Newsticker
Von der Leyen: EU muss sich auf russischen Gas-Stopp vorbereiten
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland: Wird die Rente ab 69 eingeführt?

Deutschland
21.06.2022

Wird die Rente ab 69 eingeführt?

Später in Rente, um das System bezahlbar zu halten? Die Sozialpolitik sollte sich auch unbequemen Fragen stellen.
Foto: Monika Skolimowska, dpa

Die Bundesbank prophezeit auf lange Sicht Beitragssätze von bis zu 29 Prozent und plädiert deshalb für die Rente mit 69. In der Politik hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Bis die Rente mit 67 für alle Beschäftigten eingeführt ist, werden noch acht Jahre vergehen – ob ihr dann schon bald die Rente mit 69 oder die Rente mit 70 folgen muss, ist gegenwärtig eines der heißesten Eisen der Sozialpolitik. Zwar haben die Ampel-Parteien in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Rentenalter nicht anzutasten. Viele Experten aber halten das in einer rasant alternden Gesellschaft für ein riskantes Unterfangen. In diesem Falle drohen nach neuen Berechnungen der Bundesbank bis zum Jahr 2070 ein Anstieg der Beitragssätze von derzeit 18,6 auf 29 Prozent in der Rentenversicherung und deutlich höhere Steuern.

Schon jetzt zahlt der Staat jedes Jahr 100 Milliarden Euro

Das Jahr 2070 ist gefühlt zwar noch weit entfernt – viele Schüler, Jugendliche oder Auszubildende von heute werden dann allerdings noch im Erwerbsleben stehen und mit solchen Realitäten konfrontiert sein. Als Ausweg aus dem demografischen Dilemma schlägt die Bundesbank deshalb vor, das Rentenalter wie andere Länder auch an die Lebenserwartung zu koppeln und es bis zum Jahr 2070 auf 69 Jahre anzuheben: „Eine steigende Lebenserwartung erhöht sukzessive den Druck auf die Rentenversicherung, wenn das gesetzliche Rentenalter ab 2031 unverändert bleibt.“

Zwar stiegen die Beitragssätze und die Steuerzuschüsse an die gesetzlichen Rentenkassen auch dann noch an –langfristig aber bei weitem nicht so stark wie bei einem Beharren auf der Rente mit 67. Um das System stabil zu halten, überweist der Staat schon jetzt jedes Jahr mehr als 100 Milliarden aus dem Steuertopf an die Rentenversicherung – das entspricht, grob gerechnet, etwa einem Drittel des gesamten Bundeshaushaltes.

Dass die Ampel-Koalition noch in dieser Wahlperiode die Erwerbsminderungsrenten anheben will, begrüßen die Experten der Bundesbank dabei ausdrücklich: Wie heute werde es auch in Zukunft nicht jedem und jeder möglich sein, tatsächlich bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten. Genau deshalb will die Ampel auch nicht an der Rente mit 67 rütteln. „Die Vorstellung, dass man im Stahlwerk oder an der Supermarktkasse, als Polizistin oder als Krankenschwester bis 70 arbeiten soll, die können nur Leute haben, die in einer ganz anderen Welt leben“, hat Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) schon Ende Mai gewarnt. Er halte es daher für eine Phantomdebatte, Versicherte bis zum 70. Lebensjahr arbeiten zu lassen.

Geschätzte Mehrkosten im Jahr 2040: Gut 74 Milliarden Euro

Ähnlich argumentiert bisher auch die Union. „Für eine Anhebung der Regelaltersgrenze gibt es aktuell keinen Handlungsbedarf“ betont der CSU-Sozialexperte Stephan Stracke gegenüber unserer Redaktion. Er erwarte von Heil jedoch, dass dieser die Empfehlungen der von ihm selbst eingesetzten Rentenkommission ernst nehme und nun zügig ein Expertengremium einsetze, das bis zum Jahr 2026 eine Empfehlung über das künftige Rentenalter abgebe.

Lesen Sie dazu auch

Vor welchen finanziellen Herausforderungen künftige Regierungen stehen, verdeutlicht der Allgäuer Abgeordnete dabei mit einer Zahl: Allein der von der Bundesbank für das Jahr 2040 vorhergesagte Beitragssatz von 23 Prozent bedeute für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusätzliche Kosten von gut 74 Milliarden Euro. Weitere 34 Milliarden Euro würde demnach die geplante Festschreibung des Rentenniveaus auf 48 Prozent verschlingen.

Das bedeutet entgegen einem weitverbreiteten Irrtum allerdings nicht, dass jeder Versicherte auch 48 Prozent seines letzten Bruttogehaltes als Rente bekommt. Das Rentenniveau zeigt lediglich das Verhältnis zwischen der Rente und dem Einkommen eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren an, ist damit aber ein wichtiger Indikator für die weitere Entwicklung der Renten.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

22.06.2022

Das Durchschnittsalter ist, nur um mal ein Datum auszuwählen von 1970 bis heute um 8-10 Jahre gestiegen. Viele Arbeiten, die vor 50 Jahren noch per Hand/Muskelkraft erledigt werden mussten, werden heute durch Maschinen unterstützt. Natürlich gibt es höchst fordernde Berufe, aber es gibt auch Sonderregungen. Noch Fragen K.?

Permalink
22.06.2022

------ Korrektur: Sonderregelungen

Permalink
22.06.2022

1. Wir sollen also in Deutschland bis in den Sarg arbeiten, damit andere Länder weiter viel früher in Rente gehen können, weil Deutschland andere EU Staaten schön mitfinanziert? Ach und nebenbei unser Erspartes sowieso bald nix mehr wert ist.
2. Was blüht denn mir als Pflegekraft oder auch anderen Dienstleistungen oder Handwerkern wenn sie das nicht schaffen? Ja eine gekürzte Rente und totale Armut. Wenn ich bis 67 durchhalte, war ich 50!!!! Jahre ohne Pause in dem Beruf!
Junge Leute wacht auf!!! Geht nicht in die Pflege oder Handwerk! Das alles wird gesucht, aber wenn ihr euch für die Gesellschaft schön kaputt gemacht habt, wird euch der Staat nicht helfen!
Lernt was "angenehmeres", am Schreibtisch könnt ihr bis 70 sitzen und soll die Gesellschaft schauen wie das Überleben aussieht ohne uns dummen....

Permalink
22.06.2022

Wenn Sie mit Ihrem Beruf nicht klarkommen, sollten Sie sich etwas suchen, das besser zu Ihnen passt, und nicht andere aufhetzen.

Permalink
22.06.2022

@Wolfgang L.: „Bitte nicht nicht lügen: Macron will die Rente mit 65 einführen!“

Also wenn Wahrheit, dann aber bitte ungeschminkt:
Macron wollte zwar die 42 verschiedenen Rentensysteme in Frankreich in ein universelles Punktesystem überführen und das Renteneintrittsalter auf 64 oder vielleicht auch 65 erhöhen, aber bislang umgesetzt davon ist wenig bis nichts, zum Teil auch coronabedingt. – https://www.ihre-vorsorge.de/nachrichten/lesen/corona-krise-macron-verschiebt-rentenreform-erneut.html
Lok-report.de schreibt zum französischen Streik im Dezember 2019: „Das Pensionssystem der RATP wird einerseits großzügig vom Staat unterstützt, andererseits kann der Übertritt in den Ruhestand zu voller Pension bereits mit 50 Jahren (Fahr- und Stationspersonal) oder 55 Jahren (Werkstattpersonal) nach 25 Dienstjahren erfolgen. Die Rentenhöhe orientiert sich zudem am Gehalt der letzten sechs Arbeitsmonate und nicht der letzten 25 Arbeitsjahre wie im Privatsektor.“ (https://www.lok-report.de/news/europa/item/14825-frankreich-die-eisenbahner-an-vorderster-front-im-rentenstreik-ab-5-dezember.html)
ZON schreibt einen Monat später zur beabsichtigten französischen Rentenreform: „Gewerkschaftsvertreter bezeichnen Philippes Einlenken als Täuschungsmanöver und fordern nicht weniger als die komplette Rücknahme sämtlicher Reformpläne. Das Versprechen der Regierung, lange Übergangsfristen zu gewähren und die Privilegien erst ab dem Geburtsjahr 1985 zu streichen, konnten daran bisher nichts ändern.“ (https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-01/edouard-philippe-frankreich-rentenreform)
Eine Rentenreform, die aufgrund beabsichtigter oder auch vielleicht an der einen oder anderen Stelle bereits festgeschriebener großzügiger Übergangsregelungen erst in Jahrzehnten wirkt, kann vielleicht französische Gemüter beruhigen, hilft aber nicht, um z. B. die rasant ansteigende Staatsverschuldung einzudämmen. Mit solchen Scheinlösungen gehen auch der Euro und die EU vor die Hunde.

Permalink
22.06.2022

Solche Sonderregelungen für bestimmte Berufsgruppen gibt es bei uns auch, wenn auch vielleicht nicht in diesem Umfang. Das führt aber vom Thema weg: Die Behauptung, man spreche dort nun über die 60, ist definitiv falsch. Man spricht über die 65, was Sie ja auch bestätigt haben.

Permalink
22.06.2022

Die Rente gehört flexibler gestaltet, mancher selbstständige arbeitet bis 80 gar 90 wenn die Gesundheit es zulässt und es gibt Berufe da schafft es der Schnitt nicht mal bis 60.
Wie wäre es wenn die Grenze die Grundsicherung ist die parallel mit der Rentenerhöhung einhergeht die Voraussetzung ist selbst entscheiden zu können wann Schluss ist?
Es bräuchte keinen Ausgleich und zudem haben viele selbst vorgesorgt, entweder durch Rücklagen, Immobilien oder durch Glück mit Erbschaft.
Warum ist es diesen nicht freigestellt zu entscheiden sobald es gewährleistet ist mit einer erreichten Rente keinerlei Unterstützung mehr zu benötigen, genauso wie andere die länger arbeiten wollen und damit ihre Rente erhöhen.
Die ersten denen man diese Verlängerung gestatten hat, weil eklatanter Mangel herrscht, waren die Ärzte die früher ab 65 keine Kassenpatienten mehr behandeln durften,
Jetzt gibt es sie mit über 70 als Landärzte.
Bevor man, wie es auch schon in der Industrie und auch Konzernen diskutiert wird, über bedingungsloses Grundeinkommen fabuliert wäre der Vorschlag doch ein brauchbare Übergangslösung.

Permalink
22.06.2022

Rente mit 69 weil der Wirtschaftskrieg gegen Russland nicht funktioniert und man nicht wirklich ALLE Menschen in Deutschland zur Arbeit bringt.

Permalink
21.06.2022

Vielleicht sollten wir uns langsam mal davon verabschieden, Arbeit als Strafe anzusehen. Es ist doch ein Armutszeugnis, sein Leben lang einer Arbeit nachzugehen und jeden Tag die Rente herbeizusehnen. Körperlich schwere Arbeit sollte aber anders behandelt werden als körperlich leichte Arbeit.

Permalink
21.06.2022

Man kann ja früher gehen, mit Abschlägen halt. Das ist es, was bezweckt wird. Ein Leben lang arbeiten und dann so wenig bekommen, dass es zum Leben nicht mehr reicht. Aber in D kann man in Würde alt werden...

Permalink
21.06.2022

Wäre es eine Privatveranstaltung hätte man das Rentensystem längst verboten. Die Parallelen zu einem Schneeballsystem sind offensichtlich, auch wenn man es als Generationenvertrag verharmlost und über Jahrzehnte hinweg anbietet.

Permalink
21.06.2022

kann sich jemand vorstellen in der Pflege mit 69 zu arbeiten? .... mit 60 bist du schon ein Wrack

Permalink
21.06.2022

Spannend. Die Franzosen diskutieren gerade über die Rente mit 60. :D

Permalink
21.06.2022

Bitte nicht nicht lügen: Macron will die Rente mit 65 einführen!

Permalink
22.06.2022

Lieber Wolfgang!

Bevor Sie andere der Lüge bezichtigen, versuchen Sie zumindest Beiträge, auf die Sie unqualifiziert antworten, richtig zu lesen und zu verstehen.

Mein Kommentar war für jeden der des Lesens mächtig ist klar zu verstehen.

"Die Franzosen diskutieren gerade über die Rente mit 60."

Dies ist sich zutreffend. Siehe nachfolgende Quelle.

www.spiegel.de/ausland/emmanuel-macron-will-rentenalter-in-frankreich-von-62-auf-65-jahre-anheben-a-7407f649-81c8-4b83-8a56-82b9cee95064-amp

Ich unterstelle Ihnen, daß Sie lesen können. Insofern ist Ihr Post erwartungsgemäß eine bewusste Diffamierung. Aber das überrascht schon nicht mehr. Der Kompass...

Permalink
22.06.2022

Was genau verstehen Sie an der Formulierung "von 62 auf 65 Jahre" nicht? Wie kommt man da auf "Die Franzosen diskutieren gerade über die Rente mit 60." :)

Permalink
22.06.2022

@ Wolfgang

"Der Renteneintritt solle auch vom Eintrittsalter ins Berufsleben abhängig sein. Wer schon früh berufstätig ist, solle mit 60 in Rente können, andere gestaffelt erst später.
Hidalgo bezeichnet Macrons Pläne als Skandal

"Die Kandidatin der Sozialisten, Anne Hidalgo, will am Eintrittsalter von 62 festhalten und die Mindestrente auf 1200 Euro erhöhen. Macrons Pläne bezeichnete sie als »absoluten Skandal«. Auch Grünen-Bewerber Yannick Jadot sprach von einer sozialen Ungerechtigkeit mit Blick auf die harte Arbeit vieler Beschäftigten. Dem Links-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon schwebt vor, das Rentenalter von 62 auf 60 Jahre zu senken."

Quelle: www.spiegel.de/ausland/emmanuel-macron-will-rentenalter-in-frankreich-von-62-auf-65-jahre-anheben-a-7407f649-81c8-4b83-8a56-82b9cee95064-amp


"Jean-Luc Mélenchon has united the anti-Macron left around a project that advocates a return to retirement at 60, whatever the cost (estimated at 100 billion euros by the Institut Montaigne). Faced with the risk of seeing the legislative election campaign turn into a dangerous referendum for or against retirement at 65, Emmanuel Macron has preferred to practise damage control."

Quelle Lemonde, Artikel vom 02.06.2022 - https://www.lemonde.fr/en/opinion/article/2022/06/02/pension-reform-macron-on-the-defensive-before-the-legislative-elections_5985446_23.html

Geben Sie bescheid, wenn Sie jemand zum Vorlesen benötigen.

Permalink
21.06.2022

Führt doch gleich die Rente mit 75 ein!

Das deutsche Rentensystem ist sowieso eine Katastrophe, da werden auch Leute mitgezogen, die teils nie in der BRD einbezahlt haben. Es wird irgendwann einmal komplett auseinanderbrechen.

Aber das mit der Rente machen alle anderen Länder, in denen früher in Rente gegangen wird bei einem wesentlich höheren Rentenniveau als in der BRD, falsch, nicht wahr.

Am deutschen Wesen soll die Welt verwes... ähhh genesen, gell?

Zum Abschluss noch ein Zitat: "Die Renten sind sicher!"

Permalink