Immerhin, es geht nicht gegen Deutschland, einmal nicht. Der Kanzler sitzt im Oval Office neben Donald Trump, Kameras richten sich auf die beiden, die Journalisten rufen Fragen in den Raum. Iran ist das Thema, es ist die erste Gelegenheit für amerikanische Journalisten, ihren Präsidenten ausführlich zu dem Angriff zu befragen. Trump spricht von den üblen Machthabern im Iran, die zuletzt 35.000 Demonstrierende umgebracht hätten, von der Gefahr, die seit Jahrzehnten von den Mullahs ausgehe. „Das sind kranke, verrückte Menschen. Die sind zornig, die sind verrückt, die sind krank im Kopf.“
Friedrich Merz nickt, „es gibt zu viele böse Jungs auf der Welt“, hat auch der deutsche Kanzler in seinem Eingangsstatement formuliert. Trump lobt Merz als guten Freund, als „exzellente Führungspersönlichkeit“, als Gegenteil von Merkel, wie er sagt. Die laut in den Raum gerufenen Fragen ziehen vorbei, erst beim Ölpreis erhält der Kanzler das Wort, die Frage, wie die Angriffe auf den Iran die Wirtschaft belasten. Dann wird auch er zum Iran gefragt. „Wir unterstützen Israel und Amerika darin, das schlimme Regime loszuwerden“, sagt Merz. „Und wir schauen auf den Tag danach: Was ist unsere Strategie, wenn das Regime weg ist?“
Trumps Angriff auf den Iran kritisiert Merz nicht
Der Besuch bei Trump war seit Ende vergangenen Jahres geplant. Wie es der Zufall will, ist Merz der erste ausländische Regierungschef, der nach Trumps Attacken auf den Iran im Weißen Haus zu Gast ist. Merz macht klar, dass Deutschland und Europa von den Folgen der Angriffe direkt betroffen sein könnten – und daher mitreden wollen, wenn es um die Zukunft der Region geht.
Denn es ist wie so oft in den Beziehungen zu den USA Trumps: Der Präsident macht, was er will, und die Europäer versuchen, ihn danach wieder einzufangen. In Washington kritisiert Merz Trumps Angriffe auf Iran gar nicht, im Gegenteil. Einen Großteil der Ziele teilen die Deutschen, vor allem das endgültige Aus für das iranische Atomprogramm. Und Trump nun mit dem Völkerrecht zu kommen? Nun ja. Der bedankt sich für so viel Rücksicht: „Deutschland ist großartig.“
Zwischen Putin und Selenskyj, sagt Trump, sei unglaublicher Hass
Optisch folgt im Oval Office am Dienstagmittag alles der bekannten Choreographie. Merz sitzt neben Trump auf einem mit gelbem Stoff bezogenen Sessel vor dem Kamin, auf dem zahlreiche goldene Pokale stehen. An der Wand ehemalige Präsidenten in Öl, milde lächelt Ronald Reagan herab. Rechts von Merz sind die deutschen Berater, links von Trump die Amerikaner, darunter Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Trump wird gefragt, welche Priorität die Ukraine für ihn noch hat. „Sehr hoch“, sagt er. Er habe gedacht, dass es einfacher wäre, hier für Frieden zu sorgen, sagt der Präsident. Aber da sei der „unglaubliche Hass“ zwischen Putin und Selenskyj, „top-level“, sagt Trump. Auch für Merz steht das Thema ganz oben. Der Kanzler möchte verhindern, dass das überfallene Land nach vier Jahren Krieg nun einen ungünstigen Frieden mit Russland eingehen muss. Mithilfe Trumps könnte Putin erreichen, was er militärisch in vier Jahren nicht durchsetzen konnte – die Preisgabe des Festungsgürtels im Donbass, der den russischen Vormarsch bislang stoppt, das ist die konkrete Befürchtung nicht nur der Deutschen.
Trump schimpft auf Spanien
Nächster Zuruf, nächste Frage, die Zukunft des Zollabkommens, auf das sich die EU mit den USA im vergangenen Sommer verständigt hatten. Der Kanzler will, dass es so, wie vereinbart, in Kraft tritt, auch wenn die 15-Prozent-Obergrenze kein guter Deal für Europa ist. Immerhin aber bringt die Vereinbarung ein wenig Verlässlichkeit – und die ist im Umgang mit den USA Trumps das höchste Gut. „Ich denke, wir sollten sie sehr, sehr hart treffen“, sagt Trump über Zölle auf deutsche Waren, dann gibt’s einen sanften Schenkelklopfer für Merz, war nicht so gemeint, soll das wohl heißen.
In einem Punkt konnte Trump Friedrich Merz außerdem beruhigen: Trump sagte Merz zu, dass die USA an ihrer militärischen Präsenz in Deutschland festhalten. Das berichtete der CDU-Vorsitzende nach dem Treffen im Weißen Haus. „Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe“, fügte der Kanzler hinzu. Angesichts der kritischen Grundhaltung von Trump gegenüber Europa war zuvor spekuliert worden, dass der Präsident US-Soldaten auch aus Deutschland abziehen könnte.
Wie riskant das sehr spezielle Format einer Pressekonferenz an der Seite Trumps selbst für Gäste ist, denen Trump wohlgesonnen ist, erfährt Merz, als der Präsident auf Großbritannien zu schimpfen beginnt – und vor allem auf Spanien. „Spain is terrible!“, ruft Trump, „Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen.“ Dabei könne niemand den USA vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen hätten. Trump zetert und zetert, auch beim Nato-Ausgabenziel seien die Spanier weit hinten dran.
Irgendwann beginnt man sich zu wünschen, dass Merz ein gutes Wort für die europäischen Freunde einlegen würde, doch der Kanzler schweigt. Ein Journalist fragt Merz direkt, ob er auf Trumps Kritik an den Spaniern nicht etwas erwidern wolle. Doch Merz nutzt die Chance nicht, sich hinter den EU-Verbündeten zu stellen. Stattdessen mahnt der deutsche Kanzler, dass die Spanier mehr fürs Militär ausgeben sollten.
Trump nickt zufrieden.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren