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Pandemie
11.03.2021

Impfdebakel: Warum in der EU die Nerven schon wieder blank liegen

Fläschchen des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson.
Foto: David Zalubowski, dpa

Die gute Nachricht: Es kommt ein neuer Impfstoff. Die schlechte: Das Mittel von Johnson & Johnson wird erst mit Verzögerung in die EU geliefert. Wie kann das sein?

Über die gute Nachricht aus Amsterdam konnte sich Brüssel an diesem Donnerstag nur bedingt freuen: Die Europäische Medizinagentur (EMA) empfahl die Zulassung des vierten Vakzins für den europäischen Markt. Es handelt sich um den Vektorimpfstoff mit dem offiziellen Namen "Covid-19-Impfstoff Janssen" des US-Herstellers Johnson & Johnson.

 

Doch das Vakzin hat bisher einen großen Nachteil: Auch nach der Zulassung wird die EU noch wochenlang auf die ersten der bestellten 200 Millionen Dosen (36,7 Millionen sind für Deutschland bestimmt) warten. Nach AstraZeneca ist Johnson & Johnson also der zweite Hersteller, der bis zur Vorwoche nicht verbindlich mitteilen konnte, ab wann er die ersten Chargen nach Europa ausliefert. Die Warnung, so hieß es von dem Unternehmen, sei "eine Vorsichtsmaßnahme" und bedeute nicht, dass die Ziele in jedem Fall verfehlt würden. Viel hängt davon ab, ob die US-Regierung des neuen Präsidenten Joe Biden mitspielt. Denn das Vakzin wird zwar unter anderem von der Johnson-Tochter Janssen im niederländischen Leiden hergestellt, aber in den Vereinigten Staaten abgefüllt. Die USA verhindern die Ausfuhr fertiger Impfstoffe aber derzeit noch mit einem Exportbann, den der frühere Präsident Donald Trump erlassen hat. Das soll langfristig besser werden: Offenbar gibt es hinter den Kulissen Verhandlungen mit dem französischen Sanofi-Konzern, der das Vakzin von Johnson & Johnson produzieren will.

 

Organisation rund um die Corona-Impfstoffe: Eklat zwischen Brüssel und London

In Brüssel liegen angesichts der schleppenden Lieferungen die Nerven blank. EU-Ratspräsident Charles Michel hielt neben den USA auch Großbritannien vor, keine Impfstoffe zu exportieren. Daraufhin sah sich Premier Boris Johnson veranlasst, die Unterstellung, London habe ein Ausfuhrverbot erlassen, zurückzuweisen. Tatsächlich hat die Regierung des Vereinigten Königreiches keinen formellen Exportbann erlassen. Dennoch konterte Michel: "Wir wissen – und ich weiß es, weil ich Politiker bin –, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Verbot oder Einschränkungen zu verhängen." Er habe die Regierung von Johnson gefragt, wie viele Vakzin-Dosen sie bisher an andere Länder geliefert habe – und warte noch immer auf die Antwort.

 

Es ist nicht der einzige Kampf, der geführt wird: Auch der Hersteller AstraZeneca steckt erneut in Schwierigkeiten. Nach einem Todesfall in Österreich und Nebenwirkungen mit Blutgerinnseln in Dänemark haben beide Regierungen die Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca für zwei Wochen ausgesetzt. Immerhin bemühten sich dafür andere, gute Nachrichten zu liefern: Am Mittwoch kündigte das Gespann Biontech/Pfizer an, in den kommenden zwei Wochen vier Millionen Dosen zusätzlich an die EU zu liefern.

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