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USA
12.03.2021

Impfungen: Präsident Biden macht Hoffnung auf Barbecue zum 4. Juli

Die USA geben Gas beim Impfen: Vor den Impfzentren bilden sich lange Autoschlangen. US-Präsident Joe Biden will, dass am 4. Juli die Unabhängigkeit vom Virus gefeiert werden kann.
Foto: Mark Mulligan, dpa

Der Präsident macht bei der Impfkampagne mächtig Druck. Ab Mai sollen alle Amerikaner einen Anspruch auf Immunisierung haben und im Juli die Unabhängigkeit vom Virus feiern können.

Er ist Seelsorger, Tröster, Mahner und Hoffnungsmacher: In seiner ersten großen Rede zur besten Fernsehsendezeit hat Joe Biden an das "kollektive Leiden" des zurückliegenden Jahres seit der Ausrufung der Corona-Pandemie erinnert. Eindringlich mahnte er, weiter Masken zu tragen und sich impfen zu lassen. Zugleich aber formulierte der Präsident ambitionierte Ziele bei der Immunisierungskampagne und stellte seinen Landsleuten bis zum Nationalfeiertag am 4. Juli eine teilweise Rückkehr zur Normalität in Aussicht.

"Wir Menschen wollen mit anderen zusammen sein, wir wollen lieben, umarmen und reden"

"Nach einem langen, harten Jahr" würden die USA an jenem Datum "nicht nur unsere Unabhängigkeit als Nation, sondern auch den Beginn unserer Unabhängigkeit von diesem Virus" begehen, sagte Biden. "Wir Menschen wollen mit anderen zusammen sein, wir wollen lieben, umarmen und reden", führte der Präsident in einer emotionalen Rede aus, die scharf mit den Selbstbeweihräucherungen seines Vorgängers, aber auch mit den eher naturwissenschaftlichen Ausführungen der deutschen Bundeskanzlerin kontrastierte: "Am 4. Juli gemeinsam mit unserer Familie und unseren Freunden im Garten beim Barbecue (…) das ist unser Ziel."

 

Präsident Joe Biden: 100 Millionen Impfungen nach 60 Tagen Amtszeit

Die Regierung in Washington will dazu bei ihrer Impfkampagne noch einmal mächtig den Druck erhöhen. Biden stellte in Aussicht, dass spätestens am 1. Mai landesweit die Zugangsbeschränkungen fallen und alle Amerikaner impfberechtigt sein sollen. Freilich werde das nicht heißen, dass sofort jeder Erwachsene eine Spritze erhalte. Seit Weihnachten sind in den USA rund 98 Millionen Dosen verabreicht worden. In seiner politischen Bilanz führt Biden jedoch nur die seit dem Regierungswechsel im Januar verabreichten 81 Millionen Dosen auf. Ursprünglich hatte er für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit 100 Millionen Impfungen unter seiner Regie versprochen. Nun wird dieser Wert schon Ende nächster Woche nach 60 Tagen erreicht.

 

Nachdem Washington kürzlich weitere 100 Millionen Dosen bei dem Hersteller Johnson & Johnson bestellt hat, scheint das Land – zusammen mit den Lieferungen von Pfizer/Biontech und Moderna – mit Vakzinen reichlich eingedeckt. Den Flaschenhals bildet trotz inzwischen mehr als zwei Millionen Spritzen am Tag weiter die Verteilung. Biden kündigte an, dass die Zahl der Impfstellen  bei  Apothekenketten  und in staatlichen Gesundheitszentren massiv erhöht wird. Auch soll eine zentrale Internetseite eingerichtet werden, die Impfmöglichkeiten in der Nähe anzeigt. Derzeit läuft die Registrierung von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich und oft brechen die Systeme zusammen.

Der amerikanische Impfweg: Schnelligkeit und Pragmatismus

Insgesamt setzen die USA bei ihrer Impfkampagne auf Schnelligkeit und Pragmatismus. Dabei werden Unterschiede etwa beim Umgang mit überzähligen Dosen stillschweigend in Kauf genommen. Vorerkrankungen müssen in einigen Bundesstaaten nicht durch ein Attest nachgewiesen werden, sondern können per Selbsterklärung aufgeführt werden. Diesen Pragmatismus beweist Biden nun auch bei der Ausweitung des Impfpersonals: Künftig sollen auch Zahnärzte, Hebammen, Tierärzte, Sanitäter und Medizinstudenten bei der Massenimmunisierung zum Einsatz kommen.

 

"Ich werde nicht nachlassen, bevor wir das Virus besiegt haben"

Biden machte eindringlich klar, dass er den Kampf gegen die Corona-Pandemie und die Beschleunigung der Impfkampagne als oberste Prioritäten sieht. "Ich werde nicht nachlassen, bevor wir das Virus besiegt haben", sagte er: "Aber ich brauche Sie, das amerikanische Volk. Sie müssen sich impfen lassen!" Der Appell erfolgt vor dem Hintergrund der Impfskepsis in Teilen der Bevölkerung. Nach einer aktuellen Umfrage des öffentlichen Senders NPR wollen sich 30 Prozent der Amerikaner nicht immunisieren lassen. Besonders hoch ist die Ablehnung der Impfung mit 47 Prozent unter Trump-Wählern. Der ehemalige Präsident und seine Frau Melania selbst hatten sich im Januar kurz vor dem Ausscheiden aus dem Amt noch heimlich impfen lassen.

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