Es ist nicht ganz so schlimm gekommen, wie befürchtet. US-Präsident Donald Trump hat im Kräftemessen um Grönland auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (vorerst) eine Option vom Tisch genommen, die die Europäer hat schaudern lassen. Die US-Armee soll die Eisinsel nicht im Handstreich nehmen und besetzen. Das wäre das rapide Ende der Nato gewesen. Aber Trump besteht auf Kontrolle in der Arktis und fordert schnellstmögliche Verhandlungen über Grönland. Im Raum steht ein erzwungener Kauf, denn Dänemark und die Grönländer lehnen es ab, dass die Insel von den Vereinigten Staaten geschluckt wird, wie es ein Wal mit kleinen Fischen tut.
Trump hat das Nato-Versprechen wieder ein Stück geschwächt
Würde er sich durchsetzen und de facto das Kommando übernehmen, stünden die Europäer dennoch als Verlierer da. Sie hätten verloren und bekämen im Gegenzug nichts: Denn das gegenseitige Hilfsversprechen der Nato ist die Basis des Nordatlantikpakts und nicht an einen Landverzicht gekoppelt. Trump hat in seiner Rede den Verbündeten in der alten Welt wieder vorgehalten, dass sie die USA ausnutzten. Und er behauptete, dass ein Staat nur ein Territorium verteidigen kann, das zu ihm gehört.
Das heißt in der Ableitung, dass die USA die Ostflanke womöglich nicht gegen eine russische Attacke schützen würden. Denn Estland, Lettland und Litauen gehören bekanntlich nicht zu den Vereinigten Staaten. Das Beistandsversprechen der Nato, der Kern des Nordatlantikpakts, ist in den Schweizer Alpen wieder ein Stück schwächer geworden.
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