Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Luftfahrt: Airlines parken nicht gebrauchte Jets in der spanischen Provinz

Iran-Krieg

Golf-Airlines bringen ihre Jets in Sicherheit

  • |
  • |
  • |
  • |
    Während der Corona-Pandemie parkte auch die Lufthansa in Teruel nicht eingesetzte Maschinen.
    Während der Corona-Pandemie parkte auch die Lufthansa in Teruel nicht eingesetzte Maschinen. Foto: Javier Escriche, dpa

    Mitten in der kargen spanischen Provinz Aragonien, weit entfernt von den großen Drehkreuzen des europäischen Luftverkehrs, erlebt der abgelegene Flughafen Teruel ein Déjà-vu: Wegen des schon einen Monat andauernden Nahostkriegs wird der Airport erneut zum Ausweichparkplatz für große Passagiermaschinen, die vorerst nicht mehr regulär fliegen können.

    Nach Angaben des Flughafens trafen innerhalb weniger Tage mehr als 20 Großraumflugzeuge aus dem Nahen Osten ein. Weitere werden wegen des kriegerischen Konflikts, dessen Ende nicht absehbar ist, noch erwartet. Insgesamt stehen dort derzeit etwa 70 Maschinen. 

    Während der Corona-Epidemie standen hier weit über hundert Maschinen

    Schon während der Corona-Pandemie war der Flughafen zu Europas größtem Flugzeugparkplatz geworden. Damals standen dort zeitweise weit über hundert Maschinen. Der Airport wurde während der Pandemie zum Sinnbild des weltweit stillstehenden Luftverkehrs. Nun wird er erneut zum Zufluchtsort in einer internationalen Krise. 

    Teruel sei für die Jets ein „sicherer Ort“ für Wartung und Konservierung, solange sie wegen der geopolitischen Lage nicht eingesetzt werden könnten, erklärte Flughafendirektor Alejandro Ibrahim im spanischen Fernsehsender TVE. Teruel habe sich in seinen 13 Betriebsjahren zum größten Zentrum Europas für das Abstellen, Warten und Recyceln von Flugzeugen entwickelt.

    „Der Krieg bringt für niemanden ein Vorteil“, sagte Ibrahim. Man passe sich lediglich einer geopolitischen Krise an, um den Kunden den nötigen Service zu bieten. Teruel sei kein Passagierflughafen, sondern ein hoch spezialisiertes Industriezentrum für Langzeitparken, Wartung, Lackierung, Demontage und Recycling von Verkehrsflugzeugen.

    Die dünn besiedelte Gegend gilt als strukturschwach

    Im Mittelpunkt der aktuellen Jet-Verlagerungen nach Teruel steht die staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways. Nach Berichten spanischer Medien wurden innerhalb weniger Tage 17 Maschinen der Gesellschaft nach Teruel gebracht, darunter mehrere Airbus A330, A350 und auch besonders große Langstreckenjets. 

    Statt zu ihrem Drehkreuz in Doha, der Hauptstadt Katars, flogen etliche Maschinen in die spanische Provinz, weil gesperrte Lufträume und Sicherheitsrisiken den internationalen Luftverkehr massiv beeinträchtigen. Besonders stark trifft der Nahostkrieg Fluggesellschaften aus der Golfregion. 

    Der Flughafen liegt nahe der rund 37.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Teruel, einer Gegend, die als Teil des dünn besiedelten und strukturschwachen Spaniens gilt. Gerade diese Abgeschiedenheit im Landesinneren ist heute ein Standortvorteil. 

    Das trockene Klima verhindert Korrosion

    Hinzu kommen günstige natürliche Bedingungen: Das trockene, salzarme Klima und die große Zahl an Sonnentagen helfen, Flugzeuge über längere Zeit ohne größere Korrosionsprobleme abzustellen. Zudem verfügt der Airport über riesige Parkflächen und eine 2825 Meter lange Start- und Landebahn, die auch für die größten Passagiermaschinen der Welt ausgelegt ist. Platz ist für bis zu 250 Jets.

    Nach Angaben des Präsidenten des Flughafenkonsortiums, Octavio López, wurden in den vergangenen Jahren mehr als 170 Millionen Euro in den Standort investiert. Entstanden oder geplant sind neue Parkflächen, zusätzliche Wartungs-, Recycling- und Lackierhallen, ein Raumfahrtzentrum, eine Akademie für Nato-Piloten und eine Montagehalle für Zeppeline. Der Flughafen sei zum wichtigsten Wirtschaftsmotor der Provinz geworden, sagte López. 

    Zu den besonders symbolträchtigen Fällen des Recyclinggeschäfts gehörte im vergangenen Jahr auch ein deutsches Regierungsflugzeug: Der frühere Merkel-Airbus „Konrad Adenauer“ wurde nach Teruel überführt, um die Maschine dort auszuschlachten – eine Anekdote, die den Ruf Teruels als Europas Flugzeugfriedhof festigte.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren