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BBC-Krise: Senderchef zieht nach Vertrauensverlust die Reißleine

Medien

Das Vertrauen in die BBC ist erschüttert

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    Der BBC-Chef hat nach Kritik an einer Sendung seinen Hut genommen.
    Der BBC-Chef hat nach Kritik an einer Sendung seinen Hut genommen. Foto: Christoph Meyer, dpa

    Es ist Sonntagabend, 22 Uhr. Die Nachrichtensendung „BBC News“ beginnt mit mehreren vertrauten Beeb-Tönen, jenem markanten Signal, das seit Jahrzehnten den Beginn der Nachrichten markiert. Das Studio ist dasselbe, genauso wie die Musik, und doch ist alles anders. Denn an diesem Abend wird die BBC selbst zur Topmeldung. Moderatorin Jane Hill verliest eine Information, die die britische Sendeanstalt erschüttert: Sowohl der Generaldirektor Tim Davie, als auch Nachrichtenchefin Deborah Turness treten zurück. Die Tageszeitung The Telegraph bezeichnete die Vorgänge am Montag als die „größte Krise der Sendeanstalt seit über einem Jahrzehnt“.

    Auslöser war eine Folge der traditionsreichen Sendung Panorama: „Trump: A Second Chance?“ („Trump: Eine zweite Chance?“), ausgestrahlt im Oktober vergangenen Jahres. Der Vorwurf: Die Macher der Dokumentation sollen mehrere getrennte Ausschnitte aus Donald Trumps Rede vom 6. Januar 2021 so montiert haben, dass der Eindruck entstand, der US-Präsident habe seine Anhänger direkt aufgefordert, „zum Kapitol zu gehen“, um dort „wie die Hölle“ zu kämpfen. Tatsächlich forderte Trump die Menge jedoch dazu auf, „friedlich und patriotisch eure Stimmen hören zu lassen“. Seine Anhänger reagierten damals in Washington D.C. auf Trumps Weigerung, die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2020 anzuerkennen.

    Laut Medienberichten droht Trump der BBC mit einer Klage in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, sollte der Sender nicht bis Freitagabend auf den fehlerhaften Zusammenschnitt seiner Rede reagieren. Seine Anwälte fordern demnach eine Richtigstellung, eine öffentliche Entschuldigung und Schadensersatz. Die BBC bestätigte den Eingang des Schreibens und erklärte, der Sender werde „zu gegebener Zeit“ darauf eingehen. BBC-Vorsitzender Samir Shah hatte sich zuvor für einen „Fehler im Urteilsvermögen“ beim Schnitt der Rede entschuldigt.

    Die Sprengkraft des Vorgangs wurde unterschätzt

    Ans Licht gebracht hatte den Skandal Michael Prescott, einst Berater des BBC-Ausschusses für redaktionelle Standards, Anfang November 2025. Er bezeichnete den Zusammenschnitt als „völlig irreführend“ und warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall. Anstatt rasch zu reagieren, unterschätzte die britische Sendeanstalt offenbar die Sprengkraft des Eklats und zog erst Tage später Konsequenzen. In seinem Rücktrittsschreiben schrieb Davie, lange als „Teflon-Tim“ bekannt, weil frühere Skandale wie an einer Bratpfanne an ihm abgeperlt waren, die BBC sei „nicht perfekt“ und habe Fehler gemacht, für die er als Generaldirektor die letztendliche Verantwortung trage.

    Trotz dieses Eingeständnisses verteidigte Davie die BBC und bezeichnete die Sendeanstalt als den „Goldstandard des Journalismus weltweit“. Es sei eine Institution, die trotz mancher Fehltritte für Integrität und Qualität stehe. Turness wies den Vorwurf einer institutionellen Voreingenommenheit der Rundfunkanstalt auch am Montag entschieden zurück. Tatsächlich sind Zusammenschnitte von Reden im Journalismus üblich. Die ethische und journalistische Grundregel dabei ist jedoch, dass der Sinn oder Kontext der ursprünglichen Aussage in keiner Weise entstellt, verfälscht oder manipuliert werden darf. 

    Das Weiße Haus reagierte scharf

    Aus der oppositionellen Tory-Partei, die seit Jahren über eine Reform oder gar Abschaffung der Rundfunkgebühr diskutiert, kam scharfe Kritik. Die konservative Parteichefin Kemi Badenoch erklärte, die neue BBC-Führung müsse nach einer ganzen Reihe „schwerwiegender Versäumnisse“ nun „echte Reformen“ umsetzen. Auch der einstige Brexit-Treiber Nigel Farage, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei Reform UK, sprach von der „letzten Chance“ für die Institution. Aus dem Weißen Haus hieß es, die BBC sei „zu 100 Prozent Fake News“.

    Die Krise kommt für die öffentliche Sendeanstalt, von den Briten auch liebevoll „Auntie Beeb“ genannt, zur Unzeit. Denn bis 2027 muss ein Grundlagendokument erneuert werden, das Auftrag, Struktur und Finanzierung des Senders regelt und alle zehn Jahre erarbeitet wird. In der Diskussion sind Alternativen zur klassischen Rundfunkgebühr. Diese liegt derzeit bei 174,50 Pfund (rund 200 Euro) pro Haushalt und Jahr, was viele Briten angesichts hoher Lebenshaltungskosten und immer neuer Skandale als überzogen empfinden. 

    Kritiker bekommen neue Argumente geliefert

    Schon in den vergangenen Monaten reihten sich beim britischen Traditionssender Pannen und Eklats aneinander. Im Juni sorgte das Londoner Punk-Duo Bob Vylan während eines BBC-Livestreams mit Rufen wie „Death to the IDF“ („Tod der israelischen Armee“) auf dem Glastonbury Festival für Empörung. Kritiker warfen der BBC vor, den Stream nicht umgehend offline genommen zu haben.

    Auch die Dokumentation „Gaza: How to Survive a War Zone“ („Gaza: Überleben in einer Kriegszone“) geriet in die Kritik, nachdem sich der 13-jährige Erzähler, der darin über das Leben im Kriegsgebiet sprach, später als Sohn eines Hamas-Funktionärs herausstellte. Die Skandale lieferten Wasser auf die Mühlen der Kritiker der BBC, allen voran aus dem rechten Lager, die der Sendeanstalt seit Jahren eine linksliberale Schlagseite vorwerfen.

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