Ökopartei, durchaus erfolgreich, auch wenn es am Ende doch nicht zum zwischenzeitlich denkbaren Sprung ins Kanzleramt reichte. Immerhin ist eine Regierungsbeteiligung nun greifbar nahe. Sind die gerade hinter verschlossenen Türen laufenden Gespräche mit SPD und FDP über die Bildung einer Ampel-Regierung erfolgreich, wollen Baerbock und Habeck Minister werden.

Es braucht also ein neues Führungsduo und nicht nur das: Eine beispiellose Personalrochade steht an, die Frage, wer welchen Posten in Regierung, Partei und Fraktion bekommt, bestimmt derzeit sämtliche Gespräche, ob im Bundestag oder in der Berliner Parteizentrale. Wie üblich sind Personalangelegenheiten bei den Grünen deutlich heikler als in anderen Organisationen. Denn der eigene Anspruch ist es, Frauen mindestens genauso gut zu berücksichtigen wie Männer, die pragmatischen „Realos“ und die linken „Fundis“ wachen eifersüchtig auf gleiche Anteile, gesellschaftliche Vielfalt soll abgebildet werden, hinzu kommt noch ein gewisser Regionalproporz, wie er auch in anderen Parteien bekannt ist.

Bei den Grünen dürfen Parteivorsitzende nicht im Kabinett sitzen

Es ist also kompliziert und alles hängt mit allem zusammen. Am Anfang der neuen grünen Mannschaftsaufstellung steht das künftige Kabinett. In den Ampel-Gesprächen mit Sozialdemokraten und Liberalen aber gilt, dass nichts entschieden ist, bevor alles entschieden ist. Will heißen: Wie viele Ministerien die Grünen überhaupt bekommen, ob vier oder fünf, wie diese fachlich zugeschnitten werden und wer sie dann leitet, steht wohl erst in rund einem Monat fest. Erst dann kann sich auch der Rest der Personalplanung sortieren.

Bei den Grünen gilt seit jeher, dass Ministerinnen oder Minister nicht gleichzeitig die Partei führen dürfen. Baerbock und Habeck, beide faktisch Realos, drängt es ins Kabinett. Freie Auswahl der Ressorts aber gibt es nicht, da ja auch die Koalitionspartner in spe ihre Wünsche durchsetzen wollen. So würde Robert Habeck zwar gerne Finanzminister werden, denn am Geld hängen schließlich alle wichtigen Vorhaben einer Regierung – auch der Klimaschutz als zentrales Anliegen der Grünen. Doch auch Christian Lindner will Schatzmeister werden. Für den Fall, dass der FDP-Chef sich durchsetzt, könnte Annalena Baerbock das prestigeträchtige Außenministerium übernehmen. Habeck wäre dann wohl erster Anwärter etwa auf ein neu zu schaffendes Klimaschutz- oder Transformationsministerium.

FDP-Chef Christian Lindner oder Grünen-Chef Robert Habeck: Wer wird Bundesfinanzminister?
Foto: Michael Kappeler, dpa

Toni Hofreiter, bisher Fraktionschef und linker Fundi, scheint ebenfalls quasi gesetzt für einen Kabinettsposten. Der Biologe und passionierte Alltagsradler könnte sich etwa um die Ressorts Umwelt, Verkehr oder Landwirtschaft kümmern.

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Für das grüne Gleichgewicht bräuchte es dann auch noch eine Ministerin aus dem linken Lager, die außenpolitisch versierte Agnieszka Brugger könnte zum Beispiel das Entwicklungsressort übernehmen. Dann ist da noch Katrin Göring-Eckardt, die derzeit noch zusammen mit Hofreiter die Fraktion führt. Bekämen die Grünen ein fünftes Ministerium, dürfte sie sich gute Chancen ausrechnen. Göring-Eckardt ist aber auch als Bundespräsidentin im Gespräch. Ex-Parteichef Cem Özdemir gilt Grünen-intern ebenfalls als ministrabel. Partei-Urgestein Claudia Roth aus Augsburg wird sich wohl aus dem Ministerien-Poker heraushalten, wurde sie doch eben erst als Bundestags-Vizepräsidentin bestätigt.

Realos und Fundis wetteifern bei den Grünen um die Macht

Wenn es darum geht, wer künftig die Grünen-Fraktion im Bundestag anführen soll, fällt häufig der Name von Britta Haßelmann. Sie zählt zum Realo-Flügel und ist bisher parlamentarische Geschäftsführerin. Auch dieses Amt teilen sich bei den Grünen zwei Personen, entweder eine Frau und ein Mann oder zwei Frauen, niemals aber zwei Männer. Katharina Dröge, linke Volkswirtin aus Köln, könnte Tandempartnerin von Haßelmann werden, heißt es in der Partei.

Britta Haßelmann könnte Fraktionsvorsitzende der Grünen werden.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

Zeitweise wurde Bundesgeschäftsführer Michael Kellner gehandelt, doch seine Aktien sind zuletzt gefallen. Ihm werden Fehler im Wahlkampf, etwa beim Umgang mit der Schummel-Affäre um Kanzlerkandidatin Baerbock, vorgeworfen. An Politikerinnen und Politikern, die es nach langer Durststrecke in der Opposition in verantwortungsvollere Funktionen drängt, herrscht bei den Grünen aber kein Mangel. Nicht nur die Posten in der allerersten Reihe sind begehrt, auch die Staatssekretärsstellen in den Ministerien oder die Posten als Sprecherinnen oder Sprecher von Arbeitsgruppen. Kleinere und größere Überraschungen sind am Ende des Postenpokers nicht ausgeschlossen. Für Lisa Badum etwa, bisher klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, oder Dieter Janecek mit seiner Wirtschaftskompetenz könnten sich Karrieresprünge ergeben.

Ricarda Lang und Omid Nouripour als neues Traumpaar?

Eine recht klare Tendenz gibt es in der Frage nach der voraussichtlichen künftigen Parteispitze. Einflussreiche Grünen-Leute sehen da fast durchweg ein Duo aus Ricarda Lang und Omid Nouripour auf Baerbock und Habeck folgen.

Ricarda Lang war Sprecherin der Grünen Jugend.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Lang ist Ex-Sprecherin der Grünen Jugend und eben als erste offen bisexuelle Abgeordnete in den Bundestag eingezogen. Sie gehört dem linken Lager an, anders als der Realo Nouripour.

Omid Nouripou gehört bei den Grünen dem Lager der Realos an.
Foto: Britta Pedersen, dpa

Der gebürtige Iraner aus Hessen war 2006 für Joschka Fischer in den Bundestag nachgerückt und hat sich seither vor allem in der Außenpolitik profiliert. Noch glühen die Drähte im Hintergrund, werden Bündnisse geschmiedet und Gegengeschäfte ausgehandelt. Spätestens am Nikolaustag aber, an dem die Ampel-Koalition in trockenen Tüchern sein soll, dürfte auch der Totalumbau des grünen Führungsteams abgeschlossen sein.

 

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