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Notfall-Vorbereitung: Warum fehlende Vorräte zum Problem werden

Kommentar

Wer keine Vorräte zu Hause hat, ist im Notfall auch selbst schuld

Christian Imminger
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    Genug Vorräte zuhause? Die letzten Tage haben gezeigt, dass das auch in unseren Zeiten nicht schaden kann.
    Genug Vorräte zuhause? Die letzten Tage haben gezeigt, dass das auch in unseren Zeiten nicht schaden kann. Foto: stock.adobe.com

    Waren Sie am Wochenende einkaufen? Hatten Sie auch das Gefühl, dass alles irgendwie a bisserl gaga? Dann lesen Sie gerne weiter, es geht nämlich um teilweise schier ausgeräuberte Supermärkte, es geht aber auch um ein Symptom für etwas, das schief läuft in diesem Land.

    Denn wer am Freitag oder Samstag seinen Besorgungen nachging, stieß eventuell mancherorts auf leer gekaufte Regale wie sonst nur vor Silvester (Raclette-Käse!). Was da los war? Kann man nur vermuten, wie überhaupt die frustrierende Einkaufserfahrung, wiewohl von mehreren bestätigt, persönlicher Natur war. Dennoch darf vielleicht die These gewagt werden, dass so einige aufgeschreckt waren – erst von den Berichten über den Stromausfall in Berlin und dann von den Unwetterwarnungen vor Eis und Schnee. Um daraufhin nachdenklich auf die angebrochene Packung Eiernudeln im Schrank zu starren – und umso schneller mit dem Anhänger in den Supermarkt zu fahren.

    Dieser von alarmistischen Kanälen befeuerte Herdentrieb betrifft nun freilich nicht alle, steht aber für eine Zeit, in der viele denken, dass alles zu jeder Zeit verfügbar. Notfalls holt man sich die Tomatensoß’ halt von der Tanke, wenn man – wie mancherorts bereits möglich – nicht gleich seine Lebensmittel via Smartphone bestellt, auf dass diese zehn Minuten später vor der Tür stehen.

    Es fehlt am Selbstverständlichsten, weil schlichtweg das Verständnis fehlt

    Bei einem Stromausfall in seiner Gegend schauten Nachbarn demgemäß auch erst einmal sorgenvoll auf den Akkustand ihres Handys, während der Autor dieser Zeilen zugegeben lange nach einer Taschenlampe kramte, deren Batterien sich dann als leer herausstellten. Soll heißen: Es fehlt vielerorts am Selbstverständlichsten, weil schlichtweg das Verständnis fehlt in einem Leben, das sich an Allverfügbarkeit gewöhnt hat. Und an einen Staat, der sich zur Not dann schon kümmern wird, ja: gefälligst kümmern soll.

    Wie groß war die Aufregung, auch der Spott, als der damalige Innenminister Thomas de Maizière 2016 sein Konzept zum Zivil- und Katastrophenschutz vorstellte und darin jedem Haushalt empfahl, was das zuständige Bundesamt seit den 1960er Jahren tut: Ausreichend Lebensmittel, Wasser, Bargeld usw. vorzuhalten. Oder, um mit dem alten Slogan eines Discount-Marktes zu sprechen: „Bitte bevorraten Sie sich!“ Und es müsste jedem ja auch einleuchten, dass man ein paar Tage über die Runden kommen sollte, ehe Hilfe anrollt, der schwäbischen Hausfrau muss man das ohnehin nicht erklären.

    Der Staat hat freilich ebenfalls Fehler gemacht, etwa mit dem Verkauf von Gasspeichern

    Alleine, es war die Regierung der selbst ernannten Ober-Schwäbin aus der Uckermark, die ungefähr zur selben Zeit die deutschen Gasspeicher an Russland verkaufen ließ. Bitte bevorraten Sie sich? Nein, der Staat ist freilich auch nicht über Fehler und Versäumnisse erhaben, und dabei geht es nicht einmal um Tennis spielende Bürgermeister. Für ein generelles Misstrauen – die Einsatzkräfte in Berlin haben etwa vorbildlich gearbeitet und geholfen – besteht aber kein Anlass.

    Es ist aber dieses Misstrauen, das die seit Jahren wachsende „Prepper“-Szene befeuert, akribisch Vorräte anzulegen, sich auf das Allerschlimmste, Krieg oder die Zombie-Apokalypse, vorzubereiten, stets auf dem gepackten Rucksack mit Kompass und Angelhaken hockend. Doch unabhängig davon, dass da manche auch einer recht zweifelhaften Gesinnung frönen: So weit muss man wahrlich nicht gehen, wenn doch schon ein bisschen mehr Tante Erna mit ihren Weck-Gläsern nicht schaden würde.

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