Ein Rückblick auf die USA im Juli 2024 fühlt sich in diesen Tagen fast unwirklich, ja, aus der Zeit gefallen an. Nachdem der für jedermann sichtbar gesundheitlich schwer angeschlagene Joe Biden aus dem Wahlkampf ausgestiegen war, scharte sich die gebeutelte demokratische Partei mit einer fast schon hysterisch anmutenden Euphorie um die neue Kandidatin Kamala Harris. Und tatsächlich war die Juristin, Jahrgang 1964, für diesen Moment die richtige Frau am richtigen Ort.
Ihr Strahlen, ihre Eloquenz standen in einem so offensichtlichen Kontrast zu Bidens Performance, dass in der Partei Hoffnung auf einen Sieg gegen Donald Trump aufkeimte. Doch dieses Aufbäumen war nicht viel mehr als ein Strohfeuer.
Nach der Niederlage gegen Trump war von Harris nicht viel zu hören
Von Harris war in den Monaten nach ihrer Niederlage kaum etwas zu hören. Doch das ändert sich gerade, denn die Juristin arbeitet die kurze Zeit ihres Wahlkampfs in einem Buch auf. Was über den Inhalt bekannt ist, dürfte die depressive Stimmung in ihrer Partei angesichts eines rasenden Trump, der sich anschickt, die Eckpfeiler der doch als stabil und wehrhaft geltenden US-Demokratie im Zeitraffer einzureißen, kaum verbessern.
In den Auszügen, die dem britischen Guardian vorliegen, geht Harris nicht nur hart mit Biden ins Gericht, auch Parteifreunde wie Josh Shapiro, Gouverneur von Pennsylvania, werden wenig vorteilhaft skizziert. Sie schildert, wie sie die wachsenden Schwierigkeiten des Präsidenten Biden erlebt hat, dem Wahlkampfgeschehen zu folgen, und beschwert sich über die Uneinsichtigkeit und das Misstrauen, das ihr von dessen Entourage entgegengebracht wurde.
Welche politischen Grundsätze die Kandidatin hat, blieb oft unklar
Unklar ist bisher, wie Harris ihre eigene Rolle im Wahlkampf mit etwas Abstand einordnet. Nicht nur viele Demokraten fragten sich während der gut 100 Tage, in denen Harris an der Spitze der Kampagne stand, immer dringlicher, auf welche politischen Grundsätze sich die Kandidatin überhaupt beruft.
Dass die frühere Vizepräsidentin aktuell ernsthaft darüber besorgt ist, dass Trump zu einer tödlichen Gefahr für Pluralismus und freie Medien geworden ist, kann man ihr abnehmen: „Angesichts des frontalen Angriffs auf die Meinungsfreiheit dürfen wir nicht schweigen oder selbstgefällig sein“, schrieb sie jetzt. Ob es ihr gelingt, ihre Partei wachzurütteln? Zweifel bleiben.
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