Es waren die düstersten Bilder seiner zweiten Amtszeit: Am Wochenende salutierte US-Präsident Donald Trump am Luftwaffenstützpunkt Dover in Delaware in Begleitung seiner Frau Melania und seines Vizepräsidenten J. D. Vance vor den mit Sternen-Banner bedeckten Särgen der sechs US-Soldaten, die von einer iranischen Drohne getötet wurden. Trump stand stramm, die Fingerspitzen an einer weißen „USA“-Baseballkappe, wie er sie schon im provisorischen Lagezentrum in seinem Golfclub in Mar-a-Lago trug, als er vor einer Woche die ersten Angriffe auf den Iran verfolgte.
Trump versichert: „Wir gewinnen den Krieg haushoch“
Eine Stunde lang soll er zuvor mit den Familienangehörigen der Gefallenen gesprochen haben. „Die Eltern waren so stolz“, erzählte Trump hinterher in der „Airforce One“ mitreisenden Journalisten. „Wir gewinnen den Krieg haushoch“, sagte er. Doch es werde sicher noch eine Weile weitergehen. Nach Ende der ersten Kriegswochen lassen die ersten Zwischenbilanzen tatsächlich keine Antworten auf die Frage zu, wann und wie der Krieg gegen den Iran enden wird.
„Unser Plan ist es, den Krieg auszuweiten und seine Dauer zu verlängern“, sagte der iranische Parlamentsstratege Mahdi Mohammadi laut einer von der New York Times zitierten Audiobotschaft. „Wir wissen, dass Amerika sich große Sorgen um einen regionalen Krieg macht, seine Wirtschaft wird beeinträchtigt werden, seine Verbündeten werden Schaden nehmen“, erklärt Mohammadi.
Irans Vorgehen entspricht genau der von den USA erwarteten Strategie
Tatsächlich geht Iran genau nach einer von den US-Geheimdiensten erwarteten Strategie vor. Die ersten beiden Phasen sahen Angriffe auf Israel und amerikanische Militärbasen in arabischen Ländern vor. Die dritte Phase sollte mit Angriffen auf zivile Ziele wie Flughäfen und Hotels die Wirtschaft und den Tourismus der arabischen Länder und die globale Energieversorgung treffen, um den Krieg für Amerika extrem kostspielig zu machen. Tatsächlich steigen die Spritpreise nicht nur in Europa, sondern auch in den USA rasant – bislang um 20 Prozent. In der Folge könnten bald Lebensmittelpreise und die gesamte Inflation in den USA steigen, deren Bekämpfung einst Donald Trumps oberstes Ziel und mitentscheidend für seinen Wahlerfolg 2024 war.
Die Zerstörung des iranischen Angriffspotenzials wird damit für die USA zu einem Wettlauf mit der Zeit. Vergangene Woche sickerte aus vertraulichen Berichten der US-Regierung an den Kongress durch, dass der Iran auch nach tausenden israelischen und amerikanischen Luftangriffen immer noch bis zu 50 Prozent seines Raketenprogramms und noch mehr Drohnen besessen haben soll.
Israel und USA starteten bereits über 4000 Angriffe
Seit Ende vergangener Woche haben Israel und die USA jedoch nach eigenen Angaben nach Ausschaltung der iranischen Luftabwehr praktisch die Lufthoheit über den Iran und können ihre Ziele damit einfacher bombardieren. Inzwischen sollen laut US-Angaben rund 4.000 Ziele angegriffen worden sein, deren Auswahl inzwischen zu beträchtlichem Teil mithilfe Künstlicher Intelligenz erfolgen soll. Gleichzeitig sollen die iranischen Angriffe auf Israel und andere Staaten in der Region um bis zu 90 Prozent zurückgegangen sein. Im Iran sollen nach Angaben des iranischen Roten Halbmonds durch die Angriffe etwa tausend Zivilisten getötet worden sein.
Schon bei der ersten Angriffswelle starben 175 Menschen – darunter viele Schulkinder –, als in der südiranischen Stadt Minab eine Grundschule in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kasernen der Revolutionsgarde zerstört wurde. Nach Recherchen der New York Times soll das US-Militär die Schule für ein weiteres Kasernengebäude der Revolutionsgarden-Marine gehalten haben. Die regimetreue Garde betreibt in dieser Region die Blockade der strategisch wichtigen Seefahrtsroute „Straße von Hormus“.
Wie es heißt, gehen Israel und die USA arbeitsteilig vor. Die Amerikaner, die inzwischen 50.000 Soldaten in der Region stationiert haben, greifen insbesondere Ziele des iranischen Militärs und der Revolutionsgarden an. Israels Militär werden darüber hinaus die gezielten Schläge gegen iranisches Führungspersonal zugeschrieben. Allen voran der Enthauptungsschlag zu Kriegsbeginn, bei dem in Teheran Religionsführer Ali Chamenei und weite Teile der bisherigen Militärspitze getötet wurden.
Trump erwähnte seitdem mehrfach, so auch beim Besuch von Kanzler Friedrich Merz, dass bei dem Schlag auch Kandidaten für die Führung Irans ausgeschaltet worden seien, mit denen sich die USA neue Verhandlungen hätten vorstellen können. Seitdem nannte der US-Präsident fast jeden Tag andere Kriegsziele – erst einen Regimesturz durch das Volk, dann US-Mitsprache bei der Ernennung eines neuen iranischen Führers und zuletzt die Kapitulation Irans.
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