Als die USA Anfang des Jahres den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro entführten, sagte der Bundeskanzler zumindest noch, dass die völkerrechtliche Einordnung „komplex“ sei. Nach dem Angriff auf den Iran jetzt: völlige Zurückhaltung. Völkerrechtliche Einordnungen seien überflüssig, erklärte der Kanzler sinngemäß. Nur nichts sagen, was in Washington auch nur den Anschein von Kritik erwecken könnte.
Die Warnungen vor einem Flächenbrand oder einer Destabilisierung der Region überlässt Merz vor allem dem Koalitionspartner. Bei der absolut angebrachten Freude über ein mögliches Ende des verbrecherischen Mullah-Regimes sind diese Mahnungen aber nicht unberechtigt. Erwiesen sich doch vergangene US-Interventionen im Nahen Osten nicht immer als bis zum Ende durchdacht.
Die Frage, welchen Plan die Amerikaner für die Region haben, muss schon erlaubt sein
Was sagt das jetzt über das neue europäische Selbstbewusstsein, das Merz in seinen außenpolitischen Reden zuletzt beschwor? Positiv ist sicherlich, dass der Kanzler schnell den Schulterschluss in der E3-Gruppe mit England und Frankreich suchte, wie zuletzt so häufig. Man steht zusammen, die Nachricht ist klar. Darüber hinaus ist eine eigene europäische Linie bisher aber nicht erkennbar. Die Frage jedenfalls, welchen Plan die Amerikaner langfristig für die Region haben, muss schon erlaubt sein. Und Europa sollte sie stellen. Oder genauer: Der Kanzler sollte sie stellen, wenn er an diesem Montag nach Washington aufbricht.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren