Man merkt es dem Bundeskanzler bei Auftritten wie in Davos manchmal an: Wie sehr es ihn, den überzeugten Transatlantiker, doch schmerzt, dass er Deutschland nun durch eine Welt navigieren muss, in der das transatlantische Verhältnis vielleicht nicht völlig kaputt ist, aber doch schwer beschädigt.
Die USA tritt inzwischen auf wie ein Mafioso: Schutzgeld statt Schutzmacht. Merz muss in dieser Welt balancieren wie kein Bundeskanzler seit Adenauer. Trumps Großmachtfantasien kritisieren, aber ihn im eigenen Lager halten. Neue Bündnisse schmieden, wie vor kurzem in Indien– ohne die USA aufzugeben, die weiterhin Europas Sicherheit garantieren.
Auftritt des Kanzlers in Davos: Das Ergebnis spricht für Friedrich Merz
Da wirkt die Kritik von Linken und Grünen irritierend. „Man muss Trump mit Stärke begegnen“, ist sicherlich nicht falsch. Und den Erfolg von Davos sollte man – auch das ist richtig – maximal als einen Etappensieg verstehen, der den Status quo für ein paar Wochen absichert. Aber auf dem Weg zur sicherheitspolitischen Souveränität ist jeder Zeitgewinn recht. Und dass der Kanzler sich irgendwelche Illusionen über Donald Trump macht, das darf wirklich bezweifelt werden.
Das Ergebnis jedenfalls spricht für Merz: Trump bekommt, was er in großen Teilen sowieso schon hat, Strafzölle sind vom Tisch, die Nato vorerst gerettet. Deutschland hat Solidarität mit Dänemark gezeigt und Präsenz auf Grönland. Viel besser hätte dieser Streit nicht laufen können. Das verdient Anerkennung.
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