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Neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz: Heiner Wilmer muss die Kirche wieder erkennbarer machen

Kommentar

Neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz: Wilmer muss die Kirche wieder erkennbarer machen

Daniel Wirsching
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    Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die Erwartungen an ihn sind groß.
    Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die Erwartungen an ihn sind groß. Foto: Daniel Löb/dpa

    Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat an diesem Dienstag ein im Grunde unmögliches Amt übernommen. Nach außen hin soll er der katholischen Kirche in Deutschland ein Gesicht geben, nach innen hin diese in die Zukunft steuern. Es gibt einfachere Aufgaben – und dankbarere.

    Zumal das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), zu dem Wilmer in Würzburg gewählt wurde, mit einem Kleingedruckten daherkommt, das himmelhohe Erwartungen von Beginn an auf den harten Boden der Tatsachen holen sollte. Der gern als „DBK-Chef“ Bezeichnete ist tatsächlich „Sprecher“ des Zusammenschlusses der Bischöfe aus den 27 (Erz-)Bistümern und an gemeinsame Beschlüsse gebunden.

    Jeder der 27 Bischöfe wiederum ist so etwas wie ein Fürst in seinem Reich – nichts da mit durchregieren! Wer wüsste das besser als Wilmers Vorgänger seit 2014, Reinhard Marx und dann Georg Bätzing. Der Münchner Erzbischof hatte irgendwann schwer genervt auf dem Vorsitzenden-Posten gewirkt, der Limburger Bischof aufgerieben. Denn die „lieben“ Mitbrüder verstehen sich in kirchenpolitischen Angelegenheiten auf Machtspiele und Intrigen. Gläubige wie Nicht-Kirchenmitglieder befremdet das.

    Trotz Skandalen: Kirche hat etwas zu sagen und sollte angemessen repräsentiert werden

    Trotzdem ist das Amt des Bischofskonferenz-Vorsitzenden bedeutend, auch in und für eine Gesellschaft, die sich von der Kirche zunehmend entfernt. Schließlich hat Kirche einiges zu sagen und sollte angemessen repräsentiert werden.

    Was ja leicht vergessen wird: Knapp 20 Millionen Katholikinnen und Katholiken stellen knapp ein Viertel der Bevölkerung, „die“ Kirche ist ein wesentlicher, prägender, nicht wegzudenkender Teil des Landes – nicht zuletzt als Arbeitgeber oder als karitative Institution. „Die“ Kirche ist oft sogar dort, wo es viele nicht – mehr – vermuten. Und: Gotteshäuser mögen leer sein, das Bedürfnis nach Spiritualität, Sinnstiftung und Seel-Sorge bleibt ungebrochen.

    Wilmers vordringliche Aufgabe wird es also sein müssen, stärker als sein Vorgänger auf all das hinzuweisen. Er wird beständig erklären müssen, was Kirche eigentlich ist und für die Gesellschaft sein kann – nicht zum Selbstzweck, sondern wegen des ureigensten Auftrags der Verkündigung der Frohen Botschaft. Seine ersten öffentlichen Worte nach seiner Wahl deuten darauf hin, dass er genau das verstanden hat.

    Das Amt des Bischofskonferenz-Vorsitzenden bietet ihm dazu eine nicht zu unterschätzende Chance: Es bietet Sichtbarkeit. Ein Wert an sich in einer säkularen Welt, in der die katholische Kirche in Deutschland spürbar an Relevanz verloren und ihre Glaubwürdigkeit durch den Missbrauchsskandal massiv beschädigt hat. Ihr freier Fall dauert an und ein Fallschirm, der ihn ein wenig und selbstgesteuert bremsen könnte, ist nicht geöffnet. Der jüngst offiziell zu Ende gegangene „Synodale Weg“ sollte ein Fallschirm sein. Der Reformprozess wollte eine Antwort auf die systemischen Ursachen des Missbrauchsskandals liefern, führte aber zu jeder Menge weiterer Fragen und Frust. Auch hier: Die breite, nicht länger mehrheitlich christliche Bevölkerung erreichten statt Signalen des Aufbruchs Signale des Abbruchs.

    Kirche muss sichtbarer werden – als Gemeinschaft, nicht als heillos zerstrittener „Verein“

    Heiner Wilmer muss, möchte er aktiv gestalten, aktiv werden: Er muss noch sichtbarer sein als sein bereits recht sichtbarer Vorgänger Bätzing, damit die Kirche sichtbarer und vor allem erkennbarer wird – und zwar als Gemeinschaft, nicht als heillos zerstrittener „Verein“. Wilmer muss seine Stimme erheben, muss mitreden in den gesellschaftlichen Debatten und, warum nicht?, in den Talkshows. Unmöglich ist das nun nicht gerade.

    Möglich, doch ungleich schwieriger wird es sein, die mehrheitlich gefassten Reform-Beschlüsse des Synodalen Wegs mit Leben zu füllen und so fortzuführen, dass nicht auch noch der letzte Rest an Vertrauen in die Reformfähigkeit der Kirche verpufft. Kräfteraubend wird es sein, die Bischofskonferenz zu befrieden – wie Papst Leo XIV., der auf weltkirchlicher Ebene zwischen Bewahrern und Reformern vermittelt – und mit einer Stimme sprechen zu lassen. Bei ihrer Vollversammlung vor zwei Jahren in Augsburg taten die Bischöfe das. Ihre Warnung vor völkischem Nationalismus und der AfD war relevant, wurde gehört, hatte Kraft und Folgen.

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