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Inklusion: Deutschland will weltweit Inklusion fördern, hat aber selbst Nachholbedarf

Inklusion

Deutschland will weltweit Inklusion fördern, hat aber selbst Nachholbedarf

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    Barrierefrei ist Deutschland noch lange nicht. Auch in Schulen und der Arbeitswelt gibt es Nachholbedarf.
    Barrierefrei ist Deutschland noch lange nicht. Auch in Schulen und der Arbeitswelt gibt es Nachholbedarf. Foto:  Andreas Arnold, dpa (Symbolbild)

    Die Nachrichten sind voll mit Krisen und diese Krisen sind vielfältig: Krieg und Gewalt, Krankheiten und Armut, Klimawandel und Naturkatastrophen. Doch es gibt eine Gruppe, die von all diesen Übeln stärker betroffen ist als andere. Gemeint sind Menschen mit Behinderung.

    Beispiel: Gewalt gegen Frauen. Studien zufolge sind Frauen mit Behinderung zwei- bis dreimal häufiger betroffen. Oder: Naturkatastrophen. Wegen alltäglicher Barrieren wie Treppen gelangen Menschen, die beim Gehen beeinträchtigt sind, gar nicht oder nur langsam in Schutzräume. Letztes Beispiel: Armut. Menschen mit Behinderung sind überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet. Auch, weil ihnen der Zugang zu Bildung verweigert oder zumindest erschwert wird. Die Liste ließe sich fortsetzen.

    Kommende Woche findet in Berlin der Weltgipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen statt

    Weltweit leben etwa 1,3 Milliarden Menschen mit Behinderung. Ein Großteil davon, etwa 80 Prozent, in armen Ländern mit schlechter Infrastruktur und mangelnder Gesundheitsversorgung. In Deutschland sind es etwa 13 Millionen. Immerhin bekennen sich die allermeisten Staaten dazu, Inklusion zu fördern. Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde so schnell von so vielen Staaten ratifiziert wie kein anderes Übereinkommen der Vereinten Nationen. Trotzdem ist die Situation für viele Menschen prekär, das gilt insbesondere für die 80 Prozent, die in Entwicklungsländern leben.

    Kommende Woche richtet Deutschland in Berlin den Weltgipfel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen aus. Eröffnet wird er am 2. April von Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz und dem König von Jordanien, das den Gipfel als Partnerland veranstaltet. Mehr als 4000 Menschen aus über 100 Ländern werden erwartet. Mit dem Gipfel wolle man die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention weltweit voranbringen. In vielen Ländern sei das noch nicht umfassend umgesetzt, heißt es aus dem federführend zuständigen Entwicklungsministerium.

    Der Gipfel sei ein, „wichtiges Zeichen, dass wir ein Menschenrechtsthema stark machen“, sagt Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, im Vorfeld des Treffens. „Es muss klar sein: Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist ein Menschenrecht, kein Akt der Fürsorge oder Gnade.“ Und Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Entwicklungsministerium, kündigte am Donnerstag an: Wenn 15 Prozent der Menschen auf der Welt mit einer Behinderung leben, dann sollten künftig 15 Prozent der deutschen Entwicklungshilfen auch Menschen mit Behinderung zugutekommen.

    Inklusion: „Deutschland ist hier weit hinter anderen Ländern zurück“

    „Deutschland hat als eines der wirtschaftlich stärksten Länder eine besondere Verantwortung, weltweit für mehr Inklusion zu sorgen“, sagt Simone Fischer, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Zuvor war Fischer Beauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg für die Belange von Menschen mit Behinderungen. „Deutsche Investitionen und Fördergelder könnten an Barrierefreiheits-Standards geknüpft werden.“ Gleichzeitig kann Deutschland mit seinem Know-How helfen, „Standards für barrierefreies Bauen, Mobilitätskonzepte und digitale Zugänglichkeit weltweit zu verbreiten.“

    Aber auch hierzulande sei noch viel zu tun. „Noch immer lernen viele Kinder mit Behinderungen getrennt von anderen“, sagt Fischer. „Deutschland ist hier weit hinter anderen Ländern zurück.“ Ähnlich ist das in der Arbeitswelt, wo Menschen mit Behinderung häufig in entsprechenden Werkstätten arbeiten, statt in Betrieben. Aktuell liegen mit der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes und des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zwei Gesetze auf Eis. „Beide bringen Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen“, sagt Fischer. „Eine neue Regierung muss dafür sorgen, dass die Gesetze schnellstmöglich verabschiedet werden.“

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