Natürlich ist es einfach, Unternehmen für ihre Geschäfte in Russland zu kritisieren. Und natürlich ist es legitim, wenn Hochland oder Ehrmann dann auf ihre Verantwortung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Russland verweisen. Dass beispielsweise Ehrmann nicht einfach sein Geschäft einstellt, nachdem man erst 2021 expandiert hatte und einen großen Teil des Umsatzes in Russland erwirtschaftet, ist aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar.
Gleichzeitig liegt genau dort das Problem. Ehrmann hat im Mai 2021 bekannt gegeben, dass man das Russland-Geschäft von Campina übernehmen werde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Putin bereits die Krim annektiert, Milizen in der Ostukraine aufgebaut und 100.000 Soldatinnen und Soldaten an die Grenze zur Ukraine verlegt. Warnungen vor einer Invasion gab es schon längst. Auch Putins geschichtsrevisionistischer Blick auf die Ukraine war bekannt.
Auch wirtschaftlich wird Russland zunehmend zum Risiko für deutsche Firmen
Dass Ehrmann - und viele andere Unternehmen - trotzdem weiter kräftig Geld in den russischen Markt gepumpt haben: Das war der eigentliche Fehler dieser Unternehmen.
Im Übrigen ist das keine rein moralische Diskussion. Auch wirtschaftlich wird Russland zunehmend zum Risiko für deutsche Firmen. Im Frühjahr beispielsweise stellte Putins Regime die Bosch-Tochter BSH in Russland unter Zwangsverwaltung von Gazprom – eine Art Teilenteignung. Ähnlich erging es zuvor der Baumarktkette Obi. Das zeigt: Geschäfte in Autokratien mögen kurzfristig lukrativ sein, langfristig werden sie meist zum Risiko.
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