Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Trotz Gegenkandidatin: Kubicki neuer FDP-Chef

FDP-Parteitag

Ein Neuanfang mit Nebengeräuschen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Marie-Agnes Strack-Zimmermann gratuliert Wolfgang Kubicki.
    Marie-Agnes Strack-Zimmermann gratuliert Wolfgang Kubicki. Foto: Michael Kappeler, dpa

    Um 14.35 Uhr hält die FDP für einen Moment den Atem an. Eigentlich geht es an diesem Samstag nur noch um die Frage, mit welchem Ergebnis Wolfgang Kubicki gleich zum Vorsitzenden gewählt wird, als der Delegierte Joachim Stamp aufs Podium tritt und dem Parteitag eine weitere Kandidatur ankündigt – die von Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Ein Raunen geht durch den Saal, dann aufmunternder Applaus, aber auch Buh-Rufe für eine Frau, die wie kaum eine polarisiert, innerhalb der FDP und außerhalb.

    Wolfgang Kubicki braucht einen Augenblick, um den überraschenden Angriff seiner alten Rivalin zu verdauen. „Unser politischer Gegner steht außen und nicht innen“, warnt er dann. Am Ende setzt sich der 74-Jährige mit etwas mehr als 59 Prozent gegen die 68-Jährige durch, die sich in ihrer Bewerbungsrede vor allem über den „faulen Burgfrieden“ erregt, den Kubicki mit dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Henning Höne geschlossen hat, der zunächst ebenfalls kandidieren wollte, dann aber doch verzichtet. Darüber, sagt sie, habe sie sich tierisch geärgert. „Und ich tue es immer noch.“

    Im Präsidium schweigt die Kandidatin noch

    Die Frage, warum sie ihre Kandidatur nicht früher angekündigt hat, beantwortet Marie-Agnes Strack-Zimmermann nicht wirklich, sie flüchtet sich in Allgemeinplätze wie den von der Partei des Wettbewerbes, die die FDP doch sein wolle. Zu Beginn versucht sie es noch auf die heitere Art. Wie Kubicki sei auch sie alt und grau, sagt sie. „Ich bin nur besser rasiert.“ Ganz so spontan, wie es scheinen soll, ist ihre Kandidatur allerdings nicht. Vor ihr liegt das Manuskript einer 40 Minuten langen Rede, das sie vermutlich nicht erst während der Fahrt zum Parteitag geschrieben hat. In der letzten Sitzung des alten FDP-Präsidiums am Freitag aber schweigt sie. Viele Delegierte werden ihr genau das am Ende ankreiden – dass sie nicht mit offenem Visier kämpft. „Wir sind für Wettbewerb, auch für personellen“, sagt der frühere Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, der Allgäuer Stephan Thomae. „Aber es muss fair zugehen dabei.“

    Fürs Erste hat die Partei jedenfalls erreicht, was sie wollte, wenn auch unfreiwillig. Aufmerksamkeit ist eine Währung in der Politik – und die bekommt die FDP an diesem Wochenende satt. 170 Journalisten haben sich für den Parteitag angemeldet. „Das ist Rekord“, sagt Christian Dürr, der bisherige Vorsitzende, dem es nicht gelungen ist, der Partei nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag neue Zuversicht zu vermitteln. Eigentlich wollte er noch einmal antreten, nach den schweren Niederlagen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aber ist die Sehnsucht nach einem Wechsel an der Spitze groß. „Ich erwarte echte Erneuerung“, sagt Finn Flebbe, der Vorsitzende der Jungen Liberalen, an die Adresse von Kubicki, mahnt aber auch: „Nur Lautstärke alleine wird nicht reichen.“

    Auch sonst gefällt längst nicht jedem im Saal Kubickis Kurs. „Maximal irritiert“ seien viele in der Partei von den Lockerungsübungen in Richtung der AfD, warnt etwa der frühere Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle unter großem Beifall. Strack-Zimmermann argumentiert ähnlich. Noch deutlicher wird der Sozialpolitiker Michael Kauch: „Ich möchte nicht in einer Partei sein, die für die kurze Aufmerksamkeit jeden Anstand verliert.“ Kubicki selbst redet zwar keinen Koalitionen mit den Rechtspopulisten das Wort, im Gegenteil, im Vorfeld des Parteitages aber hat er auch gesagt: „Wir werden unsere Anträge in Parlamenten nicht davon abhängig machen, wer zustimmt.“ Und überhaupt: In der Verfassung stehe nichts von einer Brandmauer. Eine Zusammenarbeit mit der AfD aber, beteuert er in Berlin noch einmal, werde es „niemals“ geben. Zu seiner Kontrahentin sagt er auf einem kleinen Umweg über die Bild-Zeitung: „Ich will die Partei nach vorne bringen, wenn Du sie in die Bedeutungslosigkeit führen willst – mach genau so weiter.“

    Im neuen FDP-Präsidium sitzen zwei Bayern

    Für die Partei selbst ist dieses Wochenende in Berlin eine Zäsur. Viele langjährige Mitglieder aus Präsidium und Bundesvorstand treten nicht mehr zur Wahl an, um den Neuanfang auch mit neuen Gesichtern zu ermöglichen. Mit Generalsekretär Martin Hagen und Susanne Seehofer, der Tochter des früheren CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, ist die Bayern-FDP dabei zum ersten Mal seit Menschengedenken wieder mit zwei Mitgliedern im Parteipräsidium vertreten. Maria-Agnes Strack-Zimmermann hat dort als Vertreterin der Europaabgeordneten schon kraft Amtes ihren Platz und ist offenbar fest entschlossen, Kuibicki die Stirn zu bieten. Zwischen den beiden Lagern in der Partei, sagt sie, stehe es 60:40. Es klingt wie eine Drohung.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren