Nicolas Sarkozy war kein Häftling wie jeder andere. Nicht nur bewohnte Frankreichs Ex-Präsident eine Einzelzelle im sogenannten „VIP-Bereich“ der Anstalt La Santé im Pariser Süden – neun Quadratmeter teilen sich sonst zwei bis drei Insassen der überfüllten französischen Gefängnisse. Auch wachte eine zusätzliche Leibgarde über ihn. Und vor allem kam Sarkozy nach nur 20 Tagen hinter Gittern wieder frei, obwohl er zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Ein Berufungsgericht gab am Montag seinem Antrag auf vorzeitige Entlassung statt. Das Risiko von Zeugenbeeinflussung oder Flucht wurde als gering eingeschätzt. Der 70-Jährige bleibt aber unter richterlicher Kontrolle.
Ende September war er im Prozess um Wahlkampfgelder aus Libyen schuldig gesprochen worden, Teil einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein. Wegen der „außerordentlichen Schwere“ der Tat, da zwei seiner Vertrauten sich mit einer in Frankreich wegen Terrorismus verurteilten Größe des Regimes von Muammar al-Gaddafi getroffen hatten, musste Sarkozy sofort in Haft, obwohl er Berufung einlegte – wie rund 85 Prozent aller französischen Verurteilten. Dennoch empörte dies seine Anhänger, darunter auch viele aktive Politiker des bürgerlich und extrem rechten Spektrums. Er selbst stellte sich als Opfer einer politischen Justiz dar. „Ich hatte niemals die wahnsinnige Idee, al-Gaddafi um Geld zu bitten“, versicherte er am Montag erneut. Der Berufungsprozess steht im März 2026 an.
Nicolas Sarkozy: Der prominente Häftling erhielt prominenten Besuch
Um nicht von Mithäftlingen belästigt zu werden, befand sich Sarkozy in Einzelhaft. Tatsächlich zirkulierten in den sozialen Medien Videos aus der Anstalt, in denen ihm andere Insassen aus ihren Zellen Drohungen zuriefen. Zugleich erhielt der ehemalige Staatschef tausende Unterstützungsbriefe und Pakete und sogar Besuch von Justizminister Gérald Darmanin, einem politischen Zögling. Daraufhin reichte ein Zusammenschluss von Anwälten Klage wegen „illegaler Vorteilsnahme“ ein, der Generalstaatsanwalt Rémy Heitz warnte vor Schaden für die Unabhängigkeit der Justiz. Nun erteilte das Gericht Sarkozy explizit ein Kontaktverbot mit Darmanin.
Das Leben im Gefängnis sei „sehr hart, ja kräftezehrend“, klagte der Ex-Präsident, der sich in seiner Zeit als aktiver Politiker stets für strenge Haftstrafen bereits für Kleinkriminelle ausgesprochen hatte. „Auch wenn Nicolas Sarkozy ein robuster und mutiger Mann ist, war diese Inhaftierung für ihn sehr schmerzhaft“, betonte sein Anwalt Jean-Michel Darrois. In Presseberichten hatte es geheißen, er habe sich nur von Joghurt ernährt und die Anstaltskost verweigert, aus Angst, dass Mithäftlinge „in sein Essen spucken oder Schlimmeres“. Seinem Umfeld zufolge kann er sich nicht einmal ein Ei kochen.
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