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Iranische Revolutionsgarde: Die geheime Macht im Staat

Iran

Die geheime Macht im Staat: Wie die Revolutionsgarde in Teheran die Fäden zieht

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    Die eigentliche Macht im Iran: Kadetten der iranischen Revolutionsgarden marschieren während einer jährlichen Militärparade vor dem Schrein des verstorbenen Revolutionsgründers Ajatollah Khomeini.
    Die eigentliche Macht im Iran: Kadetten der iranischen Revolutionsgarden marschieren während einer jährlichen Militärparade vor dem Schrein des verstorbenen Revolutionsgründers Ajatollah Khomeini. Foto: Vahid Salemi, dpa

    Mit Seedrohnen soll die iranische Revolutionsgarde in dieser Woche den US-Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ angegriffen haben. Nach dem Angriff habe die „Lincoln“ abgedreht und sich aus der Nähe der iranischen Küste entfernt, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Das US-Militär bestätigte das nicht, doch iranische Staatsmedien feierten den angeblichen Erfolg der Revolutionsgarde, die damit ihre Ausnahmeposition in der iranischen Theokratie unterstrich: Die Garde ist die Elitetruppe der Islamischen Republik. Auch wirtschaftlich und politisch ist sie stärker als jede andere Gruppe im Staat.

    Als Ajatollah Ruhollah Khomeini nach der islamischen Revolution von 1979 die Macht im Iran übernahm, traute er den Militärs seines Landes nicht über den Weg. Weil die Armee ein Instrument des gestürzten Schah-Regimes war, glaubte Khomeini nicht an die Loyalität der Generäle zum neuen Staat. Deshalb baute die Islamische Republik eine eigene Prätorianer-Truppe auf, die direkt dem Revolutionsführer unterstellt wurde: das „Gardekorps der Islamischen Revolution“, kurz Revolutionsgarde genannt. Heute verfügt die Garde über die besten Waffen, hat sich große Teile der Wirtschaft einverleibt und lenkt nach Einschätzung von Experten auch die Entscheidungen der politischen Führung.

    Revolutionsgarde ist mit über 150.000 Soldaten die schlagkräftigste Einheit des Iran

    Mit mehr als 150.000 Soldaten, tausenden Raketen und einer eigenen Kriegsmarine ist die Revolutionsgarde die schlagkräftigste Militäreinheit des Iran. Zur Garde gehört zudem die Freiwilligen-Miliz Basidsch, die zusammen mit der Elitetruppe zur Niederschlagung von Aufständen eingesetzt wird, zuletzt im Januar, als Gardisten und Milizionäre tausende Demonstranten erschossen. Die EU setzte die Garde deshalb auf die Terrorliste.

    In der Außenpolitik organisiert die Revolutionsgarde die iranische Unterstützung für Gruppen wie die Hisbollah im Libanon, Milizen im Irak oder die Huthis im Jemen. Die Garde baute für den Iran die sogenannte „Achse des Widerstands“ auf, ein Netzwerk verbündeter Staaten, Milizen und Politiker im Nahen Osten, das den iranischen Einfluss stärken sollte. Garde-General Qassem Soleimani war dabei so erfolgreich, dass er im eigenen Land zur Legende und im Ausland zum gefürchteten Gegner wurde. Soleimani starb bei einem US-Drohnenangriff vor sechs Jahren.

    Spitzenpolitiker des Iran gingen aus der Revolutionsgarde hervor

    Auch in der iranischen Innenpolitik spielt die Revolutionsgarde eine überragende Rolle. Viele Spitzenpolitiker wie Parlamentspräsident Mohammad Baker Kalibaf und der Leiter des iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani sind frühere Offiziere der Garde. In der langen Herrschaft des jetzt getöteten Revolutionsführers Ali Chameneis entstanden zudem enge Verbindungen der Garde zum Mann an der Spitze.

    Dank ihrer zentralen Stellung im Machtapparat stellt die Garde selbst den vom Volk gewählten Präsidenten in den Schatten. Experten wie Alex Vatanka vom Nahost-Institut in Washington sind überzeugt, dass die Revolutionsgarde gegen Ende von Chameneis Regierungszeit sogar mächtiger war als der Mann an der Staatsspitze selbst. Mohsen Sazegara, der zu den Gründern der Revolutionsgarde gehörte und heute Regimegegner ist, beschrieb die Truppe im Sender France 24 als „Monster“.

    Energie, Telekommunikation, Bau: Aufbau eines Wirtschaftsimperiums

    Chameneis Patronage verschaffte der Garde die Möglichkeit, sich in der iranischen Wirtschaft breitzumachen. Aus ihrer Aufgabe, nach dem Irak-Krieg der 1980er Jahre die zerstörte Infrastruktur aufzubauen, hat die Garde ein Wirtschaftsimperium entwickelt, das viele Garde-Offiziere reich gemacht hat. Die Garde betätigt sich im Bau, in der Energiewirtschaft, in der Telekommunikation und verdient am Schwarzmarkt. Schätzungen zufolge kontrolliert sie rund ein Drittel der iranischen Wirtschaft.

    Die Staatspropaganda feiert die Revolutionsgarde als unfehlbares Schwert des Staates, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Im Januar 2020 schoss die Garde in Teheran ein gerade gestartetes Verkehrsflugzeug ab, weil die Maschine für eine anfliegende amerikanische Rakete gehalten wurde – 176 Menschen starben. Weder im kurzen Juni-Krieg 2025 noch seit Beginn der neuen israelisch-amerikanischen Angriffe war die Garde in der Lage, ihre Kommandeure zu schützen: Garde-Chef Mohammad Pakpur starb am ersten Tag des neuen Krieges am Samstag.

    Nach Chameneis Tod dürfte der politische Einfluss der Revolutionsgarde noch wachsen, denn alle potenziellen Nachfolger brauchen die Unterstützung der Truppe. Einer der Gründe dafür, dass Chameneis Sohn Modschtaba gute Chancen auf das höchste Amt im Staat hat, liegt in seinen engen Beziehungen zur Revolutionsgarde. Sollte das Regime den Krieg gegen Israel und USA überleben, werden die iranischen Prätorianer mächtiger sein denn je.

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