Die Deutsche Bahn fährt bei der Pünktlichkeit hinterher. Mit einem Bündel aus 22 Vorschlägen soll die Pünktlichkeit der Züge gesteigert werden. Erarbeitet hat diese eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Politik, Bahn, Gewerkschaften, Verkehrsverbünden und Fahrgastverbänden unter Leitung von Bahnstaatssekretär Ulrich Lange (CSU). „Jetzt kommt es auf die entschlossene Umsetzung an, damit die Verbesserungen schnellstmöglich für die Fahrgäste spürbar werden“, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) am Freitag nach Vorlage der Empfehlungen.
Zu den Vorschlägen gehört unter anderem die Einführung von so genannten Joker-Gleisen. An Knotenpunkten wie den Bahnhöfen München, Frankfurt oder Hamburg kommt es häufig zu Verzögerungen, weil Züge nicht rechtzeitig einfahren können, weil alle Gleise belegt sind. Die Bahn soll daher ein Joker-Gleis freihalten, das ankommende Züge aufnehmen kann. Dabei wird über einen Tag nicht immer dasselbe Gleis offen gehalten, sondern je nach Aufkommen gewechselt. In den Fahrplan sollen Pufferminuten eingebaut werden, weil das Aus- und Einsteigen von Reisenden an den Bahnsteigen häufig länger dauert als geplant.
Die Maßnahmen wirken wie Schmerzmittel für die geschundene Bahn
Die Vorschläge sehen außerdem vor, dass Lokführer im Falle von Störungen in Bahnhöfen einen Abfahrbefehl auf ihr dienstliches IPad bekommen, statt wie bisher auf einen Anruf vom Stellwerk zu warten. In den Bahnhöfen soll die Bahn Reiselenker einsetzen, die den Passagieren genau erklären, wo genau sie für ihren Anschlusszug hingehen müssen.
Der Fahrgastverband Pro Bahn lobte die Vorschläge der Expertengruppe, an der er selbst beteiligt war, warnte aber gleichzeitig vor zu großen Hoffnungen. „Die Maßnahmen wirken wie Ibuprofen – sie lindern Schmerzen und hemmen die Entzündung, ersetzen aber nicht die dringend notwendige Behandlung am System Schiene“, sagte Pro-Bahn-Vize Michael Koch.
Die Deutsche Bahn hat im Fernverkehr massive Probleme mit Verspätungen. Im Januar rollte nach Unternehmensangaben jeder zweite ICE oder IC unpünktlich ein, im Februar war der Verspätungswert mit 40 Prozent etwas besser. Der Schienenkonzern kämpfte mit dem Winterwetter. Im Gesamtjahr 2025 lag die Pünktlichkeit bei 60 Prozent, einem neuen Negativrekord. Zehn Jahre zuvor betrug die Quote noch 75 Prozent.
Vorschläge der Taskforce sind keine Wundermittel
Durch das Maßnahmenbündel erhofft sich das Verkehrsministerium einen Rückgang der Verspätungen um drei bis vier Prozentpunkte. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Pünktlichkeit auf 63 bis 64 Prozent steigen würde. Die neue Bahnchefin Evelyn Palla hatte nach Amtsübernahme gewarnt, dass es im Schienenkonzern so schnell nicht besser werde. Der Vorstandsvorsitzende des Schienennetzes, Philipp Nagl, hält eine durchgreifende Verbesserung nur für möglich, wenn Züge aus dem Fahrplan gestrichen werden, um mehr Platz auf den Gleisen zu schaffen. „Wir sind an zu vielen Stellen im Netz am Limit“, hatte Nagl diese Woche unserer Redaktion gesagt. Das Streichen von Verbindungen hieße aber, dass Fahrgäste und Pendler ein verkleinertes Angebot bekämen und womöglich auf das Auto umsteigen müssten.
Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) lehnt das ab. Er forderte Bundesregierung und Bahn auf, die Mittel aus den Sondertöpfen des Bundes jetzt zügig zu investieren. „Mir ist wichtig, dass die Menschen nicht erst in zehn Jahren etwas merken“, betonte er in einem Interview mit unserer Redaktion. „Ich erwarte, dass es schon in drei, vier Jahren spürbar besser wird – stabiler, pünktlicher.“ Bayern zahle jedes Jahr rund 750 Millionen Euro an Trassenentgelten. „Da darf man auch erwarten, dass das Netz funktioniert.“
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