Es mag anekdotisch sein, aber irgendwie eben auch symptomatisch für die Stimmung, die man derzeit und gerade bei jungen Menschen spürt, und deswegen sei diese Geschichte hier erzählt: Vor kurzem sprach ich für einen Artikel mit einem Mädchen, 17 Jahre alt, Gymnasiastin, gute Noten. Auf die Frage, was sie denn nach dem Abitur machen wolle, was ihre Wünsche, Pläne, Träume – die hat man doch mit 17 schließlich noch – seien, kam nicht etwa, dass sie mit dem Rucksack durch Costa Rica reisen wolle oder mit dem Zug durch Europa, sie erzählte nicht, ob sie sich mehr für ein Romanistikstudium oder Kunstgeschichte interessiere, sie sagte einfach nur: Hauptsache was Sicheres.
Sehnsucht nach Sicherheit, nach Stabilität, nach Ordnung, die haben viele junge Menschen, wie zahlreiche Studien belegen. Und diese Sehnsucht ist in einer tiefen Verunsicherung begründet, die sich in den Köpfen festgefressen, eingenistet, breitgemacht hat. Und dafür gibt es Gründe.
Der Staat hat dazu beigetragen, dass dieses Angst-Gefühl da ist
Zum einen: die vielen Krisen. Zuerst Corona. Dann der Krieg in der Ukraine, der Klimawandel, die Inflation – die Liste ließe sich lange fortsetzen. Vielleicht sind die jungen Menschen mürbe geworden, vor allem durch die Pandemiejahre, vielleicht von den Eltern aber auch schon so erzogen, dass die Welt eine unsichere ist und man sich eben auf nichts verlassen kann. Der Staat jedenfalls hat dazu beigetragen, dass dieses Angst-Gefühl da ist. Weil er viel versäumt hat. Und weiter versäumt.
Damals, in den Merkel-Jahren, hat man sich ausgeruht auf Wohlstand und Wachstum, Finanzminister Wolfgang Schäuble war stolz auf die Schwarze Null, keine Schulden, keine Sorgen. Heute indes sieht man, dass Deutschland sich ein Stück weit kaputtgespart hat. Man hätte damals mehr und mutiger investieren müssen. Hat man nicht, die Rechnung werden auch die Jungen zahlen. Denn die leben nun in einem Land, in dem dem aktuellen Bundeskanzler gar nichts anderes übrig bleibt, als mit seiner Regierung ein riesengroßes Schuldenpaket zu beschließen.
Kein Selbstmitleid, denn jede Generation hat ihre Krisen
Und es gibt noch mehr, das Angst machen kann – so große offenbar, dass sich immer weniger junge Menschen dazu entscheiden, Kinder zu bekommen, weil sie ihnen diese unsicheren Zeiten nicht zumuten wollen. Wie wird sich zum Beispiel die Rente entwickeln? Kommt endlich eine Reform, die eine echte Generationengerechtigkeit herstellen kann? Was ist mit der Bildung? Deutschland hinkt mittlerweile vielen Ländern hinterher und es kommt oft stark auf den Geldbeutel der Eltern an, wenn es darum geht, welche Schulart ein Kind besucht. Und dann soll wohl auch die eigentlich im Koalitionsvertrag versprochene Erhöhung des BAföGs für Studierende einkassiert werden – ein verheerendes Signal an junge Menschen, die schließlich die Zukunft dieses Landes sind.
All das trägt zur Verunsicherung junger Menschen bei. Aber Jammern, Selbstmitleid, das bringt nichts. Und es ist auch nicht so, dass es derlei noch nie gab. Denn zur Wahrheit gehört schon auch, dass jede Generation ihre Krisen hat. Damals 1962 die Kubakrise, als man an der Schwelle zum Dritten Weltkrieg stand. In den 80ern Tschernobyl, als die Kinder nicht mehr auf den Spielplatz durften, man Angst vor saurem Regen hatte und überhaupt davor, dass auch eines unserer Kraftwerke in die Luft fliegen könnte. Dann Mauerfall, Wiedervereinigung und die Erkenntnis, dass das, trotz aller Euphorie, alles gar nicht so leicht ist, das Erstarken der Rechten, brennende Asylbewerberheime. Dann der 11. September 2001, als plötzlich die Welt als Ganzes nicht mehr sicher schien.
Vergleichen kann und sollte man all das nicht, aber zumindest festhalten: Junge Menschen mussten schon immer mit dem, was in der Welt, im Land schiefläuft, zurechtkommen. Und trotzdem: Der Staat muss endlich Reformen - Gesundheit, Rente, Energiepolitik - auf den Weg bringen, die ein bisschen Sicherheit für die Zukunft geben.
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