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Porträt
30.05.2021

Cathryn Clüver Ashbrook soll die deutsche Außenpolitik aufmischen

Cathryn Clüver Ashbrook soll die bislang arg männerlastige deutsche Außenpolitik aufmischen.
Foto: Cathryn Clüver Ashbrook

Bislang ist die Sicherheitspolitik arg männerlastig. Clüver Ashbrook soll das ändern. Das Handwerk dafür hat sie in den USA gelernt.

Man tritt der deutschen Außen-und Sicherheitspolitik nicht zu nahe, wenn man sie als ziemlich männliche Angelegenheit bezeichnet. Gewiss, gleich zum zweiten Mal nacheinander haben wir etwa eine Bundesverteidigungsministerin. Aber wer je eines jener Hochämter der sicherheitspolitischen Gemeinschaft besucht hat, eine der vielen Konferenzen, Arbeitskreise, Hintergrundzirkel und Strategietreffen, der durfte ziemlich sicher von einem ausgehen: dass die Männer im Raum deutlich in der Überzahl sein würden.

Sicherheit sei Männersache, konnte man den Eindruck gewinnen. Auch bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), mit dem Gründungsjahr 1955 eine der ehrwürdigsten Institutionen außenpolitischer Betrachtung, allerdings lange auch eine manchmal etwas angestaubte, weiß man das natürlich. Und deswegen hat sich die Institution in Berlin nun eine Frischzellenkur aus Amerika verordnet, um den Modernisierungskurs (der schon mit der bisherigen Direktorin Daniela Schwarzer begann) konsequent fortzuführen. Moderner, telegener sollen außenpolitische Debatten in Deutschland werden, auch sichtlich weiblicher - und sie sollen vor allem raus aus dem Elfenbeinturm.

Cathryn Clüver Ashbrook zitiert gerne ihre Lieblingssongs

Für all dies steht Cathryn Clüver Ashbrook, 45, Deutsch-Amerikanerin, geboren in Wiesbaden und dort zur Schule gegangen, ehe es sie in die USA zog. Sie hat lange an der Kennedy School of Government der Harvard University gelehrt und gearbeitet, wo genau diese Verbindung zwischen Wissenschaft und Politik seit langem gelebt wird - schon weil dort oft kühle Realpolitiker und leidenschaftliche Menschenrechtsaktivisten ihre Büros direkt nebeneinander haben.

Dort hat sie geforscht, Konferenzen organisiert, Politikberatung betrieben – und sich zugleich ein erstaunliches Medienprofil in Deutschland erarbeitet, mit regelmäßigen Auftritten etwa im ZDF, in Dokumentarfilmen oder Talkshows. Zweierlei kommt ihr dabei zugute: Ausdauer und Zähigkeit, geschult etwa durch Marathonläufe, aber auch als langjährige Spinning-Lehrerin. Und ein gewisser Hang zur Leichtigkeit, etwa zur Pop- und Rockkultur: Es kann vorkommen, dass Ashbrook mitten im Gespräch Lieblingssongs zitiert.

Ihr Leben – sie ist verheiratet mit einem US-Radiomoderator und erwartet gerade das zweite Kind – dokumentiert sie ausgesprochen rege in sozialen Netzwerken. Dort macht Ashbrook keinen Hehl daraus, sich nach den vielen Jahren in den USA auch wieder auf ihre andere Heimat Deutschland zu freuen. Apropos Emotionen: Während der Trump-Jahre scheute sie sich auch bei Auftritten nicht, in Tränen auszubrechen, wenn es um die Gefahren für die Demokratie durch Personen wie den amerikanischen Ex-Präsidenten ging. Das hätte mancher klassische Kalte Krieger sicher peinlich gefunden. Aber deren Zeiten sind ja wohl eh vorbei.

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