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§219a abgeschafft: Endlich können sich Schwangere besser informieren

Kommentar Von Maria-Mercedes Hering
24.06.2022

Der Bundestag streicht das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche. Für ungewollt Schwangere, Praxen und Kliniken ist das ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit.

Die Streichung von Paragraf 219a war längst überfällig. Zu lange hat das Werbeverbot für Abtreibungen dazu geführt, dass ungewollt Schwangere Informationen über Abbrüche nur sehr schwer bekommen. Denn aus Furcht vor rechtlichen Konsequenzen sind die Auskünfte dazu bei vielen Praxen und Kliniken online dünn gesät. Nicht ohne Grund, wie der Fall Kristina Hänel gezeigt hat.

Für ungewollt Schwangere hat das bisher bedeutet, dass sie sich nur auf den Seiten von Abtreibungsgegnern und -gegnerinnen überhaupt informieren können, wo Abbrüche durchgeführt werden. Wer mehr über Methoden, Kosten und Risiken erfahren will, muss noch länger suchen. Für viele Betroffene ist das eine große zusätzliche Belastung in einer ohnehin schwierigen Situation.

Das ist ein großes Problem. Denn ungewollt Schwangere müssen sich umfassend informieren können, um eine Entscheidung zu treffen, wie es weitergehen soll – mit oder ohne Kind. Ihnen Informationen zu Abbrüchen zu verwehren, ist nicht nur grausam. Es ist auch unnötig.

Denn der Gesetzgeber hat für Schwangerschaftsabbrüche ohnehin enge Grenzen gesetzt. Abbrüche sind nicht per se erlaubt, sondern erst einmal strafbar und nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Wer sich für einen Abbruch entscheidet, muss in den meisten Fällen eine Beratung wahrnehmen und bestimmte Fristen einhalten. Das wird sich nicht ändern. Die Sorge, dass ohne das Werbeverbot Schwangere jetzt unbedacht und übereilt eine Abtreibung machen lassen, ist also unbegründet – wenn sie bei so einer weitreichenden Entscheidung überhaupt jemals begründet war.

Wer aber die Regeln einhält, die der Staat für einen Abbruch vorschreibt, muss sich danach auch frei entscheiden können. Für oder gegen einen Abbruch, aber gut informiert. Dafür hat der Bundestag nun endlich die Weichen gestellt.

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