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Pete Hegseth: Was treibt Trumps „Kriegsminister“ an?

Krieg gegen Iran

Was treibt Trumps „Kriegsminister“ Peter Hegseth an?

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    US-Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht während einer Pressekonferenz im Pentagon.
    US-Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht während einer Pressekonferenz im Pentagon. Foto: Konstantin Toropin, AP/dpa

    Auf die versprochene „umgehende Untersuchung“ der Umstände, die am ersten Kriegstag zum Tod von 175 Mädchen und ihren Lehrern in einer iranischen Grundschule geführt haben, werden die US-Senatoren wohl lange warten müssen. Donald Trumps Kriegsminister hat die dafür einst zuständigen Abteilungen im Pentagon längst aufgelöst. Vor allem sieht Pete Hegseth keine Notwendigkeit, auf das Schreiben der Demokraten einzugehen. Schließlich herrsche Krieg gegen ein Land „radikaler Islamisten“, das seiner Ansicht nach keine Gnade verdiene.

    Hegseth feierte triumphierend einen „stillen Tod“ der versenkten Schiffbesatzung

    Es gebe keinen Platz für „dämliche Verhaltensregeln“, ließ Hegseth bei seinem Presseauftritt kurz nach Kriegsbeginn wissen. „Rules of Engagement“ nennen die US-Militärs die besondere Umsicht zum Schutz von Zivilisten bei der Zielauswahl von Einsätzen. Über die toten Mädchen im Süden Irans geht der „Kriegsminister“, wie sich Hegseth offiziell nennt, seitdem genauso hinweg wie über die 80 iranischen Marinesoldaten, die an Bord ihres vor Sri Lanka per amerikanischem U-Boot-Torpedo versenkten Zerstörers waren. Sie hätten einen „stillen Tod“ gefunden, sagte Hegseth triumphierend.

    Selbst für die bisher sieben US-Soldaten, die seit dem Angriff gegen den Iran ums Leben kamen, zeigte der Minister nur wenig Mitgefühl. Dass die Presse über die Gefallenen auf den Titelseiten berichte, sei doch nur, „um den Präsidenten schlecht aussehen zu lassen“, monierte er. Für Hegseth gehört das zum neuen „Krieger-Ethos“, das er unter den drei Millionen Militärs und zivilen Mitarbeitern des Pentagons propagiert, seit er mit hauchdünner Mehrheit im Senat als Pentagon-Chef bestätigt worden war.

    Bei seiner Anhörung konfrontierten Senatoren den Irakkriegsveteran und Ex-Fernsehmoderator mit einer langen Liste von Vorwürfen: abfällige Äußerungen über Frauen in den Streitkräften, Anschuldigungen wegen Trinkens im Dienst, Vorwürfe sexueller Übergriffe und Verfehlungen, eine turbulente Amtszeit als Leiter zweier kleiner Veteranengruppen und keinerlei Erfahrung für ein Amt, das die mächtigsten Streitkräfte der Welt beaufsichtigt.

    Kreuzritter-Tattoo auf der Brust

    In den Blick gerieten auch sein Tattoo des „Jerusalem-Kreuzes“ auf der Brust und das Schwert mit dem lateinischen Spruch „Deus vult“ – zu Deutsch: „Gott will es“. Beides steht für die mittelalterlichen Kreuzritter und wird von jenen Rechtsradikalen benutzt, die sich in ihrer Ideologie auf das Christentum berufen.

    All das kommt wieder in Erinnerung, wo Hegseth zum Gesicht des Iran-Kriegs in den USA wird. Kritiker wie George W. Bushs ehemaliger Redenschreiber Peter Wehner sehen sich bestätigt, dass dem hypermaskulinen Minister, der seine Anzüge in Donald Trumps Lieblingsfarben wie eine Wurstpelle hauteng über seinen durchtrainierten Körper trägt, die Seriosität für das Amt fehlt. Seine Pressekonferenzen seit Beginn des Krieges ließen eine „ruhelose, geplagte Seele“ erkennen.

    Hegseths Mutter fällte kein schmeichelhaftes Urteil über ihren Sohn

    Wehner schreibt in einem vielbeachteten Beitrag im Atlantic, Hegseth versuche „zu sehr, das Bild eines harten Kerls zu projizieren. Dahinter verbergen sich „viele ungelöste Probleme, viel Zerbrochenes“, was sich in seinem Leben abgespielt habe. „Das ist gefährlich, wenn die betreffende Person zufällig der Verteidigungsminister ist.“ Die überspielte Unsicherheit könnte von der Zurückweisung seiner Mutter Penelope rühren, die ihrem Sohn Pete 2018 in einer E-Mail vorhielt, jemand zu sein, „der sich erhebt, lügt, betrügt, herumhurt und Frauen für seine eigene Macht und sein Ego benutzt“. Kein schmeichelhaftes Urteil des Menschen, der den heute 45-Jährigen vielleicht am besten kennt.

    Hegseth wuchs in Minneapolis auf, studierte Politik in Princeton und wurde Herausgeber des rechtskonservativen Studentenmagazins Princeton Tory, wo er sich früh in Kulturkämpfe stürzte. Nach dem Abschluss trat er der Nationalgarde bei und diente als Infanterieoffizier – in Guantánamo, im Irak und in Afghanistan. Den Sprung in die Öffentlichkeit schaffte er als Wochenendmoderator bei Fox & Friends. Dort fiel er dem regelmäßigen Zuschauer Donald Trump mit seinen markigen Sprüchen auf und empfahl sich als Sprecher für Trumps „America-First“-Militarismus. Wie der US-Präsident ist Hegseth dabei um sein Image besorgt. So versuchte er im Oktober, Reportern mit neuen Regeln für die Berichterstattung aus dem Pentagon einen Maulkorb zu verpassen. Fotografen schloss er von Iran-Briefings aus, weil Bilder von einer Pressekonferenz nicht gefielen.

    Vor den Medien tritt er teils irritierend markig auf: Vier Tage nach Kriegsbeginn verkündete Hegseth, der Iran sei „erledigt“ – seine Führer wüssten es, „zumindest werden sie es bald wissen“. Nur Spott hatte er für die traditionellen Verbündeten übrig, „die ihre Perlen festkrallen und über den Einsatz von Gewalt lamentieren“. In diesem Krieg werde es „keine Demokratieübungen, keine politisch korrekten Kriege“ geben, tönte er. „Wir sind keine Verteidiger mehr. Wir sind Krieger, ausgebildet, den Feind zu töten und seinen Willen zu brechen.“

    Als Minister gab Hegseth in einem einzigen Monat 93 Milliarden Dollar aus

    Zugleich findet der Kriegsminister Zeit, für Königskrabben aus Alaska im Wert von Millionen Dollar, Hummerschwänze, Steinway-Flügel und Fruchtkörbe zu bestellen. Laut einem investigativen Bericht der Organisation „Open the Books“ soll der Minister in einem einzigen Monat 93 Milliarden Dollar ausgegeben haben – vieles davon für üppige Verträge und überflüssigen Luxus. Die TV-Mitternachtskomiker haben Hegseth in ihren Parodien schon vorher zu einer Karikatur verwandelt, die mehr an einen Bösewicht aus einem Hollywoodfilm erinnert als an einen seriösen Staatsmann.

    Ob Kriegsminister, Kreuzritter oder Karikatur – viele US-Beobachter halten Hegseth in seiner Rolle für einen gefährlichen Mann, der tiefe Unsicherheit mit großer Härte überspielt. Kein beruhigender Gedanke über den Mann, der von Trump im Iran-Krieg freie Hand erhalten hat.

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