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Bildung: Deutschkurs statt Urlaub: Österreichs Schüler sollen nachsitzen

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Deutschkurs statt Urlaub: Österreichs Schüler sollen nachsitzen

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    Ein leeres Klassenzimmer in Österreich. Künftig könnte hier auch in den Ferien mehr los sein.
    Ein leeres Klassenzimmer in Österreich. Künftig könnte hier auch in den Ferien mehr los sein. Foto: Hans Punz, dpa

    Einst war es die extrem rechte FPÖ gewesen, später auch die konservative ÖVP, die mit dem Thema punkten wollte. In Oberösterreich etwa führte die Landesregierung vor einigen Jahren eine „Deutschpflicht am Schulhof“ ein. Migrations- und Bildungsforscher sahen das kritisch. Doch mit den Jahren hat sich die Diskussion wesentlich gedreht: Dass ein immer größer werdender Teil der Schülerinnen und Schüler in Österreich – übrigens auch solcher ohne Migrationshintergrund – immer massivere Probleme mit der deutschen Sprache hat, stellt keine politische Partei mehr infrage.

    Die Sommerschulen entstanden in der Corona-Zeit

    Nach dem Kopftuchverbot für junge Mädchen in österreichischen Schulen geht die Koalition aus ÖVP, SPÖ und liberalen Neos nun den nächsten Schritt: Erreichen Kinder, die über das Schuljahr in Förderklassen Deutsch lernen, gewisse Lernziele nicht, bekommen sie weniger Ferien und müssen stattdessen für zwei Wochen eine Sommerschule besuchen – und zwar verpflichtend. Diese Sommerschulen wurden ursprünglich während der Corona-Pandemie eingeführt, um Bildungsrückstände durch den Fernunterricht aufholen zu können.

    Die nun beschlossene Verpflichtung zum „Nachsitzen“ auch in den großen Ferien – diese dauern in Österreich stolze neun Wochen – trifft in einer ersten Phase die Kinder und Jugendlichen in Deutschförderklassen. Später sollen auch andere Schüler und Schülerinnen im Sommer zum Unterricht, falls keine entsprechenden Lernfortschritte in der deutschen Sprache erzielt werden. Bei Nichterfüllung dieser Unterrichtspflicht drohen im Übrigen Strafen von bis zu 1000 Euro. 

    Unklar, ob es genug Lehrkräfte für den Sommer gibt

    Laut offiziellen Zahlen besuchten bundesweit im vergangenen Jahr rund 48.000 Schüler Förderklassen oder Kurse – und die Tendenz steigt. Immer mehr Kinder in Österreich können aufgrund mangelnder oder gar nicht vorhandener Deutschkenntnisse dem Unterricht nicht folgen. Vor allem in der Hauptstadt Wien nehmen solche Probleme zu – jeder fünfte Grundschüler dort konnte zu Beginn des laufenden Schuljahres gar nicht oder zumindest nicht ausreichend Deutsch. 

    Die schiere Zahl an Betroffenen könnte schon bald zu einem weiteren Problem führen: Die Wiener Schulen fürchten, für die nun eingeführte Sommerschulpflicht gar nicht genug Lehrpersonal aufbieten zu können. Österreichs Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) kündigte am Mittwoch vorsorglich an, neben angestellten Lehrern auch Studierende und Kräfte aus der Erwachsenenbildung für die Sommerschulen gewinnen zu wollen. Sollte sich trotzdem nicht genug Personal finden, sollen Lehrer auch zum Unterricht verpflichtet werden können, sagte der Minister. Selbst pensionierte Lehrer will Wiederkehr bei Bedarf zurück an die Schulen rufen.

    Schulen sollen mehr Eigenständigkeit bekommen

    Nach welchen Kriterien genau entschieden werden soll, wer auf zwei Wochen Ferien verzichten und stattdessen in den Deutschkurs muss, dürfte noch unklar sein. Der Bildungsminister sieht die Maßnahme jedenfalls als Teil einer umfassenden Strategie, dem wachsenden Problem Herr zu werden: Schulen sollen künftig mehr Autonomie in der Gestaltung der Förderklassen haben, Gruppen sollen flexibler gestaltet werden und Schulen sollen selbst entscheiden können, welche Konzepte beim Deutschlernen umgesetzt werden.

    Von einem bevorstehenden „Kraftakt“ sprach der Bildungsminister in dieser Woche, Widerstand gegen die verkürzten Ferien und die verpflichtenden Sommerkurse kommt von der Gewerkschaft. Diese will zusätzliche finanzielle Mittel lieber in der Regelschule, zugunsten von mehr Personal und mehr Standorten, eingesetzt wissen. 

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