Augsburg Es wäre vermessen zu behaupten, Eberhard von Brauchitsch habe seinen Tod gemanagt, wie er sein Leben gemanagt hat. Alles spricht dafür, dass die Verzweiflung über den eigenen Gesundheitszustand und den seiner Frau die Triebfeder dafür war, dieses Leben gemeinsam zu beenden. Und doch liest sich sein Ende, als habe da einer im hohen Alter von 83 Jahren noch einmal jene Selbstbestimmung erfahren wollen, die ihn zeitweise zu einem der mächtigsten Industriellen der Republik werden ließ.
Eberhard von Brauchitsch war Unternehmensberater und Rechtsanwalt, ein Baum von einem Mann, den so schnell nichts umwarf, einer, der lenken und nicht gelenkt werden wollte. In den siebziger Jahren hatte er Zugang zu allen wichtigen Zirkeln in Deutschlands Politik und Wirtschaft. Wie viel Macht er wirklich hatte, sah man erst, als er sie auf einen Schlag verlor.
Dieses Ereignis Anfang der achtziger Jahre ist es, was man auf immer und ewig mit von Brauchitsch in Verbindung bringen wird. Er war die Schlüsselfigur in der Flick-Affäre, einem der größten politischen Skandale in der Geschichte Deutschlands. Als Gesellschafter des Düsseldorfer Flick-Konzerns und engster Vertrauter der Gründerfamilie hatte er rund 26 Millionen D-Mark an Parteien, Stiftungen und einzelne Politiker verteilt - Spenden, die später als "Pflege der Bonner Landschaft" Einzug in den deutschen Sprachschatz hielten.
Die Schlüsselfigur in der Flick-Affäre
Der Absturz war tief. Erst trennte sich Flick von ihm, dann, 1984, verurteilte ihn ein Gericht wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung.
Bestechung konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Und doch waren die politischen Folgen immens: Der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff musste ebenso zurücktreten wie Deutsche-Bank-Chef Hans Friderichs (beide FDP), Lambsdorffs Vorgänger. Von Brauchitsch arbeitete bis zuletzt als Berater. Aber es wurde ruhig um ihn.
Jetzt also die letzte, so weit reichende Entscheidung seines Lebens. Von Brauchitsch litt an einem Emphysem, einer Überblähung der Lunge, sagte Tochter Bettina dem Magazin Focus. Seine Frau Helga, eine 83-jährige Ärztin, mit der er seit 1952 verheiratet war, hatte Parkinson in fortgeschrittenem Stadium.
Am vergangenen Dienstag haben sie den Freitod gewählt, wie es heißt, mit Unterstützung der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Exit. Bettina von Brauchitsch sagt: "Aufgrund ihrer schweren Krankheit wären sie zu dem von ihnen gefassten Entschluss später nicht mehr in der Lage gewesen."