Hunderttausende schreien Abend für Abend auf den Straßen des Irans ihren Frust über hohe Preise, niedrige Einkommen und fehlende Zukunftschancen heraus – doch Regimechef Ali Khamenei kann nur „Vandalen“ erkennen. Hinter den Unruhen, die seit fast zwei Wochen anhalten, stecke Amerika, sagte der 86-jährige Ajatollah am Freitag in einer kurzfristig anberaumten Rede. Die Islamische Republik werde nicht vor „Söldnern des Auslands“ zurückweichen. Die scharfen Töne sollen die Ratlosigkeit des Regimes verdecken.
, hat sie sich auf den ganzen Iran ausgebreitet. Die Proteste richteten sich zunächst gegen den Verfall der Landeswährung Rial und schlechte Lebensbedingungen, doch längst stehen Rufe nach einem Ende der Islamischen Republik im Mittelpunkt. In der Nacht zum Freitag erlebte das Land die bisher größten Kundgebungen, an denen nach Schätzungen von Oppositionsmedien mehrere Millionen Menschen teilnahmen.
Menschenrechtler melden bereits bis zu 45 Tote im Iran
Das Regime ist offenbar unsicher, wie es mit der Protestwelle umgehen soll. Präsident Massud Peseschkian rief die Einsatzkräfte zu „maximaler Zurückhaltung“ auf. Dagegen kündigte der von Khamenei eingesetzte Chef der Justiz, Ghomalhossein Mohseni Ejei, an, er werde gegen „Unruhestifter“ durchgreifen.
Iranische Menschenrechtler im Ausland berichten, bei Straßenschlachten seien bisher bis zu 45 Menschen getötet worden, mehr als 2200 Demonstranten wurden festgenommen. Der im amerikanischen Exil lebende Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, rief die Iraner für Freitagabend zu neuen Massenprotesten auf.
In der Nacht zum Freitag unterbrach die Regierung die Internetverbindungen im Land, auch am Freitag waren viele Internetseiten nicht zu erreichen, darunter auch Seiten staatlicher iranischer Medien. Viele Telefonverbindungen waren ebenfalls unterbrochen, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete.
Donald Trump droht Iran mit Eingreifen
Die Führung der Islamischen Republik um Khamenei steckt militärisch, politisch und ideologisch in einer Sackgasse. Im Juni-Krieg vorigen Jahres verlor der Iran seine Flugabwehr, sodass er neue Angriffe nicht abwehren könnte. US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Worten im Iran eingreifen, wenn das Regime den Aufstand niederschlagen sollte.
Für eine Erholung der Wirtschaft bräuchte der Iran eine neue Atomvereinbarung mit den USA. Nur so könnten die internationalen Sanktionen aufgehoben werden, doch das will Khamenei nicht. In seiner Rede am Freitag sagte er, Trump habe seit den Angriffen im letzten Sommer das Blut von Iranern an seinen Händen.
Die Entfremdung zwischen der Generation Khameneis, die 1979 die Islamische Republik errichtete, und der jungen Bevölkerungsmehrheit – etwa die Hälfte der 90 Millionen Iraner ist unter 30 Jahren – wächst. Einige Regierungsvertreter scheinen die Hoffnung aufgegeben zu haben.
Regimevertreter bereiten offenbar eine Flucht vor
Die Londoner Times meldete jüngst, Khamenei bereite seine Flucht nach Moskau vor. Der britische Parlamentsabgeordnete Tom Tugendhat sagte im Unterhaus, es gebe Berichte, wonach russische Flugzeuge große Mengen an Gold aus dem Iran fortschaffen. Die französische Zeitung Le Figaro will erfahren haben, dass hochrangige Regimefunktionäre sich um französische Visa für ihre Familienangehörigen bemühen.
Hinter Reisen iranischer Politiker werden Absetzbewegungen vermutet. Als Außenminister Abbas Araghchi jetzt zu Gesprächen im Libanon eintraf, verbreitete sich das Gerücht, der iranische Minister wolle seine Familie in Sicherheit bringen: Anders als bei Arbeitsbesuchen üblich brachte Araghchi demnach seine Frau und seine Kinder mit nach Beirut.
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