100 Jahre Lufthansa. Am Mittwoch feierte Deutschlands legendäre Fluggesellschaft ihr rundes Jubiläum im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Seit Wochen macht die Airline viel Werbung, schaltet Anzeigen mit historischen Fotos aus ihrer langen Geschichte. Die Motive zeigen eine Ära, in der Fliegen noch etwas Besonderes war. Ikonische Werbeplakate, klassisch gekleidete Passagiere und adrette Stewardessen sollen der Lufthansa Glanz verleihen.
Es ist eine bittere Ironie, dass die Maschinen in der Festwoche am Boden bleiben. Piloten und Flugbegleiter sind im Streik und wechseln sich dabei wechselseitig ab. Krampf statt Glanz. Die Passagiere müssen damit zurechtkommen, dass wegen der Streikwelle hunderte Verbindungen kurzfristig gestrichen werden. Schlechter kann es für die Linie mit dem Kranich im Wappen nicht laufen. Das Kabinenpersonal streikt für einen Sozialplan für die Beschäftigten der Lufthansa-Tochtergesellschaft Cityline, die abgewickelt werden soll. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kämpft außerdem für bessere Arbeitsbedingungen im bestehenden Tarifwerk der Lufthansa. Die Piloten sind in den Ausstand getreten, um eine höhere betriebliche Altersvorsorge herauszuholen. Die Flugkapitäne streiten auch für eine bessere Bezahlung ihrer Kollegen bei der Cityline.
Streik bei der Lufthansa: Überziehen die Piloten nicht einfach?
Während der Kampf der Flugbegleiter für die von der Entlassung bedrohten Kollegen verständlich ist, müssen sich Piloten die Frage gefallen lassen, ob sie nicht überziehen. Man kann ein Unternehmen auch kaputt streiken. Die Männer und Frauen im Cockpit zählen zu den bestbezahlten Angestellten des Landes. Sie haben eine hohe Verantwortung für das Leben der Passagiere und sollen ordentlich verdienen. Aber es gibt auch Grenzen. Ein Pilot startet bei der Lufthansa mit einem Fixgehalt von 90.000 Euro brutto im Jahr, das in der höchsten Stufe als Seniorkapitän auf 280.000 Euro anwachsen kann. Im Schnitt verdienen die Flugzeugführer merklich über 100.000 Euro pro Jahr. Das ist spürbar mehr als bei vielen anderen Airlines.
Die Lufthansa wird es in den nächsten Monaten schwerer haben, weil der Irankrieg auch die Preise für Kerosin nach oben treibt und Fliegen teurer macht. Das wird Kunden davon abhalten, in den Urlaub zu fliegen. Der Kostenschock trübt die wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens. Die Piloten sollten nicht die Hand beißen, die sie füttert. Darüber hinaus haben sie auch eine gesellschaftliche Verantwortung, weil ihr Arbeitskampf die Mobilität der Menschen deutlich beschneidet. Diese Verantwortung verpflichtet, mit Streiks sehr sparsam umzugehen. Ausgerechnet das Firmenjubiläum zu verhageln, ist unnötig. Das gilt auch für die Flugbegleiter.
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