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Bei der Bahn läuft immer noch nicht alles rund.

Kommentar

Boah, Bahn

Stefan Lange
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    Logo schick, alles schick? Bei der Deutschen Bahn eher nicht.
    Logo schick, alles schick? Bei der Deutschen Bahn eher nicht. Foto: Michael Brandt, dpa

    Nach außen hin ist bei der Bahn alles schick. Gerade erst hat der Konzern Deutschlands ersten Hochgeschwindigkeitszug „mit stufenlosem Einstieg“ vorgestellt. Bahn-Chefin Evelyn Palla freut sich „über mehr Komfort und Zuverlässigkeit für unsere Fahrgäste“. Wer das angesichts schlechter Pünktlichkeitswerte und dreckiger Bahnhöfe nicht so recht glauben mag, der wird mit der neuen DB-Webserie vollgelulllt. Schauspielerin Anke Engelke stellt da als ICE-Zugchefin Tina strahlend fest: „Boah, Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug.“

    Über die Bahn zu meckern, scheint eine Art Volkssport geworden zu sein. Aber es steckt, anders als etwa beim Fußball, mehr dahinter. Die Betroffenen sitzen direkt im Zug und nicht passiv an der Seitenlinie, und selbst wenn der auf der Hinfahrt pünktlich ist und alles klappt, dann läuft mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Rückreise irgendwas schief. Wer aufgrund schlechter Erfahrungen aufs Auto umsteigt, wird die Bahn deswegen trotzdem nicht los. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 hat der Konzern einen dreistelligen Milliardenbetrag an Zuschüssen erhalten. Man fragt sich, wo das ganze Steuergeld geblieben ist, zumal der Konzern Schulden in Höhe von rund 30 Milliarden Euro angehäuft hat.

    Investitionsstau bei der Bahn: China ist viel schneller

    Es gibt einen erheblichen Investitionsstau bei Strecken und Bahnhöfen, die Technik ist zu großen Teilen analog. China testet gerade einen Hochgeschwindigkeitszug, der im Normalbetrieb 450 Stundenkilometer schnell ist. Die Bahn ist 150 Kilometer pro Stunde langsamer – wenn aufgrund der vielen Baustellen überhaupt einmal 300 Sachen auf dem Tacho stehen.

    Nach dem Abgang von Bahnchef Richard Lutz tat sich die Bundesregierung schwer, einen Nachfolger zu finden. Es wurde mit Evelyn Palla eine Nachfolgerin, die sich nun daran macht, den lang ersehnten tiefgreifenden Wandel im Konzern einzuleiten. Man wünscht ihr eine glückliche Hand und sie würde es sicherlich schaffen, wenn sie frei schalten und walten dürfte. Aber es gibt da noch die Politik.

    Weniger Leute, mehr Gewinn

    Die Bürgerinnen und Bürger erlebten gerade mit, wie die Bundesregierung zwar ein 500-Milliarden-Sondervermögen unter anderem für die Infrastruktur auflegte. Bei näherer Betrachtung stellte sich aber raus, dass im regulären Haushalt des Verkehrsministeriums für Investitionen fast kein Geld mehr da war. Die Mogelpackung wurde nach lautem Protest der betroffenen Bundesländer wieder aufgeschnürt und jetzt stellt sich Situation etwas besser dar. Bis alle Strecken saniert, alle Bahnhöfe renoviert und sämtliche Stellwerke digitalisiert sind, vergehen jedoch noch viele Jahre.

    Palla will unter anderem die Personalaufwandsquote reduzieren. Die liegt bei sehr hohen 52 Prozent und soll auf immer noch hohe 50 Prozent runter. Vereinfacht ausgedrückt: Palla will mit weniger Beschäftigten mehr Gewinn erzielen. Was auch deshalb schwer werden dürfte, weil es mit EVG und GDL mächtige Arbeitnehmervertretungen gibt. Die neue Bahn-Chefin will außerdem weniger Bürokratie, mehr Macht für die Mitarbeitenden vor Ort und dafür weniger Anweisungen aus dem Bahntower am Potsdamer Platz heraus.

    Dabei würde es vermutlich schon reichen, wenn Konzernführung und Politik nicht immer gleich das ganz große Rad drehen. Der eingangs erwähnte „stufenlose Einstieg“ ist ein gutes Beispiel: In postkommunistischen Ländern wie Ungarn gibt es den nämlich schon seit Jahrzehnten. Dort wurde einfach immer darauf geachtet, dass die Bahnsteige auf Höhe der Türschwellen sind. Effektiv und günstig, statt Hochglanz und Chichi - mit diesem Leitmotiv würde es auch bei der Bahn rollen.

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