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Naher Osten

08.01.2020

Nach Vergeltungsschlag: USA und Iran entschärfen ihren Konflikt

US-Präsident Donald Trump bei seiner mit Spannung erwarteten Stellungnahme zu den iranischen Raketenangriffen.
Bild: Alex Brandon, AP/dpa

Der iranische Außenminister meldet, der Iran und die USA seien jetzt quitt. Kurze Zeit später bemüht sich auch US-Präsident Trump um Deeskalation.

Als die iranischen Raketen im benachbarten Irak einschlugen, waren in Teheran nicht nur die Militärs hellwach, sondern auch die Diplomaten. Auf einer Luftwaffenbasis bei Bagdad und einem Stützpunkt in Erbil gingen in der Nacht zum Mittwoch 15 Geschosse nieder, ein Vergeltungsschlag gegen die dort stationierten US-Truppen. Kurz danach meldete sich der iranische Außenminister Dschawad Sarif zu Wort: Der Iran und die USA seien jetzt quitt, lautete seine Botschaft. Teheran wollte offenbar mit einer spektakulären Aktion gegen die USA das Gesicht wahren, ohne einen Krieg zu riskieren. US-Präsident Donald Trump bemühte sich später ebenfalls um Deeskalation. „Die Tatsache, dass wir dieses großartige Militär haben, bedeutet nicht, dass wir es einsetzen müssen“, sagte er. Im Gegenteil: „Wir wollen es nicht einsetzen.“

Iranisches Staatsfernsehen sprach von 80 Getöteten

Während das iranische Staatsfernsehen offenbar zu Propagandazwecken von 80 getöteten „amerikanischen Terroristen“ sprach, wurden nach Angaben der US-Regierung keine amerikanischen Soldaten getötet oder verletzt. Die US-Militärs beobachten iranische Abschussrampen per Satellit und konnten ihre Truppen im Irak rechtzeitig in Schutzräume schicken. Auch die rund 90 deutschen Soldaten in Erbil wurden gewarnt. Irakische Soldaten auf den Stützpunkten kamen ebenfalls nicht zu Schaden; die irakische Regierung war von Teheran rechtzeitig vor dem Angriff informiert worden.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.
Bild: Iranian Presidency, dpa (Archiv)

Raketen sind die Hauptwaffen der Iraner, die wegen der westlichen Sanktionen keine moderne Luftwaffe besitzen. Der Iran verfügt aber über Kurz- und Mittelstreckengeschosse, die US-Stützpunkte überall im Nahen Osten und auch die amerikanischen Partner Israel und Saudi-Arabien treffen können. Mit den Angriffen sei der Iran an der unteren Schwelle seiner Möglichkeiten geblieben, betonte ein Berater von Revolutionsführer Ali Chamenei. Außenminister Sarif unterstrich jedoch, dass der Iran von sich aus nichts weiter unternehmen will, um den Tod des Generals Ghassem Soleimani zu sühnen: „Wir wollen keine Eskalation oder Krieg.“ Präsident Hassan Rohani drohte lediglich: „Falls die Amerikaner weitere Angriffe planen sollten, werden wir eine Antwort geben, die noch härter ist als der heutige Angriff.“

Nach Vergeltungsschlag: USA und Iran entschärfen ihren Konflikt

Trump will Iran mit Sanktionen zu Zugeständnissen zwingen

Experten werten die Vorgehensweise der Iraner als Versuch der Deeskalation. Die Raketenangriffe waren demnach vor allem als symbolische Vergeltung gedacht und weniger als Versuch, Schaden anzurichten. Teheran biete Trump gewissermaßen eine „Autobahnausfahrt“ an, um den Konflikt zu entschärfen, betonte Tobias Schneider von der Denkfabrik GPPI in Berlin. Damit allerdings ist der Konflikt noch nicht beigelegt. Trump will den Iran mit Sanktionen zu weitgehenden Zugeständnissen in der Atomfrage und einem Ende der aggressiven Politik im Nahen Osten zwingen. Dagegen strebt der Iran den Abzug der USA aus der Region an und nimmt die sunnitische Führungsmacht Saudi-Arabien sowie Israel ins Visier.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China forderte Trump auf, nicht mehr am alten Atomabkommen mit dem Iran festzuhalten. Sie sollten stattdessen mit den USA an einem neuen Abkommen mit Teheran zu arbeiten, das die Welt „zu einem sichereren und friedlicheren Ort" machen würde. (mit dpa)

Hier finden Sie unseren Live-Blog: Iran attackiert US-Stützpunkte – Nato verurteilt den Vergeltungsschlag

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09.01.2020

Die Situation nach der Rede des Herrn über Leben und Tod brachte die "New York Times" auf den Punkt:

"Und die Welt wird so weiterhin das zynische Spiel beobachten, zu dem Außenpolitik unter Donald Trump verkommen ist: Der Präsident schafft eine unnötige Krise und prahlt dann damit, dass das von ihm losgetretene Desaster nicht in einer absoluten Katastrophe geendet hat. Er stürzt sich von einer Eskalation in die nächste, getrieben von Impulsen und Größenwahn, es ist, . . . als säße er in einem Autoscooter und stoße einen Zusammenprall nach dem anderen an, dabei unfähig, einen Kurs zu finden."


Auch sehr schön, dieses Zitat des Science-Fiction-Autors Stanisław Lem von 1981:

„Ein Idiot, zumal wenn er ein Vollidiot ist, wird, wenn sie es ihm anbieten, auf der Stelle bereit sein, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Ein Mann von Bedacht wird erst einmal nachdenken, ein Weiser sich lieber aus dem Fenster stürzen.“

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