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Kommentar: Der fossile Kanzler Merz irrt mit seinem Kurs

Kommentar

Der fossile Kanzler Merz irrt mit seinem Kurs

Stefan Lange
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    Kanzler Merz ist der Meinung, dass Anstrengungen beim Klimaschutz nicht viel bringen.
    Kanzler Merz ist der Meinung, dass Anstrengungen beim Klimaschutz nicht viel bringen. Foto: Niklas Treppner, dpa

    Es ist das alte Denken. „Selbst wenn wir alle zusammen morgen klimaneutral wären in Deutschland, würde keine einzige Naturkatastrophe auf der Welt weniger geschehen, würde kein einziger Waldbrand weniger geschehen, würde keine einzige Überschwemmung in Texas weniger geschehen“, sagte Kanzler Friedrich Merz kürzlich im Bundestag. Mit anderen Worten: Klimaschutz ist ja gut und schön, aber man muss es nun auch nicht übertreiben. Das ist falsch, es ist rückwärtsgewandt, es ist kaum zu fassen.

    Die Wahrheit ist: Deutschland stellt etwa ein Prozent der Weltbevölkerung, ist aber für zwei Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Jeder und jede hierzulande verursacht doppelt so viel CO2-Ausstoß wie der globale Durchschnitt. Pro Kopf werden in Deutschland jährlich rund sieben Tonnen Kohlendioxid emittiert. Indien beispielsweise kommt auf 2,1 Tonnen. Viele afrikanische Staaten erreichen nicht einmal die Ein-Tonnen-Marke.

    Deutschland als Dreckschleuder

    Deutschland hat, wie andere Industrienationen auch, jahrzehntelang Schadstoffe in die Luft geblasen. Die blieben nicht an der Landesgrenze hängen, sie gerieten in die Atmosphäre und trugen maßgeblich zum menschgemachten Klimawandel weltweit bei. Dessen Folgen kann sich Merz jeden Tag anschauen, der Kanzler verschließt davor aber die Augen.

    Statt den Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent voranzutreiben, zwingt der bald 70-Jährige die Regierung in einen rückwärtsgewandten Kurs. Fracking ist gut, das Verbrenner-Aus schlecht. Atomkraftwerke will Merz immerhin (noch) nicht wieder ans Netz nehmen, Kernkraft jedoch hat mit ihm eine strahlende Zukunft. Die Gasbohrungen passen in dieses Denkschema: Was früher gut war, ist es heute auch noch.

    Erneuerbare bei 54 Prozent

    Die Regierung verbrämt heftige und nachhaltige Eingriffe in die Natur mit dem ewigen Hinweis auf die Versorgungssicherheit. Die jedoch hatte die Vorgänger-Regierung nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine im Griff. Unter der Ampel gingen weder die Lampen noch der Sprit aus.

    Einen großen Anteil an der sicheren Energieversorgung haben die erneuerbaren Energien. Sonne, Wasser und Wind lieferten zuletzt mehr als 54 Prozent des Stroms in Deutschland. Das ist der Weg, den Deutschland gehen muss. Er sichert und schafft nachweislich Arbeitsplätze. Das Ziel der Klimaneutralität scheint erreichbar – ein Hoffnungsschimmer für jüngere Generationen. Vor allem kann Deutschland anderen Ländern ein Vorbild sein: Seht her, man kann auch führende Industrienation sein, ohne ständig neuen Dreck in die Luft zu blasen. Es würde dann sehr wohl besser werden auf dieser Welt.

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