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Augsburg/Kiew: Moskau erzielt Erfolge im Donbass: Welche Verantwortung der Westen daran trägt

Augsburg/Kiew

Moskau erzielt Erfolge im Donbass: Welche Verantwortung der Westen daran trägt

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    Charkiw: Trümmer liegen vor einem Verwaltungsgebäude, dass durch Beschuss des russischen Militärs schwer beschädigt wurde.
    Charkiw: Trümmer liegen vor einem Verwaltungsgebäude, dass durch Beschuss des russischen Militärs schwer beschädigt wurde. Foto: Ukrin, dpa

    Die Appelle klingen dramatisch. „Kein Risiko eingehen! Packt zusammen!“, warnt der Bürgermeister von Slowjansk, Wadym Ljach, alle Zivilisten. Nachdem die russische Armee Anfang der Woche schon die Region Luhansk im Osten der Ukraine unter ihre Kontrolle gebracht hat, wurden in den vergangenen Tagen massive Gefechte auf die Nachbarregion Donezk gemeldet. Beide Gebiete gehören zum Donbass. Zwar haben die Soldaten nicht viel mehr als Trümmerfelder zurückgelassen, doch für den russischen Präsidenten ist ein Ziel seines Krieges erfüllt: Die Eroberung der Ostukraine schreitet weiter voran.

    „Wir sehen, dass die Ukraine nach 130 Tagen militärisch geschwächt ist“, sagt Markus Kaim, Sicherheitspolitik-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Waffenvorräte würden immer weiter aufgebraucht, Ersatzteile für militärisches Gerät sowjetischer Bauart sei kaum zu beschaffen, die Ukraine suche verzweifelt nach Munition – ein großes Problem in einem Artilleriekrieg. Drei, vielleicht vier Wochen würden die ukrainischen Bestände noch ausreichen. Die westlichen Waffenlieferungen kämen zu zögerlich.

    Engagement des Westens im Krieg in der Ukraine lässt nach

    Zu dieser Feststellung passt eine Beobachtung des Instituts für Weltwirtschaft, das die Kriegslage in seinem „Ukraine Support Tracker“ genau verfolgt: Die Dynamik der Unterstützung lässt nach. „Die finanzielle und militärische Unterstützung anderer Länder an die Ukraine bleibt deutlich hinter den Notwendigkeiten zurück, um die Situation in dem angegriffenen Land zu stabilisieren“, stellt das IfW fest. Das Eintreffen der Unterstützung sei für die ukrainische Regierung kaum planbar. Waffen oder Finanzhilfen würden weiterhin nur sehr zeitverzögert bereitgestellt. „Aufgrund der schweren Artillerieangriffe ist die Ukraine vor allem auf Raketenwerfer und Haubitzen angewiesen, um sich wehren zu können“, sagt Christoph Trebesch, Forschungszentrumsdirektor am IfW Kiel.

    Damit gerät ein Ziel der ukrainischen Regierung zumindest in Gefahr: Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht zwar davon, dass sein Militär den Donbass zurückerobern will, doch das erscheint zumindest fraglich. „Derzeit ist das von Selenskyj ausgegebene Ziel nicht realistisch“, sagt Joachim Krause, Chef des Instituts für Sicherheitspolitik in Kiel. Zumindest gelte das unter den aktuellen Bedingungen. „Es sei denn, dass sich die westlichen Staaten endlich entschließen, der Ukraine in sehr viel größerem Umfang und ohne Einschränkungen jene Waffensysteme zu liefern, die die Ukraine braucht.“ Doch genau das zeichnet sich nicht ab. Zuletzt drängte die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag darauf, etwa Transportpanzer vom Typ Fuchs nach Kiew zu liefern, doch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht erteilte der Forderung eine klare Absage. Die Panzer würden für die eigene Verteidigungsfähigkeit benötigt.

    Auch die russische Armee hat massive Probleme

    Doch trotz der Probleme der Ukraine: Der Vormarsch Russlands ist eher zäh. „Die Truppen erzielen kleine Gewinne und müssen hohe Verluste einstecken“, sagt Krause. „Die Russen beschießen ukrainische Stellungen so lange mit Artillerie, bis sich da nicht mehr viel rührt.“ Das dauere manchmal Tage, manchmal Wochen. „Dann rückt die Infanterie vor und wird meistens von der ukrainischen Artillerie zusammengeschossen“, sagt Krause. „Dann geht das gleiche Drama wieder von vorne los, bis die russische Infanterie irgendwann doch bleiben kann. Nur: So kann man keinen Krieg gewinnen, denn der Munitionsverbrauch ist enorm.“

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