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Porträt
07.05.2021

Michael Kellner ist der Mann hinter Annalena Baerbock

Michael Kellner, Politischer Bundesgeschäftsführer der Grünen und der Kopf hinter dem Wahlkampf von Annalena Baerbock.
Foto: Arne Immanuel Bänsch, dpa

Dass die einst so zerstrittenen Grünen jetzt eine reale Chance haben, die nächste Bundeskanzlerin zu stellen, haben sie auch Michael Kellner zu verdanken.

In seiner Wahlkampf-Premiere spielten Kohlköpfe die zentrale Rolle. Seine wichtigste Kampagne läuft gerade: Michael Kellner ist der Mann im Hintergrund, der Annalena Baerbock ins Kanzleramt bringen will. Der 43-Jährige ist seit 2013 Politischer Bundesgeschäftsführer der Grünen, das Amt entspricht dem des Generalsekretärs bei anderen Parteien. Zu seinen Kernaufgaben gehört es, Wahlkämpfe zu organisieren, die Arbeit am Programm voranzutreiben und die Reihen geschlossen zu halten.

Michael Kellner achtet auf die innerparteiliche Harmonie

Dass sich die Grünen manchmal selbst im Wege stehen, erkennt Kellner früh. Bundestagswahlen, bei denen sie nach teils hohen Umfragewerten am Ende eher bescheiden abschnitten, analysiert er akribisch. Unter den Gründen für die enttäuschenden Ergebnisse spielt die Außenwirkung als zerstrittener Haufen stets die Hauptrolle. Mehr noch als umstrittene Forderungen wie nach einem fleischlosen Tag in Kantinen („Veggie-Day“) verschreckt der Zwist zwischen linken Fundis und pragmatischen Realos breitere Wählerschichten.

Die Nominierung von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin führt bei den Grünen zu einem Mitgliederboom.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Unter Kellner ändert sich das langsam, aber stetig. Dass sich die Partei derzeit ungewohnt einig präsentiert, liegt auch, viele sagen vor allem, an Kellners Überzeugungsarbeit. Wer von der innerparteilichen Harmonie abweicht, muss mit seiner Ermahnung rechnen, gern auf digitalem Wege. Von seinem Büro im zweiten Stock der Grünen-Bundeszentrale, zieht der großgewachsene Lockenkopf ansonsten weitgehend geräuschlos die Fäden.

Im Wahlkampf 1998 verteilt er Kohlköpfe gegen Helmut Kohl

Kellners Leidenschaft für Politik erwacht früh. Geboren in Thüringen, nimmt ihn die Mutter mit auf Montagsdemos. Sein Vater, ein Schuldirektor, sieht das mit gemischten Gefühlen. Zwölf Jahre ist er, als die Mauer fällt. Doch die Wende leitet eine Zeit der Unsicherheit ein, in der beide Eltern ihre Jobs verlieren. Als Jugendlicher erlebt er, wie sich seine Umgebung extrem polarisiert. Rechtsextreme machen Jagd auf linke Punks – mit denen Kellner sympathisiert. Bis heute gehört er dem linken Flügel der Grünen an. Er zieht nach Potsdam, um Politikwissenschaften zu studieren. Und nutzt die Gelegenheit, sein Fernweh zu stillen, mit Studienaufenthalten in Großbritannien und den USA. Eine Zeit lang lebt er in einem Kibbuz in Israel.

Den Grünen tritt Michael Kellner nach einem kurzen Abstecher zu den Jusos bei, noch während des Studiums. Er wird Büroleiter von Claudia Roth, als diese Bundesvorsitzende ist. Seit 2013 verantwortet er die Kampagnen der Grünen. Erste Erfahrungen damit sammelt Kellner, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Berlin lebt, schon 1998, als er Kohlköpfe an Passanten verteilt – als Botschaft, CDU-Kanzler Helmut Kohl abzuwählen. Das ist bekanntlich gelungen.

Gerade von einer Corona-Erkrankung genesen, will Chef-Stratege Kellner nun alle Register für die Grünen ziehen, um mit Annalena Baerbock erstmals ins Kanzleramt einzuziehen.

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