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Kai Wegner wollte Berlin reformieren, doch die Hauptstädter sind zunehmend enttäuscht

Berlin

Deutschlands schlechtester Bürgermeister? Wie Kai Wegner Vertrauen verspielt

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    Im März hatte es noch geheißen, Berlins Bürgermeister Wegner (rechts) habe am ersten Tag des Stromausfalls auch mit Kanzler Merz gesprochen. Inzwischen sagt das Kanzleramt: Das Telefonat gab es nicht. (Archivbild)
    Im März hatte es noch geheißen, Berlins Bürgermeister Wegner (rechts) habe am ersten Tag des Stromausfalls auch mit Kanzler Merz gesprochen. Inzwischen sagt das Kanzleramt: Das Telefonat gab es nicht. (Archivbild) Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

    Er spielte Tennis, während zehntausende Bürger beim winterlichen Stromausfall zitterten, zögerte mit dem Streusalz-Einsatz, als Eisregen für volle Notaufnahmen sorgte, jetzt eskalieren seine Probleme mit dem Personal: Wird ausgerechnet die deutsche Hauptstadt vom schlechtesten Bürgermeister der Nation regiert? Wobei: Regierender Bürgermeister heißt er zwar, genaugenommen ist Kai Wegner sogar Ministerpräsident eines mittelgroßen Bundeslandes mit fast vier Millionen Einwohnern. So oder so – vier Monate vor den Neuwahlen schütteln viele Berliner über den Chef im Roten Rathaus immer ungläubiger den Kopf. Die jüngsten Negativ-Schlagzeilen betreffen – nicht zum ersten Mal – den engsten Führungszirkel.

    Immer Ärger mit dem Personal

    Ausgerechnet der Mitarbeiter, der die berüchtigt-marode Hauptstadt-Verwaltung neu aufstellen und damit Wegners zentrales Wahlversprechen umsetzen sollte, warf nach nur 69 Tagen das Handtuch. Erst im März war Matthias Hundt Nachfolger der erfolgreichen, dann aber als Ministerin nach Brandenburg gewechselten Digitalchefin Martina Klement geworden. Doch wegen angeblicher Tricksereien im Lebenslauf und Ermittlungen zu früheren Firmeninsolvenzen geriet er schnell unter Druck – dem er nicht standhielt. Das fällt zurück auf Wegner (53), der die Personalie Hundt nach eigenen Angaben in 15 Sekunden entschieden hatte.

    Es ist nicht das erste Mal, dass der CDU-Politiker mit seiner Team-Aufstellung ein unglückliches Händchen bewies. Seine Verkehrssenatorin musste nach Schwindel-Vorwürfen um ihren Doktortitel gehen, die Kultursenatorin stolperte gerade über eine Affäre um allzu freihändig vergebene Fördermittel - zuletzt festigte sich nur das Bild einer Regierungsmannschaft in Auflösung.

    Die konservative Hoffnung der Hauptstädter

    Wegner, so scheint es, hat die Hoffnungen jener Berliner enttäuscht, die sich wünschen, dass endlich Schluss ist mit den sprichwörtlichen Hauptstadt-Zuständen. Nicht einmal Wahlen ordnungsgemäß durchführen konnte Berlin: Als 2021 mehrere Abstimmungen gleichzeitig stattfanden, kam es zu Chaos wie in einem Drittweltland. Bei der Wiederholung 2023 triumphierte überraschend der Sohn einer Verkäuferin und eines Dachdeckers aus dem bodenständigen Spandau, der zuvor für eine Versicherung und als Unternehmensberater gearbeitet hatte. Einer, der nicht für die Leute aus den hippen Trendbezirken spricht, sondern die Sorgen und Nöte der Menschen in den Randlagen kennt. So zumindest stellte sich Wegner im Wahlkampf dar. Und konnte die leutselige SPD-Frau Franziska Giffey ablösen.  Wie im Bund sind die Roten in Berlin nur noch Junior-Partnerin der Schwarzen.

    Anfangs schien es gut zu laufen für den konservativen Neuling, die versprochene Verwaltungsreform machte große Fortschritte. Von jahrzehntelangem Behörden-Schlendrian desillusionierte Berliner rieben sich ungläubig die Augen: Es gab wieder Termine im Bürgeramt – die Chaos-Stadt schien auf dem Weg der Normalisierung.   Doch dann kam der 3. Januar 2026. Durch einen Brandanschlag wurden Teile der Stromversorgung lahmgelegt. Tagelang waren rund 45.000 Haushalte bei Minusgraden ohne Elektrizität, vor allem im reichen Zehlendorf, eigentlich Wegner-Hochburg. Der Regierende freilich glänzte zunächst durch Abwesenheit. Die erklärte er damit, dass er sich zur Krisenbewältigung zuhause eingeigelt und ständig telefoniert habe - etwa mit dem Kanzleramt. Peinlicherweise wurde bekannt, dass er mit seiner Partnerin, Parteifreundin und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, mittags Tennis spielte. In der Folge mauerte er über den Ablauf des Katastrophentages. Kürzlich erklärte das Bundeskanzleramt, dass es kein Telefonat zwischen Wegner und Kanzler Friedrich Merz gegeben habe. Steffen Krach, Spitzenkandidat der Berliner SPD, sagte: „Wer solche Dinge frei erfindet und die Wahrheit verschweigt, ist schlicht und einfach ein Lügner.“

    Auf die Tennis-Blamage folgte das Eisregen-Debakel

    Der Winter hängt Wegner aber nicht nur wegen des Tennis-Debakels nach. Ende Januar verwandelte Eisregen die Straßen in Schlittschuhbahnen. Doch der Bürgermeister  zögerte mit dem nötigen, aber eigentlich verbotenen Einsatz von Streusalz. Als er ihn nach Tagen dann anordnete, drehten sich in der Stadt die Gespräche längst um Oberschenkelhalsbrüche und Trümmerfrakturen.

    Die AfD, an der Spree schwächer als etwa im brandenburgischen Umland, wittert Morgenluft. „Für eine Stadt, die funktioniert“, plakatiert sie. Bezeichnend auch, dass die Linkspartei mit ihrer Kandidatin Elif Eralp verspricht, im Falle eines Wahlsiegs das bisweilen zum Himmel stinkende Müllproblem zu lösen. Das Kalkül scheint klar: Wähler im bürgerlichen Milieu anzusprechen, das vom einstigen konservativen Hoffnungsträger Kai Wegner bitter enttäuscht ist.

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