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Klimakonferenz: Grünen-Politikerin fordert einen Klimapass für Bewohner untergehender Inseln

Klimakonferenz

Ein Klimapass für die Menschen von Tuvalu

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    Claudia Roth ist entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.
    Claudia Roth ist entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Foto: Bernhard Weizenegger

    Dramatische Stunden erlebten die Teilnehmer der Klimakonferenz im brasilianischen Belém kurz vor Abschluss der Tagung. Auf dem Gelände war ein Feuer ausgebrochen. Bei den Länder-Pavillons brannte ein Stand lichterloh. Über 20 Menschen mussten medizinisch versorgt werden. Der Brand mag für die einen ein Symbol sein, wie wichtig es ist, über die sich aufheizende Erde zu reden. Zum anderen gab es aber auch eine Debatte darüber, ob es sinnvoll ist, eine Klimakonferenz mit geschätzten 50.000 Teilnehmern in einer Stadt im Urwald zu veranstalten.

    Grünen-Politikerin Claudia Roth, die selbst auf der Konferenz war, verteidigt die Wahl des Veranstaltungsortes: „Das Besondere an der Konferenz ist, dass sie zum ersten Mal mitten in einem Regenwaldgebiet stattfindet, das unmittelbar vom Klimawandel betroffen ist“, sagte sie unserer Redaktion. „Der Regenwald ist die Lunge der Welt, derzeit ist er von Austrocknung und Abholzung bedroht. Deshalb ist es politisch richtig, die Konferenz dort stattfinden zu lassen“, sagte sie. Klimakonferenzen sind auch als Wanderzirkus verschrien, da die Teilnehmer per Flugzeug anreisen. Roth ist überzeugt, dass die Vorteile überwiegen: „In Belém waren 10.000 indigene Menschen da, die anders als bei vergangenen Klimakonferenzen frei ihre Interessen äußern konnten“, lobt sie. „Es war noch nie so wichtig wie heute, dass die Welt zusammenkommt, um über das Klima zu sprechen“, betont Roth. „Wenn wir die Klimaziele weiter verwässern, ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad nicht zu halten, dann müssen wir mit gravierenden Folgen rechnen, Millionen Menschen werden ihre Heimat wegen der Klimakrise verlassen müssen.“

    Steigender Meeresspiegel macht Inselstaaten schwer zu schaffen

    Bereits heute macht der steigende Meeresspiegel Inselstaaten im Pazifik schwer zu schaffen. „Ich saß auf dem Podium mit einem Vertreter der Fidschi-Inseln. Er hatte am Jackett einen Anstecker mit der Aufschrift 1,5 Grad“, erinnert sich Roth. Als sie ihn gefragt habe, was er damit aussagen will, habe er erwidert: „Für Euch ist 1,5 Grad eine Zahl, für uns ist es eine Überlebensfrage.“

    Bereits heute, erinnert Roth, gebe es auf der Welt schon 40 Millionen Klimaflüchtlinge. Der steigende Meeresspiegel bedroht Küstendörfer. „Für Menschen auf den Pazifikinseln ist der Klimaschutz keine Zahl, sondern eine Überlebensfrage“, wiederholt sie. Deshalb fordert sie, dass den Flüchtlingen ein „Klima-Pass“ gewährt wird, der ihnen eine Aufnahme in anderen Ländern ermöglicht. „Bereits heute gewährt Australien den Bewohnern bestimmter Pazifik-Inseln ein Klima-Visum, auch Neuseeland denkt darüber nach“, berichtet Roth. „Ich werde mich bei den Grünen dafür einsetzen, dass der Klima-Pass wieder ins Wahlprogramm aufgenommen wird.“

    Claudia Roth: „Klimapass für Menschen, die ihr Land verlieren“

    „Der Klimapass ist für Menschen gedacht, die kein eigenes Land mehr haben, weil es im Meer untergeht, oder deren Heimat durch die Klimakrise verloren geht. Er soll ihnen die Chance geben, in einem anderen Land Fuß zu fassen, eine neue Perspektive zu finden und ihre Kultur lebendig zu halten“, sagt Roth. Beispielsweise rage die Insel Tuvalu nicht mehr als fünf Meter aus dem Meer und sei in ihrer Existenz bedroht. „Ich denke nicht, dass die Einwohner der Inseln nach Deutschland umsiedeln wollen. Aber wenn Australien oder Neuseeland Klimaflüchtlinge aufnehmen, werden sie von den anderen Industriestaaten dafür eine finanzielle Kompensation fordern.“

    Doch während die Zahl der Bewohner pazifischer Inseln überschaubar sei, rede man bei Staaten wie Bangladesch über mehrere Millionen Einwohner in Küstennähe. Umso wichtiger sei es, die Erderwärmung zu begrenzen.

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