Wenn man selbst sechs Jahre älter ist als die Jubilarin, dann hat man tatsächlich ihr ganzes Leben miterlebt. Für meinen Vater war es die Zeitung, die er während des Mittagessens las, bevor er wieder in die Arbeit fuhr. Dem „Vermischten“ auf der letzten Seite galt sein Hauptaugenmerk, bevor er das Politische überflog.
Mich selbst reizte schon als Kind der Sportteil und vor allem das Schicksal von 1860 München. Die Zeitung informierte mich über alle Tiefen und Höhenflüge des Vereins, dem noch immer mein Fußballherz gehört. Heute interessieren mich die Ergebnisse des FC Augsburg natürlich gleichermaßen.
Die erste Erwähnung meines eigenen Namens erfolgte übrigens im Jahr 1950, als ich bei einem schwäbischen Leichtathletikwettkampf in Krumbach den 22. Platz belegte. Meine Helden waren damals der legendäre Fritz Walter im Fußball, Sepp Weiler im Skisport und Max Schmeling beim Boxen, die allesamt im Sportteil ihre gebührende Würdigung fanden. Dann verfolgte ich auch die Erfolge der Skirennläuferin Irene Epple, der ich erst später persönlich begegnet bin. 1994 haben wir geheiratet und sie gab meinem Leben noch einmal eine neue Dimension.
Im Studium hatte ich Heimweh nach meiner Heimatzeitung
Mein politisches Leben begann mit der Wahl zum Kreisvorsitzenden der Jungen Union von Krumbach im März 1961. Mehr als 40 Jahre begleitete mich meine Heimatzeitung durch die Politik. Die Bundespräsidenten von Weizsäcker, Herzog und Köhler, Bundeskanzler Kohl und der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß fanden den Weg nach Krumbach, Günzburg und Neu-Ulm und entfachten ihre Wirkung auch durch die Berichte in unseren Heimatzeitungen. Bis heute sind die Mittelschwäbischen Nachrichten und die Allgäuer Zeitung meine wichtigsten Informationsquellen über die große Politik und das heimatliche Geschehen.
Als ich 1959 zum Studium nach München kam, hatte ich Heimweh nach Oberrohr – und nach meiner Heimatzeitung. Es gelang mir schließlich, für das Pater-Rupert-Mayer-Heim am Kaiserplatz in Schwabing ein Freiexemplar zu beschaffen. Die starke Krumbacher Mannschaft in diesem Haus versammelte sich spätestens am Abend, um zu erfahren, was es Neues zu Hause gab.
Als ich später im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr tätig war, organisierte ich die Bestellung der Mittelschwäbischen Nachrichten, die neben der Donauwörther Zeitung und den Rieser Nachrichten das Schwäbische auch in München publik machten. Später, als Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Neu-Ulm, galt mein tägliches Studium auch der Neu-Ulmer Zeitung, der Illertisser Zeitung, der Günzburger Zeitung und natürlich weiterhin den Mittelschwäbischen Nachrichten.
Ich habe sämtliche Ausgaben der Augsburger Allgemeinen abonniert
Also habe ich sämtliche Ausgaben abonniert – sowohl in Bonn, als auch in meinem Heimatort Oberrohr. Als ich nach meinem Ausscheiden aus der Politik den Bezug auf „nur“ noch zwei Regionalzeitungen reduzierte, erreichte mich vom Verlag die freundliche Bitte, ob ich mir das nicht noch mal überlegen wolle.
In all den Jahren habe ich viele Journalisten kennen und schätzen gelernt. Unvergesslich bleiben meine Begegnungen mit Ellinor und Günter Holland – zwei Persönlichkeiten, denen Schwaben viel zu verdanken hat. Das hat sich fortgesetzt mit den Töchtern Alexandra und Ellinor. Mit den Chefredakteuren Gernot Römer, Rainer Bonhorst, Walter Roller und Gregor Peter Schmitz gab es ein faires, den unterschiedlichen Rollen und Charakteren angemessenes Verhältnis. Otto Hess war der einzige Journalist, mit dem ich per Du war. Er begleitete mich 1993 ans Grab meines Bruders in Niederbronn im Elsass. Den Bericht darüber lese ich heute noch mit Rührung und Dankbarkeit. Andrea Kümpfbeck und Peter Müller geben der Zeitung heute mit ihrem Team Gesicht und Struktur. Dass Peter Müller aus meiner näheren Heimat stammt und wie ich am Gymnasium in Krumbach Abitur machte, erleichtert die Kommunikation.
Und dann ist da noch der Presseball der Augsburger Allgemeinen, der für mich seit den 70er Jahren zu den Ereignissen gehört, die ich nicht versäumen möchte. Ich erinnere mich noch, als Vicky Leandros dort „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ sang und mir einen Blick zuwarf. Und so freue ich mich, auch künftig jeden Morgen gegen 6.30 Uhr meine Heimatzeitung vorzufinden und später beim Frühstück von vorn bis hinten zu lesen. Das gehört zu meinem Tagesablauf, ich möchte es nicht missen.
Ich hoffe, dass mir noch einige Jahre vergönnt sind. Der Augsburger Allgemeinen aber wünsche ich noch viele Jahrzehnte, um die Identität Schwabens nach Bayern, Deutschland und in die Welt hinauszutragen.
Lesen Sie hier und auf dieser Sonderseite weitere Beiträge zum 80-jährigen Bestehen der Augsburger Allgemeinen.
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