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Baustellen und Stau auf der Autobahn, Verspätungen bei der Bahn: Warum wir uns freuen sollten

Kommentar

Baustellen und Stau auf der Autobahn, Verspätungen bei der Bahn: Warum wir uns freuen sollten

Lena Jakat
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    Deutschland, Autoland, Baustellenland.
    Deutschland, Autoland, Baustellenland. Foto: Bernd Weißbrod, dpa (Archivbild aus Pforzheim)

    Die glücklichsten deutschen Autofahrer finden sich aktuell wohl auf dem Friesenspieß. Friesenspieß ist der Kosename für die Autobahn A31 ganz im Nordwesten der Republik, die Bottrop im Ruhrgebiet und Emden an der Nordseeküste verbindet. Auf der digitalen Echtzeit-Karte der Bundesautobahnen ist ganz Deutschland flächendeckend eng mit roten Warnhinweisen beklebt. Ganz Deutschland? Ganz Deutschland – außer dem Friesenspieß eben. Auf der A31 gibt es aktuell so gut wie keine Baustelle. Dafür überall sonst.

    Deutschland, Autoland, Baustellenland. Zwischen 800 und 1300 Baustellen gleichzeitig gab es laut ADAC-Statistik im vergangenen Jahr auf deutschen Autobahnen. Für Pendler, Einkäufer, Urlaubsreisende heißt das: Stau. Zumal das Verkehrsaufkommen stetig steigt. Insgesamt 51 Jahre lang stehen Fahrer hierzulande – rein rechnerisch – im Stau, das ist so, als wäre man nach dem Rücktritt von Kanzler Willy Brandt und dem deutschen WM-Titel 1974 ein- und heute bei schwarz-rotem Koalitionsgekabbel und DFB-Krise wieder ausgestiegen. So wird das natürlich nichts mit dem Vorankommen. Nichts als Stillstand, Frustration und quengelnde Kinder auf dem Rücksitz. Also: Verkehrswende, ab auf die Schiene? Rhetorische Frage, klar. Die Bahn modernisiert das Schienennetz, noch mindestens zehn Jahre lang werden 40 wichtige Teilstrecken monatelang gesperrt. Die Folge: Umleitungen und Verspätungen. Im Oktober kamen rekordverdächtige 51 Prozent der Züge im Fernverkehr zu spät. Nichts als Ärger, Terminstress und aggressive Mitfahrer im Abteil.

    Und dann auch noch der Allacher Tunnel

    Die Stimmung im Keller und dann kommt auch noch die Nachricht, dass ein Tunnel auf dem Münchner Autobahnring A99 ab 2028 acht Jahre lang saniert werden soll. Acht Jahre, wie viel ergibt das an Stau-Jahrzehnten? Der Frust im Land ist riesig, dabei haben wir die Baustellen im Nahverkehr noch gar nicht thematisiert. Was also tun? Resignieren? Umziehen an den Friesenspieß? Sich schimpfend die Staustunden zusätzlich mit übler Laune versauen?

    Oder doch – auch wenn es schwerfällt – es mal andersrum betrachten: Es tut sich was in Deutschland! Und wie! An bis zu 1500 Stellen gleichzeitig werden Fahrbahnbeläge erneuert und Brücken saniert, sodass sich hier auch die nächsten Jahrzehnte sicher drüber und drunter durchfahren lässt. Die Bahn bereitet sich und ihr Netz auf eine klimafreundlichere Zukunft vor, mit mehr Schienenverkehr und 29 Millionen Fahrgäste täglich. Und das geschieht nicht mehr in nervenaufreibendem Klein-Klein, sondern in großen, mutigen Schritten. Lässt sich das nicht auch als Entschlossenheit deuten, als Beweis politischer Handlungsfähigkeit, als Signal der Zuversicht? In seiner ersten Regierungserklärung hat Friedrich Merz gesagt: „Menschen sollen schon im Sommer spüren: Es geht voran.“ Zwar ist jetzt beinahe Winter und die aktuellen Baustellen sind wohl allesamt noch Vermächtnis der Ampel-Regierung - aber vielleicht fühlt es sich ironischerweise genauso an, wenn es vorangeht: dass eben erstmal nichts vorangeht. Hurra, endlich Baustelle! Es tut sich was in Deutschland!

    Zugegeben, dieser Perspektivwechsel ist leichter gesagt, hingeschrieben, als getan. Stau bleibt schließlich Stau, egal wie man draufschaut. Wem es aber gelingt, der tut was für seine Gesundheit. Optimisten leben nämlich bis zu 15 Prozent länger als diejenigen, die sich ständig ärgern. Da kommen schnell ein paar Jahre zusammen; bis dahin ist die Baustelle auch wirklich fertig.

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