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Merz‘ Besuch bei Trump: Szenen aus dem Weißen Haus

USA-Besuch

Trump, Musk und Merz: Amerikanische Freundschaften

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    Friedrich Merz hatte einen Mini-Golfschläger dabei, in den die Flaggen beider Länder eingraviert sind. Golfspieler Trump probierte ihn gleich aus.
    Friedrich Merz hatte einen Mini-Golfschläger dabei, in den die Flaggen beider Länder eingraviert sind. Golfspieler Trump probierte ihn gleich aus. Foto: Steffen Kugler, Bundesregierung/dpa

    Friedrich Merz hat gerade das Mittagessen mit Donald Trump im Weißen Haus beendet, als sich etwas über Amerika zusammenbraut. Es hatte gemischten Salat gegeben, Steaks und Donuts zum Dessert. Sehr amerikanisch. Dazu Cola und Wasser. Trump mag keinen Alkohol. Merz und der Präsident verstehen sich gut. Wenn die Kameras aus sind, hört Trump zu, muss die Szenerie nicht dominieren, lässt anderen Raum. Es ist die Seite von ihm, die unter dem Getöse seiner öffentlichen Auftritte verschwindet. Als das Besteck zur Seite gelegt ist, schaut Trump auf die Internetplattform X. Sie gehört seinem Berater, Wahlkampffinancier, Vertrauten, Ziehsohn und irgendwie auch Freund – Elon Musk. Was Trump sieht, muss ihn erzürnen. Sein Elon droht ihm mit der öffentlichen Vernichtung.

    Der Unternehmer hat den Fehdehandschuh aufgenommen, den Trump ihm gut anderthalb Stunden zuvor hingeworfen hatte. Der reichste Mann der Welt kämpft gegen den mächtigsten Mann der Welt. In Amerika ist alles größer als anderswo, aber das ist selbst für die USA ein episches Duell. Auf X, das als Twitter bekannt wurde, behauptet der Tesla-Chef, dass der US-Präsident in den Epstein-Akten steht. Jeffrey Epstein hatte minderjährige Frauen bei Partys zum Sex mit mächtigen Männern gedrängt, sie ihnen regelrecht zugeführt. Zu Epsteins illustrem Kreis zählten reiche Geschäftsmänner, Politiker, Prominente und der Britenprinz Andrew.

    Musk sieht es an der Zeit, „die wirklich große Bombe platzen zu lassen“

    Die Akten über diese menschlichen Abgründe um Macht, Sex und Geld liegen noch unter Verschluss. „Zeit, die wirklich große Bombe platzen zu lassen: Donald Trump ist in den Epstein-Akten. Das ist der wahre Grund, warum sie nicht veröffentlicht wurden“, schreibt Musk. Sarkastisch fügt er an: „Hab einen schönen Tag, DJT“. Die Initialen stehen für Donald Trump Junior. In den frühen 2000ern hatte der heutige Präsident Kontakt zu Epstein, den er später eine abscheuliche Person nannte.

    Die Vergeltung Trumps ließ nicht lange auf sich warten. Wenige Stunden nach der ungeheuerlichen Behauptung drohte er seinem einstigen Intimus damit, ihm die staatlichen Fördergelder für seine zahlreichen Unternehmungen zu streichen. Die Tesla-Aktien rauschten an der Börse abwärts, die Kryptowährung Bitcoin büßte mehrere tausend Dollar im Wert ein.

    Kanzler Merz redet bei Trump nur vier Minuten

    Der deutsche Kanzler ist dabei, als sich der Schlagabtausch aufbaut. Er sitzt am späten Vormittag neben Trump im Oval Office. Es ist der öffentliche Teil ihres Kennenlerntreffens. Bevor Trump die politische Kultur zertrümmerte, waren diese Runden vor den Journalisten eine freundliche Routine bei Staatsbesuchen. Ein paar Minuten für die Presse, ein paar Nettigkeiten, Fotos und Floskeln, danach besprach man das Wichtige hinter den Kulissen.

    Trump hat daraus eine Bühne gemacht, auf der er die Hauptrolle spielt und gleichzeitig Regie führt. Er hat dafür die Kulisse umgebaut und das Präsidentenbüro in dem Stil eingerichtet, den er so liebt. Gold schimmern Bilderrahmen, Ornamente und Pokale und stehen im Kontrast zum dunklen Braun der schweren Möbel. Das Oval Office ist viel kleiner, als es im Fernsehen scheint. Berater, Minister und Journalisten stehen eng an eng. Über schmale Korridore gelangt man in dieses Heiligtum der Macht, Posten herrschen die Journalisten an, wo sie besser nicht hingehen. An manchen Stellen dieser Rückseite ist die Schaltzentrale des mächtigsten Landes der Erde heruntergerockt, der Lack blättert. In einem Nebenraum hat Trump einen kleinen Souvenirshop eingerichtet. Es gibt Trump-Tassen, Trump-T-Shirts, Trump-Bibeln, Trump-Kappen, Trump-Bilder und vieles andere rund um Trump.

    Trump überschüttet Bundeskanzler Merz im Oval Office mit Lob. 
    Trump überschüttet Bundeskanzler Merz im Oval Office mit Lob.  Foto: Michael Kappeler, dpa

    In seinen Shows gibt der Impresario seinem Vize JD Vance und seinem Außenminister Marco Rubio Nebenrollen. Diese kommen ebenso seinen Staatsgästen zu, so auch Friedrich Merz, der auf einem Sessel direkt neben dem Gastgeber sitzt. Von den 40 Minuten, die die Show dieses Mal dauert, bespielt Trump 90 Prozent allein. Der Kanzler des mächtigsten Landes Europas wird insgesamt nur vier Minuten reden. Bei Trump geht es meistens um amerikanische Innenpolitik: Er arbeitet sich an der Gebrechlichkeit seines Vorgängers Joe Biden ab. Ein neues Buch hat enthüllt, dass Biden am Ende seiner Präsidentschaft nicht mehr Herr seiner selbst war.

    Die amerikanische Öffentlichkeit zerreißt sich darüber, ob Biden noch die Kraft hatte, einen Stift zu halten und Gesetze mit der eigenen Hand zu unterzeichnen. Trump trommelt für seine geplante Steuerentlastung in Billionenhöhe, die er großes, schönes Gesetz getauft hat - „big beautiful bill“. Es würde die Staatsverschuldung derart erhöhen, dass Ökonomen flau im Magen wird, wenn sie auf die Zahlen schauen. Sie fürchten um den Dollar als Ankerwährung der Weltwirtschaft.

    Elon Musk hat die Schönheit des Vorhabens drastisch in Zweifel gezogen und den Präsidenten damit verletzt. Trump hasst Illoyalität. „Elon und ich hatten ein großartiges Verhältnis. Ich weiß nicht, ob wir das noch haben werden“, klagt er. „Ich bin sehr enttäuscht von Elon.“ Der Gast aus Germany hat eine neutrale Miene aufgesetzt und schaut den Präsidenten bei seiner Abrechnung an, die Hände hält er ineinandergestützt vor der Brust. Bloß nicht an der falschen Stelle den Kopf schütteln oder angewidert schauen. Das hat sich der Kanzler vorgenommen.

    Von Zeit zu Zeit integriert ihn Trump in das Spiel oder Journalisten stellen dem Gast eine Frage. Merz fährt gut mit seiner überschaubaren Sprechrolle; viel besser als seine Delegation erwarten durfte. Vor drei Monaten hatten Trump und Vance den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den Staub getreten und dann den Daumen gesenkt. Der Präsident und sein Vize waren selbst die Löwen in der Arena. Mit Merz haben sie anderes vor. Trump überschüttet den CDU-Chef mit Lob. Großartiger Anführer, großartiger Kerl, guter Mann und sogar Freund. Einmal tätschelt Trump sogar ein Kanzlerbein. Das Weiße Haus wird nach dem Treffen ein Bild des Gastgeschenks auf X teilen und es mit einem Herzchen versehen. Merz hatte Trump ein kunstvoll gestaltetes Faksimile der Geburtsurkunde seines Großvaters Friedrich Trump mitgebracht und die Kopie in Gold gerahmt.

    Der Ahne des Präsidenten erblickte 1869 in der Pfalz das Licht der Welt und wanderte später in die Vereinigten Staaten aus. Trump schien sichtlich gerührt davon und versprach, das Bild an einem Ehrenplatz aufzuhängen. Außerdem hatte der Kanzler einen Mini-Golfschläger dabei, in den die Flaggen beider Länder eingraviert sind. Der Golfspieler Trump probierte ihn gleich aus. Er revanchierte sich bei dem Hobbypiloten Merz mit einer Patenturkunde der Gebrüder Wright, die Anfang des 20. Jahrhunderts das Flugzeug erfanden.

    Der Besuch ist das glatte Gegenteil zu Selenskyjs Demütigung. Trump gibt sich offen für Kompromisse, die er Deals nennt. Ende des Zollstreits und Abschluss eines Handelsabkommens? Darüber könne man reden. Amerika habe viel Öl und Gas zu verkaufen. Ausländische Studenten? Sollen weiter in den USA studieren, aber vorher überprüft werden. Austritt aus der Nato? Ach was. Gut, dass die Europäer endlich mehr Geld ausgeben (und in Amerika Waffen kaufen). Abzug von tausenden US-Soldaten aus Deutschland? Nein, die bleiben alle da. „Deutschland ist ein wichtiges Land“, lobt der Präsident. Dabei waren ihm die Europäer im Allgemeinen und die Deutschen im Speziellen noch bis vor Kurzem schlimme Trittbrettfahrer, die die amerikanischen Steuerzahler für Europas Sicherheit aufkommen ließen, womit Trump recht hatte. 

    Nur in einem Punkt vertreten Trump und der deutsche Kanzler offen widerstreitende Positionen. Während Merz eindeutig Russland für den Krieg in der Ukraine verantwortlich macht, hält Trump nach wie vor an Wladimir Putin fest. „Ich respektiere ihn, er respektiert mich“, sagt Trump. Putin und Selenskyj hassten sich, schildert Trump den Eindruck, den er aus den Gesprächen mit beiden gewonnen hat. Aus diesem Grund glaubt er nicht mehr daran, dass das Gemetzel schnell enden wird, wie er es im Wahlkampf versprochen hatte. Er bemüht das Bild von sich keilenden Jungs, die man manchmal weitermachen lassen müsse, bis es irgendwann vorbei ist.

    Beim Thema Krieg in der Ukraine widerspricht Merz

    Friedrich Merz schaut nun skeptisch und wählt dann den schwierigeren Weg. Er bleibt nicht still. „Wir sind auf der Seite der Ukraine“, erklärt er. Und fordert den Präsidenten auf, das ganze Gewicht der USA einzusetzen, damit die Waffen schweigen. „Sie sind die Schlüsselfigur in der Welt, um Druck auf Russland auszuüben“, drängt er Trump. Merz erinnert ihn an den 6. Juni 1944, als die Alliierten am D-Day in Frankreich landeten. Die Botschaft: Auch heute müssen die Amerikaner einem Regime Einhalt gebieten, wenn auch ohne den Einsatz ihrer Streitkräfte. Dass der Krieg bald vorbei ist, darauf setzt auch Merz nicht mehr. Trump, der Widerspruch so schlecht ertragen kann, nimmt es hin, dass der Deutsche eine eigene Meinung vertritt.

    Nach dem Besuch im Weißen Haus hat der Kanzler noch einige Interviewtermine. Als Ort dafür haben seine Leute das Wasserbecken unterhalb des Lincoln-Denkmals ausgewählt. Den Erfolg im Rücken schreitet er heran, das Sakko wegen der drückenden Wärme über die Schulter geworfen. Ein paar Leute klatschen. Ein Diplomat sagt: „Wir standen heute nicht auf der Speisekarte. Da stand heute Musk drauf.“ In einem der kurzen Interviews, die der Bundeskanzler den Fernsehsendern gibt, sagt er: „Ich bleibe ein unerbittlicher Amerika-Optimist.“ Trump und Musk teilen derweil harte Hiebe gegeneinander aus. Die amerikanischen Nachrichtenportale überschlagen sich. Der Besuch des Kanzlers ist nur eine Notiz. Er ist darüber nicht böse.

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